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Exotische Schädlinge in heimischen Wäldern: Bei Befall „Alarmstufe Rot“

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Von: Volker Ufertinger

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Förster Robert Nörr inspiziert die Klebefalle für exotische Schädlinge
Förster Robert Nörr inspiziert eine Klebefalle für exotische Schädlinge. © Volker Ufertinger

Ausländische Insekten sind für lokale Bäume eine Gefahr. In Icking sorgt Förster Robert Nörr vor - auf zwei Käfer hat er es besonders abgesehen.

Icking – Tief im Wald zwischen Dorfen und Attenhausen, nahe der Garmischer Autobahn, stehen zwei Insektenfallen. Gedacht sind sie für Schädlinge, die der Land- und Forstwirtschaft übel mitspielen könnten, wenn sie hierzulande auftreten. Ihr offizieller Titel: Quarantäne-Schädlinge, weil wohl nur das Mittel der Quarantäne bleibt, wenn sie sich zwischen Isar und Loisach einnisten. Es wäre ein Wort-Case-Szenario.

Region Wolfratshausen: Schutz der heimischen Wälder vor exotischen Insekten: Bei Befall „Alarmstufe Rot“

Um die beiden Fallen kümmert sich der Wolfratshauser Revierförster Robert Nörr. Alle zwei Wochen schaut er nach, ob der Asiatische Eschenprachtkäfer oder der Japankäfer in den heimischen Wäldern aufgetaucht ist. Die Fallen sind Teil eines bayernweiten Monitorings. Nörr findet das gut: „Es geht darum, vorausschauend den Gefahren der Globalisierung entgegenzuwirken“, sagt er. Tatsächlich wandern die Insekten aus der ganzen Welt ein. Die Nähe zu einem großen Umschlagplatz, der Raststätte Höhenrain, ist kein Zufall. „Er ist ein typischer Gefährdungspunkt.“

Der Asiatische Eschenprachtkäfer – sehr gefräßig
Der Asiatische Eschenprachtkäfer – außerordentlich gefräßig. © LWL

Schutz gegen Insekten ist Teamarbeit - EU legt fest, wer demnächst Ärger machen könnt

Die Behörden arbeiten Hand in Hand, um diese Gefahr im Keim zu ersticken. Die EU benennt jedes Jahr zusammen mit dem Julius- Kühn-Institut als amtlichem Pflanzenschutzdienst jene Insekten, die demnächst Ärger machen könnten. Die Umsetzung liegt bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising. In deren Auftrag schaut Nörr nach dem Rechten – und schickt die Insekten ein, die er für Verdachtsfälle hält. Die endgültige Identifizierung besorgen die Experten unter dem Mikroskop.

Insektenfallen sind ziemlich voll - verdächtige Käfer hat der Förster schon gefunden

Falle Nummer eins, eine Klebefalle, ist für den Asiatischen Eschenprachtkäfer reserviert. Die Insekten, die sich von einem spezifischen Duft angelockt, auf den lila Flächen niederlassen, kommen nicht mehr los. Nörr richtet sein Augenmerk auf alles, was zwischen 8 und 13 Millimeter groß ist und grünlich schimmert – die Charakteristika des Eschenprachtkäfers. Manchmal schabt er einen Käfer mit dem Messer ab, der ihm verdächtig vorkommt, und schickt ihn ein. „Bis jetzt war aber noch keiner dabei“, so der Revierförster.

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Quarantäne und „Alarmstufe Rot“ wenn Schädling gefunden wird

Das ist auch besser so. Sollte der Beweis erbracht sein, dass der Schädling hierzulande Fuß fasst, wäre Alarmstufe Rot angesagt. In seiner Heimat Asien befällt der Käfer nur kranke Bäume. In anderen Gegenden der Welt ist das leider anders. Speziell in den USA und Kanada hat er inzwischen Millionen gesunder Bäume den Garaus gemacht. Bei uns würde er neben den Eschen Walnüsse und Ulmen befallen. Das Tückische: Durch seine Larvengänge entwertet er das Holz zum Leidwesen der Waldbauern komplett, es ist nur noch als Brennholz verwendbar.

Der Japankäfer zählt auch als unerwünschtes Insekt
Der Japankäfer zählt auch als unerwünschtes Insekt. © Olaf Zimmermann/DPA

Schädlinge für Bäume: In Japan kein Problem – in Deutschland schon

Falle Nummer zwei, etwa 100 Meter entfernt, ist für den Japankäfer aufgestellt. In seiner Heimat, dem Ökosystem von Japan, spielt er eine untergeordnete Rolle. Aber wie das so ist: Mangels natürlicher Gegenspieler kann er sich andernorts ungehindert ausbreiten. Von Japan kam er auf die Azoren, von dort vermutlich über den Flugverkehr nach Italien. „Der Japankäfer hat ein breites Wirtsspektrum und kann viele Bäume schädigen“, so Nörr. Und nicht nur Bäume. Auch auf gepflegten Wiesen tummelt er sich mit Vorliebe und pflügt sie regelrecht um. „Da schaut es zum Teil aus, als hätten Wildschweine gewütet.“ Auch der Japankäfer ist in Attenhausen noch nicht in die Falle getappt. Vermutlich gibt es ihn hier also noch nicht. Das kann gerne so bleiben.

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