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Über Architekt Paul Wenz wird wegen seiner nationalsozialistischen Gesinnung in Icking diskutiert. Das Foto aus dem Jahr 1948 zeigt ihn mit seiner Schwester Helene von Pflaum.  

Debatte um den Architekten Paul Wenz

SPD will Wenzberg umbenennen

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Icking - Als erste der politischen Gruppierungen in der Isartalgemeinde hat sich die SPD in Sachen Wenzberg positioniert. Die Genossen plädieren angesichts der braunen Gesinnung von Namensgeber Paul Wenz für eine Umbenennung.

In einem Brief an Bürgermeisterin Margit Menrad schreibt Ortsvorsitzender Dr. Maximilian Pick: „Wir möchten Sie bitten, mit Rücksicht auf das unendliche Leid, welches durch das Nazi-Regime in die Welt gesetzt wurde, und aus Respekt gegenüber den vielen politisch und rassistisch verfolgten und ermordeten Opfern, diese Straße umzubenennen.“ Welcher Name stattdessen infrage kommt, müssen sorgfältig überdacht werden. „Sicherlich wäre es eine gute Entscheidung, wenn ein Opfer des damaligen Nazi-Terrors dadurch geehrt würde.“

Mit diesem Brief knüpft Pick an eine Debatte an, die Icking seit zwei Wochen beschäftigt. Damals war die Erkenntnis einer Ausstellung im Garmischer Aschenbrenner-Museum, die eigentlich Paul Wenz’ Ehefrau, der Kinderbuch-Illustratorin Else Wenz-Vietor, gewidmet war, bis nach Icking gedrungen. Demnach waren beide überzeugte Nationalsozialisten. Insbesondere Paul Wenz (1875 - 1965), der Teile des gleichnamigen Bergs gekauft hatte, war eine ganze Reihe von Funktionen innerhalb der NSDAP nachzuweisen. Pick zählt sie in seinem Brief noch einmal auf: Demnach war der Architekt Mitglied der NSDAP seit 1933, Ortstruppen-Schulungsleiter, SA-Truppenführer, Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste von München-Oberbayern sowie Träger des Kriegsverdienstkreuzes II. Klasse seit 1943. Damit ist für Pick klar: „Er hatte im Dritten Reich eine führende Position in Bayern inne.“ Letztendlich wäre es „im Sinne einer politisch korrekt handelnden Gemeinde, hier die richtige Entscheidung herbeizuführen.“

Am 2. Februar gibt es eine Sondersitzung zu dem Thema

Gemeindearchivar Dr. Peter Schweiger ist derzeit damit beschäftigt, Material über Paul Wenz zu sammeln. „Wir müssen einen Schritt nach dem anderen tun“, erklärt er. Dazu gehört, zunächst die Fakten zu klären, und das ist schwierig genug. So hat Schweiger, zugleich Zweiter Bürgermeister und Mitglied im Historischen Verein Wolfratshausen, im Münchner Staatsarchiv nachgeforscht. Ergebnis: Die Spruchkammerakten, die anlässlich der Entnazifizerung des Ehepaars angelegt worden sind, scheinen verloren. Übrig ist leidiglich eine Abschrift des Urteils der in zweiter Instanz zuständigen Berufungskammer Oberbayern. Diese scheint nicht sehr umfangreich zu sein. Schweiger erwartet die Zusendung einer Kopie. Fest steht: Am Donnerstag, 2. Februar, wird Schweiger den Gemeinderäten die Ergebnisse seiner Forschungen in einer öffentlichen Sondersitzung präsentieren. Dort geht es nicht nur um Paul Wenz, sondern auch um ein zweites Thema, das Icking momentan beschäftigt: die Geothermieanlage in Attenhausen.

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