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Schluss mit weißen Wänden: Es kommt wieder Leben ins Hollerhaus

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Optimistisch: Hollerhaus-Galeristin Lia Schneider-Stöckl.
Optimistisch: Hollerhaus-Galeristin Lia Schneider-Stöckl. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Lia Schneider-Stöckl im Interview: Die Hollerhaus-Galeristin richtet nach Lockdowns und pandemiebedingten Einschränkungen den Blick nach vorne.

Irschenhausen – Endlich: Museen und Galerien können seit Mitte Februar mit 3G-Regel wieder öffnen. In den Monaten davor machten der Lockdown und pandemiebedingte Einschränkungen das kulturelle Leben quasi unmöglich. Galeristen und Künstler hingen in der Warteschleife. Unsere Mitarbeiterin Sabine Hermsdorf-Hiss sprach mit Lia Schneider-Stöckl, Inhaberin des Hollerhauses in Irschenhausen. Das ehemalige Anwesen des Dorfschneiders mit seiner bewegten Geschichte und Drehort des „Bullen von Tölz“ dient seit Jahrzehnten als Galerie mit Lesungen, Ausstellungen und Konzerten.

Frau Schneider-Stöckl, Hand aufs Herz: Wie gut können Sie malen?

Mein Großvater hat viel gemalt. Er wollte ursprünglich an der Kunstakademie studieren, dann kam der Erste Weltkrieg. Auch mein Vater war künstlerisch sehr begabt und interessiert. Er ist lebenslang zu wichtigen Ausstellungen gefahren oder geflogen. Ich selbst habe mal mit Hinterglasmalerei angefangen. Die Ickinger Künstlerin Alinde Rothenfußer hatte gemeint ,Du malst jetzt a amal‘. Zwei Bilder habe ich a bisserl versteckt bei einer Ausstellung mit aufgehängt. Das war’s mit meiner Karriere.

Die Bilder im Hollerhaus wurden in den Lockdowns abgehängt. Wie fühlen sich weiße Wände in der Galerie an?

Das war alles andere als schön. Noch mehr habe ich allerdings an die Künstler gedacht, deren Werke hier hätten hängen sollen. Sie leben ja vom Verkauf ihrer Kunst, hatten sich auf die Ausstellungen vorbereitet – und dann fällt plötzlich alles in sich zusammen.

Was war Ihr erster Gedanke, als sie wegen des Lockdowns alles absagen mussten?

Wir wussten anfangs gar nicht, wie lange das so bleiben würde. So oder so war es unfassbar. Etwas Vergleichbares hatte es noch nie gegeben. Für jeden Galeristen war die Vorstellung bis dahin unbegreiflich, an einem Wochenende nicht öffnen zu können. Und plötzlich war alles über Monate hinweg zu. Es war einschneidend für uns alle.

Wie viele Ausstellungen waren für das vergangene Jahr geplant?

Zehn – wenn das überhaupt reicht.

Wie viele haben Sie ausgerichtet?

Im Sommer konnten wir zumindest zwei durchführen, aber nur unter strengen Bedingungen.

Wie sahen die aus?

Bei unserer Größe durften nur drei Besucher gleichzeitig den Ausstellungsraum betreten. Zwischendurch wurde immer wieder gelüftet, natürlich herrschte Maskenpflicht. Dazu kamen Eingangskontrollen – die Besucher mussten ihren Impfnachweis vorlegen. Anfangs haben wir noch Adresslisten geführt. Die Leute haben sehr viel mitgemacht, es aber auch verstanden. Jeder war vorsichtig und verantwortungsvoll sich und den anderen gegenüber.

Mussten Sie wegen der Regelungen die Öffnungszeiten ändern?

Ich habe versucht, das flexibel zu handhaben. Wenn sich jemand zu einer bestimmten Zeit angemeldet hat, war auch jemand von uns da. Meine Familie hat mich wie immer sehr unterstützt. Alle haben zusammen geholfen, um das zu stemmen.

Das Hollerhaus ist nicht nur für seine Ausstellungen bekannt...

Richtig. Alle Abendveranstaltungen wie Flamenco, Lesungen oder Musik sind weggefallen. Das dann bei gekürzter Besucherzahl durchzuführen und gleichzeitig alle Beschränkungen zu beachten, wäre unmöglich gewesen. Alleine auf der Bühne wären zu viele Leute gewesen. Dann hätte kein einziger Gast mehr Platz gehabt.

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Warum haben Sie keine Livestreams angeboten wie andere Kulturbühnen?

Das ging leider nicht. Allein deshalb, weil wir die nötige Technik nicht besitzen. Im Sommer konnten wir den Garten nutzen. Als die Isartaler Blasmusik mit Klaus Doldinger als Gast hier spielte, konnten wir unter freiem Himmel und mit Abstand ein schönes Fest feiern. Das ist natürlich wetterabhängig. Das haben wir zum Ende des Konzerts auch gemerkt (lacht).

Wie haben die Besucher reagiert, als die Galerie wieder geöffnet wurde?

Manche waren so glücklich und froh, dass sie wieder rausgehen und eine Veranstaltung besuchen konnten. Gerade die ersten Konzerte waren auch super gut besucht. Andere wollten lieber abwarten, ehe sie sich an Orte begeben, an denen sich mehrere Menschen aufhalten.

Hat sich dadurch das Klientel geändert?

Nicht wirklich. Mit verschiedenen Angeboten sprechen wir verschiedene Menschen an. Und wir haben ein großes Einzugsgebiet.

Was haben Sie für die für die nächste Zeit geplant?

Kurz gesagt: ganz tolle Sachen: Von einer Start-up-Ausstellung bis hin zu Quadro Nuevo mit ihrer „Odyssee – Journey into the Light“. Ich freue mich schon darauf.

Infos im Internet:

www.hollerhaus- irschenhausen.de

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