Es ist bereits die 2. Runde vor Gericht

Rentner verklagen Nachbarn wegen Waschmittel-Geruchs

Icking - Wegen Waschmitteldüften, die aufs Grundstück wehen, klagt ein Rentner-Ehepaar gegen zwei Nachbarn und deren Vermieter. Ein Gutachten ergab: Keine Hinweis auf unangenehme Gerüche. Dem Klägerpaar genügt das nicht. 

Sie könnten in Ruhe und Gelassenheit ihren Lebensabend genießen. Doch statt es sich auf der Terrasse ihres Eigenheims in Icking (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit Freunden gemütlich zu machen, ärgern sich die Rentner über ihre Nachbarn. Denn wenn die Waschtag haben, wehten aus dem Waschkellerfenster üble Duftwolken über die Hecke in den Garten des etwas tiefer am Hang gelegenen Grundstücks herab. Das Ehepaar fühlt sich davon massiv belästigt. Die Gartenarbeit müssten sie unterbrechen und das Salatbeet abdecken, damit die Duftstoffe nicht in die Salatschüssel wanderten. Das berichtete der Ickinger in der ersten Verhandlung vor zwei Jahren.

Zunächst hatte seine Gattin den Nachbarn empfohlen, ihre Wäsche mit Persil zu waschen. Das brachte aber nicht den gewünschten Effekt. Deshalb klagten die Eheleute auf Unterlassung. Der Hauseigentümer sollte die Abluft quer durch den Keller auf die andere Hausseite leiten, oder die Mieter sollten ihre Ablufttrockner gegen Kondenstrockner tauschen.

Für Beides sahen die Beklagten keinen Anlass. Ein Gutachten wurde damals in Auftrag gegeben, um die Situation vor Ort zu analysieren und die tatsächliche Geruchsbelastung festzustellen. Doch es brachte nicht das von den Klägern erhoffte Ergebnis. „Es gibt keine Hinweise auf unangenehme Gerüche“, konstatierte der Gutachter. „Die nach der Geruchsimmissionsrichtlinie zulässigen Werte für ein Wohngebiet werden nicht überschritten.“

Das genügte den Klägern nicht. Sie wollten ihre Fragen an den Gutachter in einer weiteren Verhandlung klären lassen. Der ehemalige Diplom-Meteorologe monierte gestern im Amtsgericht Wolfratshausen unter anderem, dass bei der Messung die Wäsche nur mit 30 bis 40 Grad gewaschen und getrocknet worden und die Trocknertrommeln nur zur Hälfte gefüllt gewesen seien. „Je niedriger die Temperatur, umso weniger Duft wird freigesetzt“, belehrte er Gutachter. Außerdem – und das war sein Hauptkritikpunkt – seien bei den vom Gutachter angewandten Modellen und Berechnungsmethoden die „bodennahen Kaltluftabflüsse“ nicht genügend berücksichtigt. Deshalb beantragte der Rentner ein weiteres Gutachten, das besser auf die geografischen Besonderheiten der betroffenen Grundstücke eingehe. Als mögliche Alternative, um die Kosten in Grenzen zu halten, empfahl er das „Schwachwinddriften“ mittels Räucherstäbchen in einem sogenannten „Rauchgutachten“ messen zu lassen.

Ein Vorstoß des Klägeranwalts, die Sache doch noch durch die Anschaffung eines zweiten Kondenstrockners (eine der betroffenen Familien hat inzwischen umgestellt) aus der Welt zu schaffen, erteilte der beklagte Hauseigentümer eine klare Absage. „Seit 2009 streiten wir, es gab Wurfzettel und Drohanrufe. Es ist inzwischen für uns eine starke nervliche Belastung.“ „Selber schuld“, rief der klagende Rentner dazwischen.

Richterin Mareike Preisner beendete die Diskussion abrupt. Sie empfahl den streitenden Parteien, sich Gedanken über eine Mediation zu machen. Ob das Gericht dem Antrag für ein weiteres Gutachten stattgibt, will die Richterin am 5. Dezember verkünden.

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Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © Schrader/DPA

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