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Der Künstler und das fertige Werk: Philipp Amelung hatte die Idee zu einer Oper, in der Kommissar Wallander der Held ist. Aus der Idee wurde ein großer Erfolg – mit dem Segen von Autor Henning Mankell. 

Geniale Idee des Musikers Philipp Amelung

Ickinger macht Wallander zum Opernhelden

Icking - Die ganze Welt kennt Kurt Wallander, den Kommissar aus den Romanen von Henning Mankell. Auf die Idee, ihn zum Helden einer Oper zu machen, ist lange niemand gekommen. Bis ein Ickinger einen Geistesblitz hatte – Philipp Amelung.

Zum Interview kommt der „Universitätsmusikdirektor der Universität Tübingen“ – das ist inzwischen die offizielle Berufsbezeichnung für Philipp Amelung – mit einer Art Pilotenrollkoffer. Freundlich lächelnd öffnet er ihn. Der Inhalt: zwei DIN A3 große, schwarz gebundene Bücher, übervoll mit Notenzeilen. Es ist die gesamte Partitur der Kriminaloper „W – The Truth Beyond“ („W – die Wahrheit dahinter“).

Amelung staunt selbst über das Gelingen

Als begeistertem Leser sämtlicher Wallander-Krimis aus der Feder des schwedischen Erfolgsautors Henning Mankell kam dem studierten Sänger und Chordirigenten Amelung vor ein paar Jahren die Idee, eine klassische Oper um den grüblerischen, Opern liebenden Kriminalkommissar Wallander aus der südschwedischen Provinz zu schaffen. Zunächst versuchte er über den Verlag, die Erlaubnis des großen Autors für das Projekt zu bekommen. „Obwohl ich grundsätzlich ein positiver und optimistischer Mensch bin, hätte ich es selbst kaum für möglich gehalten, dass mir das gelingen würde“, sagt Amelung heute mit einem Schmunzeln.

Der Musiker traf Henning Mankell noch persönlich

Seine Hartnäckigkeit, sein musikalisches Können und die Idee eines ganz besonderen musikalischen Werkes verhalfen ihm schließlich zum Erfolg. Im Januar 2013 traf er den weltberühmten, inzwischen verstorbenen Krimiautor zu einem zweistündigen Gespräch in dessen französischer Wahlheimat. Mankell war von Philipp Amelung und seinem Opern-Projekt sehr angetan. „Allerdings hat er ausdrücklich darauf bestanden, dass wir uns bei der Umsetzung nicht zu dicht an seine Romane halten“, erinnert sich Amelung.

Die Oper spielt nach Wallanders Pensionierung

So ist es gekommen, dass die fertige Kriminaloper „W – The Truth Beyond“ dort anknüpft, wo Mankell in seinem letzten Roman „Der Feind im Schatten“ seine Hauptfigur ihre kriminalistische Arbeit endgültig beenden lässt. In der Oper wird auf dem Abschiedsfest anlässlich seiner Pensionierung der an Alzheimer erkrankte Kommissar Wallander aufgrund des überraschenden Zusammentreffens mit einem Gast dazu gebracht, einen längst beendeten Fall wieder aufzurollen. In zwei Akten und über 40 Szenen spielt sich eine Geschichte von Erinnerung, Vergessen, Liebe und Identität auf der Opernbühne ab.

In Ystad wurde die Oper frenetisch gefeiert

Damit Philipp Amelung seine Vision verwirklichen konnte, brauchte es neben der Zustimmung Mankells nicht nur ein Libretto (Klas Abrahamsson), einen Komponisten (Fredrik Sixten), Gesangssolisten (unter anderem Matias Bocchio), einen Chor (Chor der Universität Tübingen), sondern auch Kulissen, Kostüme, Probenräume, einen Konzertsaal und nicht zuletzt eine Menge Geld. Mit Hilfe der Universität Tübingen, der Stadt und der Stadt Ystad (der real existierenden Wirkungsstätte des fiktiven Wallander) hat es Amelung geschafft, seine Oper musikalische Wirklichkeit werden zu lassen. Im Juli dieses Jahres wurde sie in Tübingen drei Mal vor ausverkauftem Haus aufgeführt, um im Anschluss in Ystad weitere sieben Mal von Publikum und Presse gefeiert zu werden. „Diese Oper ist zeitgenössisch, klassisch, tonal und modern“, so Amelung. Sie soll mit ihrer eher eingängigen Musik Wallander-Fans, Opernliebhaber und Freunde klassischer Musik ins Opernhaus locken. Als „glücklich und dankbar“ bezeichnet der Musiker sein persönliches Befinden nach diesem großem Erfolg.

Vielleicht kommt das Werk auch in andere Opernhäuser

Stolz käme erst dann dazu, wenn „seine“ Oper ihren Einzug in weitere Opernhäuser halten würde. Philipp Amelung hat jedoch so viele musikalische Pläne an der Universität Tübingen, dass er dies „gelassen abwarten“ wird. Sprach es, packte die Partitur in den Rollkoffer und eilte zu seinem aktuellen „Projekt“. Dem sechs Monate alten Sohn bei den Ickinger Großeltern. Assunta Tammelleo

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