Auf der Höhe der Zeit: Ein langsames Internet will heute niemand mehr haben. Für Gemeinden ist es sogar ein Standortfaktor. Deswegen will Icking die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen. Foto: red

Icking will auf die Datenautobahn

Icking - Die Gemeinde Icking denkt darüber nach, den Netzausbau selbst in die Hand zu nehmen. Angestrebt wird für alle Haushalte eine Versorgung mit Glasfaserkabel.

Eigentlich hatte die Gemeinde bereits Schritte für die Aufnahme in ein Förderprogramm des Freistaates unternommen. Dabei würden Glasfaserkabel bis zu den Verteilerkästen verlegt, der so genannte FTTC-Ausbau (Fibre to the cabinet). Ab dort gehen Kupferkabel bis zu den Häusern. Das Problem an dieser technischen Variante: Je weiter die Entfernung vom Verteilerkasten zum Haus ist, umso langsamer wird das Internet.

Inzwischen hat sich zudem herausgestellt, „dass das Förderverfahren sehr kompliziert ist“, wie Bürgermeisterin Margit Menrad in der Gemeinderatssitzung am Montag berichtetete. Außerdem steige der Bandbreitenbedarf rapide an, schnelles Internet werde immer mehr zum Standortfaktor. Ziel sollte daher sein, alle Haushalte mit Glasfaser zu versorgen, der so genannte FTTH-Ausbau (Fibre to the Home).

Nach einer ersten Schätzung sei für den Bau der Leerrohre mit Kosten von zirka vier Millionen Euro zu rechnen. „Es liegt an uns, ob wir für Icking eine Datenautobahn oder eine Datenlandstraße wollen“, so Menrad. Derzeit habe man in Icking eher einen Datenfeldweg.

Mit der Vorplanung für die Aufnahme in das Förderprogramm hatte man im Herbst 2012 die HPE-GmbH beauftragt. Deren Geschäftsführer Franz Hofmann erläuterte in der Sitzung die Möglichkeiten für die Gemeinde. Sein Fazit: „Die zukunftsträchtigste Lösung ist der Glasfaserausbau, aber auch die teuerste“, sagte der Experte. Das Förderprogramm stelle nur eine Übergangslösung dar. „Der nächste Engpass ist absehbar.“ Eine Refinanzierung sei nicht möglich. Man subventioniere fremde Netzstrukturen und sei auch zukünftig abhängig von den Ausbauzielen des Netzbetreibers.

Beim FTTH-Ausbau müsse die Gemeinde zwar in finanzielle Vorleistung gehen. Zusätzliche Einnahmen etwa durch Vermietung an Netzanbieter wären aber möglich. Der FTTH-Ausbau sei nachhaltiger und bedeute für jedes Haus in Icking Glasfaser, also eine Versorgung aller Ortsteile und Anschlüsse mit der gleichen Übertragungsrate.

„Es ist unsere Wunschvorstellung, dass das ganze Gemeindegebiet versorgt wird“, meinte Josef Mock (UBI). Auch Claudia Roederstein (UBI) fand, dass die Gemeinde „die langfristige Entwicklung im Auge behalten sollte“. „Wir werden uns zwischen einer halben und ganzen Sache entscheiden müssen“, so Dr. Maximilian Kinkeldey. Die auf den ersten Blick etwas erschreckenden Kosten für ein zukunftsfähiges Netz würden sich amortisieren. Martin Schlickenrieder (PWG) ergänzte, dass man sich des Rückhalts in der Bevölkerung versichern müsse. Eine Entscheidung fiel noch nicht, aber die Räte sprachen sich geschlossen dafür aus, dem FTTH-Ausbau den Vorzug zu geben, „wenn in der Gemeinde die Bereitschaft besteht, das durch einen Providerwechsel zu unterstützen“. Für die weitere Planung wurden in den aktuellen Haushalt 30 000 Euro eingestellt.

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