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Zeit nach dem Krieg am Gymnasium Icking: Mit der Schaufel zum Sportunterricht

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Von: Andrea Kästle

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Einweihung der Biologiesammlung: Das Bild entstand in den 1950er Jahren.
Einweihung der Biologiesammlung: Das Bild entstand in den 1950er Jahren. © Schularchiv

100. Geburtstag feiert das Ickinger Gymnasium in diesem Jahr. Unsere Zeitung nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, in loser Folge einen Blick auf die wechselvolle Geschichte der 1921 als Mittelschule gegründeten Bildungseinrichtung zu werfen. Heute: die Zeit nach dem Krieg.

Icking – Die Geschichte des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums Icking ist auch eine Geschichte von vielen Umzügen, Baumaßnahmen und provisorisch eingerichteten Unterrichtsräumen. Wobei die „Höhere private Bildungsanstalt“, wie sich die 1921 gegründete Mäuseklasse bald nennen durfte, schnell in ein ziemlich nettes Gebäude umziehen konnte – die sogenannte Bullrich-Villa. Sie ist benannt nach dem Vater eines Schülers, der ein Gut in Mörlbach besaß, und das Anwesen, in dem er selbst einmal gewohnt hatte, den Lehrern und Schülern freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Neues Zuhause: Schulgründer Alfred Vogel mit seinen Schützlingen 1927 vor der Bullrich-Villa.
Neues Zuhause: Schulgründer Alfred Vogel mit seinen Schützlingen 1927 vor der Bullrich-Villa. © Archiv Schweiger

Nach dem Krieg platzte dieses Haus jedoch aus allen Nähten – und musste ergänzt werden um drei Holzbaracken, die nicht wirklich jedem Wetter standhielten. Beheizt wurden sie mit Kanonenöfen. Die Fußböden wiesen „zentimeterdicke Ritzen“ auf, wie sich der Ickinger Archivar Peter Schweiger – er hatte selbst dort in den Jahren 1953 und 54 die Schulbank gedrückt– erinnert. „Da hat es vielleicht durchgepfiffen, und im Sommer ist dort teils auch das Gras reingewachsen.“

Da hat es vielleicht durchgepfiffen, und im Sommer ist dort teils auch das Gras reingewachsen.

Gemeindearchivar Peter Schweiger erinnert sich an die alten Schulbaracken

Der Neubau an der heutigen Adresse, der Ulrichstraße, wurde Anfang der 1950er Jahre in Angriff genommen, 1954 konnten ihn die Schüler beziehen. Wobei nicht nur die Eltern dieses „Großprojekt“, wie der ehemalige Deutschlehrer Peter A. Plößl in der Chronik schreibt, finanziell stark mittrugen. Auch die Schüler zog man zu den Bauarbeiten heran. „Man stelle sich vor, was heute geschehen würde, wenn ein Schuldirektor Schüler für Bauarbeiterdienste abstellt“, so Plössl. Die Zeiten haben sich sehr geändert. Eingeweiht haben die Ickinger das neue Haus in allerbester Stimmung. Die Feier geriet, erinnert sich Alfred Vogel, der Sohn des Schulgründers, zu einem richtigen „Volksfest“. Schüler hätten sogar die Sekretärin in einem Wagerl rübergezogen in ihr neues Büro.

Sportunterricht im Jahr 1950: Schüler helfen bei den Arbeiten am Neubau. 
Sportunterricht im Jahr 1950: Schüler helfen bei den Arbeiten am Neubau.  © Schularchiv

Gleichzeitig wurden durchaus wehmütige Stimmen laut – in Anbetracht dessen, dass die Zeit der Provisorien nun ein für alle Mal der Vergangenheit angehörte. „Es ist ganz sicher“, sagte einer der Beteiligten bei einer Wiedersehensfeier im Sommer 1959, „dass die Ickinger Schule durch den Neubau etwas von ihrem alten Charme verloren hat.“ Es regne nun in keine Klasse mehr hinein. Und, fügte er augenzwinkernd hinzu: „… es fehlt dem Biologie-Unterricht heute wohl auch jenes Anschauungsmaterial, das wir in Form von allerlei interessantem Ungeziefer in unseren geliebten Baracken vorzufinden pflegten.“

ak

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