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Das günstigere Kurzstrecken-Ticket hätte ausgereicht, doch Michael Harreiner entschied sich für eine Einzelfahrt.

S-Bahn-Wahnsinn

So wurde aus diesem Mann ein Schwarzfahrer - obwohl er ein teures Ticket kaufte

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Aufgrund einer ziemlich eigentümlichen Preisgestaltung wurde Michael Harreiner des Schwarzfahrens bezichtigt. Dabei hatte der 48-Jährige ein teureres Ticket gekauft als nötig...

Icking/Ebenhausen - Michael Harreiner (48) kann es nicht fassen: Kürzlich hat er für eine S-Bahn-Fahrt von Ebenhausen nach Wolfratshausen mehr gezahlt als nötig, nämlich 2,80 für eine Einzelfahrt, obwohl für die Fahrt ein Kurzstrecken-Ticket zum halben Preis genügt hätte. Umso mehr war er überrascht, als er wegen Schwarzfahren 60 Euro Bußgeld zahlen sollte. Das Problem: Sein Ticket galt nur für eine Zone, er fuhr zwar nur zwei Stationen, durchquerte aber zwei Zonen. Das teure Einzelticket gilt aber nur für eine Zone, während die Kurzstrecke überall gilt! 

Das Drama begann an einem Freitag im November. Michael Harreiner aus Ebenhausen war etwas spät dran. Er sollte für seinen Sohn den Wagen aus der Werkstatt in Wolfratshauen abholen, hatte aber getrödelt. Also eilte der Unternehmer, der selten S-Bahn fährt, in Richtung Bahnhof. Seine Frau rief ihm noch nach, dass für die zwei Stationen ein Kurzstrecken-Ticket genügt. Doch am Automaten wollte Harreiner auf Nummer sicher gehen und entschied sich für eine Einzelfahrt für 2,80 Euro.

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Das Problem: Harreiner verkehrte zwischen zwei Zonen

In Icking, eine Station weiter, stieg ein Kontrolleur zu. Harreiner hatte ein reines Gewissen, als er sein Ticket vorzeigte. Doch dann drückte der Kontrolleur Harreiner eine Fahrpreisnacherhebung über 60 Euro in die Hand. Der fiel aus allen Wolken. Doch der Kontrolleur blieb streng und belehrte den Fahrgast. Das Problem: Harreiner war zwischen zwei Zonen verkehrt, sein Ticket galt jedoch nur für eine Zone. Das günstigere Kurzstrecken-Ticket hätte ausgereicht. Harreiner hatte zu viel bezahlt - und bekam trotzdem ein Bußgeld. 

Das wollte er auf keinen Fall stehen lassen und schickte einen Einspruch an die Beschwerdestelle der Bahn in Baden-Baden. Die Antwort: „Es ist nicht relevant, ob der Preis der ungültigen Fahrkarte den Preis der gültigen Fahrkarte übersteigt.“ Entscheidend sei, dass er zum Zeitpunkt der Kontrolle keinen gültigen Fahrausweis vorzeigen konnte. „Das hat doch mit gesundem Menschenverstand nichts mehr zu tun“, findet Michael Harreiner.Genauso sieht es auch der Fahrgastverband Pro Bahn. „Eher wäre ein dickes Dankeschön angebracht gewesen, dass Herr Harreiner das Unternehmen so großzügig bezuschusst“, erklärt Sprecher Andreas Frank. 

Bahnsprecher Bernd Honerkamp verteidigt seinen Konzern. „Kontrolleure haben keinen Ermessensspielraum.“ Im Fall von Michael Harreiner will man aber eine Ausnahme machen, denn „von einer Betrugsabsicht kann man wohl kaum sprechen“. Bleiben für Harreiner die 1,40 Euro, die er der Bahn geschenkt hat. Aber die, sagt er, kann er verschmerzen.

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