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„Ich sage, entweder konsequent oder inkonsequent. Nicht aber dieses dauernde Hin und Her“: Auf seiner Wahl-Fang-Tour fährt Kabarettist Wolfgang Krebs als „Kapitän Seehofer“ einen kompromisslosen Zick-Zack-Kurs.

„Hausratswolfen, äh Wolfratsdorfen“

Kabarettist Wolfgang Krebs im Dorfener Vereineheim

Icking/Dorfen – Wenn die „Lady Gaga“ der Politik über Sätze voller „Konsequenz und Teil-Demenz stoibert“: Kabarettist Wolfgang Krebs und seine multiplen Politik-Persönlichkeiten begeistern im ausverkauften Dorfener Vereineheim.

Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl. Deshalb hieß es am Dienstagabend gleich vorab „Willkommen an Bord der MS Wolfratshausen, auf Wahl-Fang-Tour der CSU/CSU“. Denn der Kabarettist und Parodist Wolfgang Krebs präsentierte sein Programm „Drei Mann in einem Dings“. Und darin ließ er nicht nur die Dreifaltigkeit der bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber/Beckstein/Seehofer auflaufen, sondern lotete fröhlich die derzeitigen Untiefen der Politik und Gesellschaft aus. Samt buntem Bord-Programm, denn natürlich wurde auf „Wahl-Fang“ all das aufgeboten, was es sonst nur bei zwielichtigen Kaffeefahrten gibt.

Die Passagiere wurden erwartet

Die Passagiere wurden von Gesundheitsministerin Melanie Huml und ihrem Programm „Rosskur und Aderlass. Heilen kann so preiswert sein“ erwartet. Im Seminarraum stellte sich Alexander Dobrindt jedem Thema. Und auf dem Sonnendeck gab’s „Power-Yoga mit Barbara Stamm“. Im Unterdeck war derweil Finanzminister Söder fürs Kinderprogramm zuständig. Und die neue Sozialministerin Emilia Müller referierte im Speisesaal über das „Für und Wider eines Krippenplatzes am Beispiel von Jesus Christus“. Derweil schipperten „Kapitän Seehofer und seine Leichtmatrosen“ im kompromisslosen Zick-Zack-Kurs los. „Ich sage, entweder konsequent oder inkonsequent. Nicht aber dieses dauernde Hin und Her“, schnarrte der Landesvater. Für Stimmung sorgte zwischendurch Schlagersänger „Meggy Montana“ mit seinem Dreiviertel-Playback „Wenn die Bouzuki weint am Montepulciano“ aus seinem Album „1000 Takte Tinnitus“. Die „Best-Agerin“ Waldemarie Wammerl, ehemalige Starkbierkönigin und verwitwete Schönheitschirurg-Gattin, las zudem aus ihrem Besteller „Wenn Dich der Schuh drückt, dann geh barfuß“.

Ohne Stoiber geht's einfach nicht

Doch ohne Bayerns ehemaligen Ministerpräsident Edmund Stoiber geht’s einfach nicht. Atemberaubend, wie authentisch Krebs nicht nur dessen Sprechweise, sondern auch Gestik und Mimik traf – und natürlich ein Feuerwerk der Versprecher und verspiegelten Wahrheiten zündete, „hier in Ratzwolfhausen, äh, Hausratswolfen, äh, Wolfratsdorfen“. Da wurde aus dem Weißen Haus in Washington ein Waisenhaus, aus dem Flughafen Franz-Josef-Strauß der Flugvogel Franz-Josef-Stoiber, aus erneuerbaren Energien besteuerbare Blasphemien. Und es sei „eine Unverschämtheit, dass dieser Osama, äh, Obama, die Merkel ausspioniert“, echauffierte er sich, „– und nicht mich!“

Da tobte der Saal

Obendrein nahm Krebs alias Stoiber die Gelegenheit wahr, eine flammende Rede auf das Konzept des Icking Abo Dorfen zu halten, das immerhin 2014 sein zehnjähriges Bestehen feiert: „Andernorts gibt es ein Modell, da ruft jemand an und sagt, komm vorbei, du kriegst an Haufen Geld, zahlt alles die Stadt“. Und zwar Summen, mit denen andere Orte ganze Stadthallen bauen. Doch anders als dieser „Tebartz von WOR“ funktioniere das, was „dieser Wolfgang äh, Fastenzeit, äh Ramadama hier macht. Und zwar nicht subventioniert“. Immer mehr steigerte sich Stoiber hinein in eine furiose Rede, vor allem aber über sich („die Lady Gaga der Politik“): „Ich hatte damals 60,7 Prozent, das beste Ergebnis jemals außerhalb von Diktaturen. Sogar der Putin hat angerufen und gesagt, du jetzt auch?“. Und dann gab’s ja noch den ausgeglichenen Haushalt: „Wir hatten in Bayern die schwarze Null, und das war ich!“ Da tobte der Saal. Großer Applaus und ein Rhetorik-Seminar mit Stoiber als Zugabe.

Claudia Koestler

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