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Ausdrucksstark: Improvisationstheater vom Feinsten zeigten Schüler des Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums zusammen mit dem Fastfood-Theater München in den Geretsrieder Ratsstuben. 

Improtheater

Trump und eine vegane Weißwurst

Die Ickinger Gymnasiasten spielen aufs Stichwort Theater. Das begeistert das Publikum.

Geretsried/Icking – Spielen ohne Regie, Maske, Drehbuch und feste Rollen, jede Szene eine Premiere für sich – das ist das Wesen des Improvisationstheaters. Schüler des Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums zeigten in den Geretsrieder Ratsstuben zusammen mit dem Fastfood-Theater München eine skurrile Show.

Das Publikum gibt das Stichwort vor: „USA“ ruft ein Besucher in der ersten Reihe. Donald Trump und sein „America first“ fallen dem Dutzend Akteure auf der Bühne spontan dazu ein. Sie marschieren im Gleichschritt, imitieren mit den Armen das Flattern der Flagge im Wind, machen sich über die Frisur des Präsidenten lustig. Singend, tanzend, pantomimisch und mit Worten nehmen sie sich des Themas an.

Oktoberfest un Amerika

Aus der Anfangsszene entwickeln zwei Mädchen die Idee, ein Oktoberfest in Amerika auf die Beine zu stellen. Mit veganer Weißwurst. Die Darsteller im Hintergrund machen Bewegungen und Laute, als müssten sie sich übergeben. Die Zuschauer sind begeistert, was sich da – manchmal unfreiwillig komisch – zusammenspinnt.

Vor sieben Jahren hat sich das Ickinger Improtheater-Team unter der Leitung von Deutsch- und Ethiklehrer Karl Haider gegründet. In enger Zusammenarbeit mit dem Profi Andreas Wolf vom Fastfood Theater München haben sich die etwa 15 Schüler zwischen 16 und 20 Jahren, darunter einige Ehemalige, zu einer inzwischen auch außerschulisch spielenden Gruppe gemausert. Pro Jahr bestreiten sie zwei bis drei Shows. Proben kann man die Auftritte nicht, doch Spontaneität und Kreativität lassen sich bei den regelmäßigen Treffen üben.

„Der Spaß ist garantiert“, meint der 16-jährige Gymnasiast Matej Kelava in der Pause im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass man keine Texte lernen muss, dafür aber eine Portion Mut braucht, gefällt seiner Mitspielerin Mona Klett, wie sie sagt. Die Vorbilder der beiden: Andreas Wolf und sein Team.

Bizarres Kurzdrama

Aus drei Publikumsvorgaben – einem Ort, einer Farbe und einer Zahl – improvisiert das Fastfood-Ensemble ein bizarres Kurzdrama. Es spielt in einer Kältekammer. An den Haken hängen grün angelaufene Schweinehälften. Der Fleischer stirbt nach einem Streit mit dem Lebensmittelkontrolleur an einem Messerstich unterhalb der siebten Rippe.

Ebenso witzig der Dialog zweier Brüder am Grab des Vaters, in den die Schauspieler Sätze einbauen müssen, die das überwiegend jugendliche Publikum zuvor auf Zettel geschrieben hat, darunter: „Das Mathe-Abi am Mittwoch wird sauschwer.“

Auch den Profis unterlaufen Peinlichkeiten. Beim Stichwort Hallenbad behauptet einer, Geretsried liege nicht an der Isar. Das Publikum darf natürlich korrigierend eingreifen. Alles in allem hatten die Protagonisten auf und vor der Bühne eine Riesengaudi miteinander. Einmal nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zum Verlauf beizutragen - auch das ist das Wesen des Improvisationstheaters.

Tanja Lühr

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