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Im Gespräch mit Ines Lobenstein

Obdachlosenunterkunft: „Bislang waren wir viel zu billig“

Der Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales billigt eine Erhöhung der Mietkosten für Bewohner der Obdachlosenunterkunft an der Münchner Straße. In Wolfratshausen ist Ines Lobenstein für die Betreuung der Wohnungssuchenden zuständig.

WolfratshausenUnser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit der Caritas-Mitarbeiterin.

Frau Lobenstein, der Sozialausschuss hat einer Gebührenerhöhung für die Notunterkunft zugestimmt. Wieso braucht es die überhaupt?

Ines Lobenstein ist zuständig für die Betreuung von Obdachlosen in der Stadt Wolfratshausen.

Das hat mehrere Gründe. Wenn man unsere Unterkunft an der Münchner Straße mit anderen Einrichtungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vergleicht, sieht man, dass wir die mit Abstand billigsten Zimmer in vergleichbaren Städten haben. Da liegen wir teilweise um 50 Prozent unter dem Vergleichswert. Deswegen trägt sich diese Einrichtung finanziell auch nicht. Klar: Die Notunterkunft soll keinen großen Gewinn abwerfen, aber es wäre ein Ziel, dass die Kosten zumindest annähernd gedeckt werden.Die Erhöhung der Miete hat auch einen pädagogischen Nutzen, wenn man das so nennen will. Wenn die Kosten steigen, könnten auch die Bemühungen größer werden, dass sich die Bewohner wieder eine eigene Bleibe suchen. Wenn ich nur 100 Euro für eine Wohnung bezahlen muss, in der ich alles habe, was ich brauche – warum sollte ich dann etwas anderes für zum Beispiel 400 Euro suchen? Das ist auch eine Motivationsfrage. Deshalb ist es sinnvoll, dass der Mietpreis zumindest ansatzweise in die Preisrichtung einer Mietwohnung geht. Bislang waren wir viel zu billig.

Was kriegen die Bewohner der Unterkunft denn?

Da ist alles mit dabei. Wir stellen das Mobiliar, im Preis sind darüber hinaus Wasser und Heizung inbegriffen. Für den Strom, den die Bewohner verbrauchen, zahlen sie eine Pauschale von 40 Euro obendrauf. Wir haben Waschmaschinen, Trockner, und es gibt eigene Küchen – diesen kleinen Luxus gibt es anderswo nicht. Das muss ja alles bezahlt werden. Noch ein Grund, warum wir die Kosten erhöhen müssen.

Die Mieterhöhung wirkt auf den ersten Blick recht hoch. Für ein Einzelzimmer waren bislang 104 Euro fällig. Geplant sind jetzt 290 Euro. Können sich die Bewohner das überhaupt leisten?

Ja, das kann sich jeder leisten. Die Bewohner erhalten größtenteils Hartz IV, haben also zumindest etwas Geld zur Verfügung. Und selbst wenn wir jemanden haben, der sich das absolut nicht leisten kann, kann man immer noch miteinander reden. Ich bin ganz klar für diese Erhöhung.

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