Wolfgang Ramadan, Ickinger Impresario
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Schlussstrich unter dieses Corona-Jahr: Wolfgang Ramadan, Ickinger Impresario, sagte jetzt alle Veranstaltungen seiner Abo-Reihe ab.

Zu wenig Sicherheit, zu viele Regeln in Corona-Zeiten

Ickinger Kultur-Veranstalter Wolfgang Ramadan sagt Abo-Reihe komplett ab

  • vonPeter Borchers
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Der Ickinger Impresario Wolfgang Ramadan versorgt zwölf oberbayerische Kommunen mit Kultur. Jetzt hat er seine Abo-Reihe für 2020 abgesagt.

Icking – Er hat gebangt, gehofft – und „bis zum allerletzten Moment“ gewartet. Letztlich musste er jedoch die Notbremse ziehen. Wolfgang Ramadan sagte jetzt sämtliche bis Ende des laufenden Jahres geplanten Kulturvorstellungen seiner Abo-Reihe ab, inklusive der ins Jahr 2021 verschobenen Ersatztermine. Ihm sei nichts anderes übrig geblieben, sagt der Chef der Ickinger Agentur BrotZeit & Spiele, die sich der „kulturellen Grundversorgung“ von zwölf oberbayerischen Kommunen, darunter in seinem Heimatort und Bad Tölz, verschrieben hat. Die Politik habe „Entscheidungen getroffen, die bis Ende des Jahres einen regulären Spielbetrieb für uns weiterhin nicht ermöglichen“.

Ramadan macht an einem Beispiel deutlich, dass sich seine Zuschauer unter den geforderten, genehmigungsfähigen Hygienekonzepten nicht in den vorgesehenen Veranstaltungsräumen wie das Tölzer Kurhaus unterbringen lassen. In Sälen mit 500 Plätzen würden „derzeit tatsächlich nur 90 bis maximal 200 Zuschauer genehmigt“ – je nach Region, Spielstätte und Belüftungssystem.

Überdies besteht aufgrund der wieder steigenden Infektionszahlen die Gefahr, dass die Behörden Veranstaltungen komplett absagen. In Rosenheim, seit Wochen ein Corona-Hotspot, wären jetzt vier Veranstaltungen Ramadans ausgefallen, „für die wir im Vorfeld viel tun mussten. Wissen Sie, die Arbeit ist zurzeit so anstrengend, wir müssen da auch auf unsere Gesundheit achten. Die Situation ändert sich ja nicht nur fünfmal in der Woche, sondern oft fünfmal am Tag.“

„Wir wollen das Abo fürs nächste Jahr anbieten, arbeiten intensiv an neuen Ideen und Konzepten.“ 

Veranstalter Wolfgang Ramadan

All das nimmt Ramadan „die notwendige Planungssicherheit“. In der Richtigkeit seiner Entscheidung fühlte sich der Impresario übrigens schon einen Tag später bestätigt: Da wurden die Vorfälle in Garmisch mit der amerikanischen Super-Spreaderin publik – „und schon wieder gab’s neue Regeln“. Als ein nicht staatlich subventioniertes Unternehmen, so der 60-Jährige, „können wir es uns nicht mehr leisten, in dieser ungewissen Zeit finanzielle und gesundheitliche Risiken einzugehen“. Er trage die Verantwortung für drei feste Mitarbeiter, zwei Teilzeitkräfte, viele freie Auftragnehmer und Partner sowie „unser treues Publikum“. Bei letzterem bedankt sich Ramadan. Viele Abonnenten hätten es ihm durch Geduld, „ihre Großzügigkeit und Verzichtserklärungen ermöglicht, weiter als freier Veranstalter arbeiten zu können“. Er kann aber jene Abonnenten verstehen, denen es – obwohl „ausgehungert nach Kultur“ – zu unsicher ist, Veranstaltungen zu besuchen. Bis November, schätzt der 60-Jährige, komme seine Agentur noch über die Runden, „dann hoffe ich, dass Veranstaltungen wieder möglich sind und wir Einnahmen erzielen“. Sein Plan bis dahin: „Wir wollen das Abo fürs nächste Jahr anbieten, arbeiten intensiv an neuen Ideen und Konzepten.“ Wie genau die aussehen, hänge von der Politik ab. „Sollten wir im ersten Halbjahr nicht spielen können, müssen wir es halt fürs zweite anbieten. Oder wir bieten das gesamte Abo mit Ausweichterminen an. Oder wir spielen fünfmal statt zweimal pro Abend.“

Kein Recht zu jammern

Sein Vorhaben, es ab 60 mit „meiner kleinen Firma und meiner kleinen Rente“ etwas ruhiger angehen zu lassen, Gitarre zu spielen und Gedichte zu schreiben, sieht er jetzt erst einmal vertagt. „Die Auswirkungen der Pandemie wird die Kulturbranche bis ins Jahr 2023 spüren“, glaubt der Ickinger. Bis dahin wartet also viel Arbeit auf ihn und seine Mitarbeiter. Bei allem Stress versucht sich Ramadan in Gelassenheit zu üben: „Schauen’s, wir müssen alle sterben, und bis dahin machen wir uns eine schöne Zeit. Es hilft ja nix.“ Er lebe „im schönsten Land der Welt“, schließt Wolfgang Ramadan, „daher habe ich kein Recht zu jammern.“

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