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Ukrainische Lehrerin sucht in Icking Wohnung für sich und ihre Kinder

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Von: Bettina Sewald

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Auf Wohnungssuche: Oksana Semenova kam mit ihren beiden Kindern im März aus Kiew nach Icking.
Auf Wohnungssuche: Oksana Semenova kam mit ihren beiden Kindern im März aus Kiew nach Icking. © ina

Seit März leben Oksana Semenova und ihre beiden Kinder Mischa und Darina in Icking. Im Oktober muss die Familie aus dem Haus raus, in dem sie bisher leben. Die Deutschlehrerin sucht nun eine neue Bleibe.

Icking – Oksana Semenova kam mit ihren beiden Kindern Mischa (16) und Darina (11) Mitte März nach Icking. Die junge Mutter war vor dem Bombenhagel in Kiew zuvor zu Freunden ins Allgäu geflüchtet. Dort blieb sie eine knappe Woche. „Wir waren schon lange in Kontakt, weil die Frau für die gleiche Firma wie mein Mann gearbeitet hat“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nachdem schnell klar war, dass sie mit ihrem 16-jährigen Sohn Mischa auf absehbare Zeit keinesfalls zurück nach Kiew gehen kann (dort müsste er zum Militär), überließen ihr die Freunde das leer stehende Elternhaus in Icking. Die Oma war ein halbes Jahr zuvor verstorben, und es gab noch keine Entscheidung, was mit dem Haus passieren soll.

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Die 45-Jährige zog mit den Kindern ein. Ihre Eltern kamen Ende März aus Kiew nach, nachdem auch für sie die Situation in ihrer Heimat immer dramatischer geworden war. In Icking wurden sie alle gut aufgenommen. Beim ersten Ukraine-Treff im März am Sportplatz kam Semenova unter anderem mit der Zweiten Bürgermeisterin Claudia Roederstein ins Gespräch. „Ich erzählte ihr, dass ich Deutschlehrerin bin.“

Sie erhielt eine Einladung ins Rathaus. Gemeinsam wollte man über eine Zusammenarbeit zur besseren Integration der Geflüchteten nachdenken. „Eigentlich wollte ich im Kindergarten arbeiten“, berichtet Semenova. Doch die beiden Bürgermeisterinnen machten ihr schnell klar, dass man ihre Deutschkenntnisse dringender an der Schule benötigen würde. So wurde sie eingestellt. Erst unterrichtete sie nur ein paar Stunden in der Grundschule, inzwischen auch am Gymnasium. Nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten habe sie sich in der Gemeinde schnell eingelebt.

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Jetzt wurde der Ukrainerin mitgeteilt, dass das Haus, in dem sie lebt, verkauft wurde. „Wir können nur noch bis Oktober bleiben, dann müssen wir spätestens raus“, erzählt sie und hofft, dass sich zeitnah eine neue Möglichkeit auftut. „Das ist hier eine gute Gemeinde, wir möchten sehr gerne bleiben“, betont sie. Anfänglich sei es schwer gewesen, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Dazu die Sorge um ihren Mann Serhii, der als Ingenieur eigentlich bei der Firma Aeros für ultraleichte Erzeugnisse zuständig ist und jetzt in Heimarbeit in seiner Werkstatt für die Armee arbeitet und Kleinteile für Drohnen fertigt. Aber nach ein paar Wochen habe sie sich gesagt: „Schluss mit Jammern – das ist jetzt unser neues Zuhause.“

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Aus der Ukraine geflohen: Oksana Semenova sehr gut eingelebt im Dorf

Oksana Semenova und ihre Kinder sind inzwischen gut vernetzt, mit den Geflüchteten, aber auch den Ickingern. „Ich habe eine gute Arbeit, meine Kinder gehen hier zur Schule, und ich bin schon im Chor“, freut sie sich über ihre geglückte Integration. Dieser Tage hatte sie ihren ersten Auftritt mit dem Ickinger Chor in der Kirche. Die ganze Familie ist musikalisch. Leider musste Mischa sein Cello in Kiew zurücklassen, „aber die Bandura meiner Tochter (ein ukrainisches Instrument mit 60 Saiten, Anm. d. Red.) haben wir mitgenommen.“

Ihr Mann hatte sie und die Kinder unter großen Strapazen mit dem Auto an die Grenze gefahren. Dann seien sie mit Koffer, Rucksack und dem Instrument zu Fuß über weitergegangen. Es sei immer noch gefährlich in Kiew. Sobald sich die Lage beruhigt hat, möchten ihre Eltern wieder zurück. Oksana Semenova will mit den Kindern vorerst in Deutschland bleiben. Sie hofft, dass ihr Sohn hier die Schule beenden und eventuell studieren kann.

Im Ickinger Rathaus wünscht man sich ebenfalls sehr, dass die Familie eine passende Wohnung findet. Claudia Roederstein: „Wir sind sehr dankbar, dass wir mit Frau Semanova eine so gute Kraft haben, die uns mit dem Unterricht bei der Integration der Kinder hilft.“ Außerdem habe sie als Dolmetscherin oft helfend zur Seite gestanden. BETTINA SEWALD

Kontakt

Wer in diesem Fall helfen kann, schreibt eine E-Mail an die Adresse ok_semenova@yahoo.com.

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