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Schüler fragen, Politiker antworten: Auf Einladung des Rilke-Gymnasiums sprach Bundetagsabgeordneter Alexander Radwan (CSU) über den Zustand Europas und der Welt. Die Schüler rief er dazu auf, ihre Zukunft selbst zu gestalten und am politischen Diskurs teilzunehmen. 

Alexander Radwan am Ickinger Gymnasium

Schüler fragen, Politiker antwortet

Icking - 2016 war ein Jahr, das politisch so bewegt war wie schon seit langem nicht mehr. Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan (CSU) sprach mit den Schülern über die große Politik. 

Moderiert wurde das Gespräch von vier Schülern. Die Fragen hatten die Schüler der elften und zwölften Jahrgangsstufe im Fach Wirtschaft und Recht mit den Lehrern Roswitha Wimmer und Andreas Adam vorbereitet.

Der Politiker, der in Berlin den Wahlkreis Starnberg (und damit auch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) vertritt, wies mit Nachdruck darauf hin, dass in der Politik eine differenzierte Betrachtung wichtig ist. „Einfaches Schwarz-Weiß gibt es nicht.“ Dies demonstrierte er am Beispiel der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank, die ja von vielen kritisch gesehen wird. „Angenommen, wir schwenken wieder um und erhöhen die Zinssätze. Für deutsche Sparer wäre das gut“, sagte Radwan. Der Euroraum besteht jedoch nicht nur aus Deutschland. Eine Kurskorrektur könnte das Land auch indirekt treffen. Denn: „Wenn in Südosteuropa dadurch eine neue Finanzkrise ausgelöst würde, hätte diese ebenfalls negative Auswirkungen auf Deutschland.“

70 Jahre Frieden werden laut Radwan „viel zu wenig geschätzt“

Den Ausbau des Ickinger Glasfasernetzes nahm Radwan zum Anlass, auf das Thema Internet einzugehen. Eine digitale Infrastruktur sei in Zukunft Grundvoraussetzung für hochwertige Arbeitsplätze, gerade, um den ländlichen Raum zu stärken. Der Datenschutz habe in Deutschland jedoch hohe Priorität. Ein Entweder-Oder, ein Schwarz oder Weiß, sei auch hier fehl am Platz. Es gelte, Kompromisse zu finden.

Auf die Frage nach der Zukunft der Europäischen Union berief sich Radwan, der neun Jahre im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments saß, auf die Überschrift der Gründerväter: „Nie wieder Krieg“. Die Union solle zu ihrem Ursprungsgedanken einer Friedensgemeinschaft zurückkehren. „Die 70 Jahre Frieden werden viel zu wenig geschätzt“, sagte der Politiker. Weil es extrem schwierig sei, die Ansichten der einzelnen Regierungschefs zusammenzuführen, müsse man in kleinen Schritten konsolidieren. Nationalismus sei definitiv der falsche Weg. Er „führt eher in einen Abgrund in einer Welt, die Europa braucht“.

Radwan will mit der Türkei im Gespräch bleiben

Die Schüler sprachen auch die Situation in der Türkei und den Austritt Großbritanniens aus der EU, den so genannten Brexit, an. Im Umgang mit beiden Ländern forderte Radwan eine „pragmatische Politik mit Augenmaß“. Wichtig sei, sowohl mit England als auch mit der Türkei im Gespräch zu bleiben. Auch bei Konflikten wie in Syrien gebe es keine einfachen Antworten, die Vorgänge seien hochkomplex. „Zu jedem Argument gibt es ein Gegenargument.“ Grundsätzlich gelte, dass Bevölkerungswachstum und weitere Fluchtbewegungen gewaltige Herausforderungen darstellen, mit denen sich die Menschheit auseinandersetzen muss – also auch die Generation, der die Ickinger Gymnasiasten angehören.

Appell an die Schüler: „Euer Engagement ist entscheidend für die Zukunft“

Radwan ermunterte die Schüler ausdrücklich, am politischen Prozess teilzunehmen. „Werdet Teil des Diskurses“, sagte er. Das betreffe vor allem die Bereitschaft, zur Wahl zu gehen. Ähnlich wie der Friede sei die Demokratie ein Privileg, das nicht genug gewürdigt werde. „Wählen zu können, ist ein Gut, um das die Mehrheit der Menschen noch immer kämpft“, schärfte er den Schülern ein. Und: „Euer Engagement ist entscheidend für die Zukunft.“

Von Magdalena Höcherl

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