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Die Anni und ihr Helfer – natürlich ein Mannsbild: Veronika von Quast und Florian Burgmayr.

Eine Anni aus Fleisch und Blut

Theatersommer: Veronika von Quasts One-Woman-Show

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Icking – Das Schauspiel stammt aus der Feder von Herbert Rosendorfer. Die Ickinger sahen es in einer köstlich amüsanten One-Woman-Inszenierung mit Veronika von Quast.

Wenn die „Gesellschaft unterm Apfelbaum“ am Sonntagabend im kleinen Theaterzelt zusammenrückt, kann das nur eines bedeuten: Es regnet beim Ickinger Theatersommer im Garten von Initiatorin Barbara Reimold. Doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch bei der so herrlich männerlastigen Lebensgeschichte der „Kellnerin Anni“ aus dem Münchner Wirtshaus-Milieu. Das Schauspiel stammt aus der Feder von Herbert Rosendorfer. Die Ickinger sahen es in einer köstlich amüsanten One-Woman-Inszenierung mit Veronika von Quast.

Mit Sonnenbrille, Sonnenhut und brillantbesetzten Ringen zittert die alte Dame am Stock daher. Als Erbin zu Geld gekommen, zieht die 80-jährige ehemalige Kellnerin eines Sängerheims bei einem Gläschen Campari Orange im Hotel Bauer in Venedig Bilanz über ihr langes Leben. Anni hat viel erlebt und viel zu erzählen. Ihre Erinnerungen sind eingebettet in szenischen Situationen, im Takt von jeweils 15 Jahren. Für die musikalische Begleitung am Akkordeon und an der Tuba, auch als Bühnenstatist und Umgestalter der Szenen, fungierte Musiker Florian Burgmayr.

Mal schält die Anni das Gemüse in der Wirtshausküche, mal schlendert sie über den Rastplatz während der Pilgerfahrt oder sitzt im venezianischen Kaffeehaus. Es war eine „Unglücksfahrt ins Glück“, als die bis dato arbeitslose Kellnerin respektive Single-Dame nach einem tragischen Busunglück im Krankenhaus ihren „Bobsel“ kennen lernte. „Schee war er ned, aber Konsul“, erinnert sie sich. Schön waren die Männer alle nicht, die Anni zeit ihres Lebens verschliss. Auch erinnerte sie sich an die Zeit mit Herbert, „dem G’scheidhaferl im Trachtenanzug“, einem verheirateten Rechtsanwalt, der nach dem 17. Weißbier immer noch Durst hatte. „So ein besserer Mensch, Sie wissen schon.“ Dann gab es da noch den Max: „Der hod bei mir immer gern bod. Mei, i sag earna, schee war’s scho“ – bis eines Tages ein Malheur mit einer roten Haartönung aus dem Max „a plattertes Oachkatzl“ machte.

Urban war ein Bekannter aus der Frauengruppe. Er liebte russische Eier und die Nackerten beim FKK-Urlaub in Jugoslawien. „Alle hat er g’schnackselt, nur mich hat er geliebt“, schwärmt Anni von den schönen Zeiten auf dem Campingplatz. Und dann kam Konsul „Bobsel“ mit „Handkuss und Bankkonto“ daher – und aus der Kellnerin Anni wurde eine reiche, greise Erbin.

Veronika von Quast, vor allem bekannt als „Vroni“ aus dem legendären „Kanal fatal“ des Bayerischen Fernsehens, spielt Annis Leben großartig authentisch, als wäre sie selbst gerade mittendrin. Sie raucht wie Anni, sie benimmt sich wie Anni, sie ist an diesem Abend die Anni aus Fleisch und Blut. Sie erzählt, und die „Gesellschaft unterm Apfelbaum“ hat ihren Riesenspaß.

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