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Die Investoren: Vater Reinhold und Sohn Korbinian Krämmel sind von ihren Plänen für den Karl-Lederer-Platz überzeugt.

Im Gespräch mit Reinhold und Korbinian Krämmel

Stadtzentrum: „Wir tun das für Geretsried“

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Die Stadt Geretsried plant ein komplett neues Zentrum. Als erster Investor will die Krämmel Familien GbR die Häuserzeile Karl-Lederer-Platz 14 bis 18 abbrechen und dort einen bis zu siebengeschossigen Neubau errichten. Gegen das Vorhaben gibt es zum Teil heftigen Widerstand. Redakteurin Sabine Schörner traf die beiden Geschäftsführer Reinhold Krämmel (68) und dessen Sohn Korbinian (32) zum Gespräch.

Geretsried - Gegen das Vorhaben gibt es zum Teil heftigen Widerstand. Redakteurin Sabine Schörner traf die beiden Geschäftsführer Reinhold Krämmel (68) und dessen Sohn Korbinian (32) zum Gespräch.

Herr Reinhold Krämmel, an dem von Ihnen geplanten siebengeschossigen Turmbau scheiden sich die Geister. Sie und Ihre Familie sind zum Teil schweren Angriffen ausgesetzt. Wie sehr schmerzt Sie das?

Reinhold Krämmel: Manchmal geht es mir unter die Haut, weil die Vorwürfe ungerecht, unzutreffend und zum Teil diffamierend sind. Uns zu unterstellen, wir würden – überspitzt gesagt – aus reiner Profitgier handeln, ist schlichtweg falsch. Uns liegt an Geretsried und der Zukunft von Geretsried.

Reden wir übers Geld. Um das Vorhaben zu ermöglichen, hat die Stadt Ihnen knapp 500 Quadratmeter öffentlichen Grund auf dem Karl-Lederer-Platz verkauft. Sagen Sie uns, welchen Preis Sie dafür bezahlt haben?

Reinhold Krämmel: So wie die Stadt werden wir uns an das Gebot der Nichtöffentlichkeit halten. Aber ich kann Ihnen eine Größenordnung nennen: Der Preis lag weit über dem, was wir für die beiden Nachbarhäuser bezahlt haben, die wir in den vergangenen vier Jahren zugekauft haben.

Turmbau zu Geretsried: Der Entwurf zeigt die Ansicht vom BGZ aus. An der Fassadengestaltung wird noch gearbeitet.

Korbinian Krämmel: Es wird immer vergessen, dass das städtische Grundstück quasi Grünland war. Wir haben aber einen Preis bezahlt, in dem das volle Baurecht eingerechnet ist, also die sieben Geschosse und das Recht, den Karl-Lederer-Platz für die Tiefgarage zu unterbauen. Der Preis wurde von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen ermittelt. Da gab es keinen Verhandlungsspielraum. Das hätte das Projekt auch fast zum Kippen gebracht, weil uns der Preis zu hoch erschien.

Das Projekt ist aber nicht gekippt. Heißt dass, die Stadt ist doch mit dem Preis runtergegangen?

Korbinian Krämmel: Nein. Dass wir das Grundstück gekauft haben, ist vor allem dem Idealismus meines Vaters geschuldet. Er hat gesagt: Ich will in dieser Stadt noch etwas bewegen und ich will dieses Initiativprojekt im Zentrum starten. Hätte er aus reiner Investoren-Denke gehandelt, wäre das Vorhaben nicht zustande gekommen.

Reinhold Krämmel: Ich bin seit 37 Jahren als Unternehmer in Geretsried engagiert. Und seit zwei Jahrzehnten begleite ich die Zentrumsentwicklung. Diese Zeit war geprägt von „trial and error“ (Versuch und Irrtum, Anm. d. Red.). Ich sage nur: Einzelhandelszentren an der Peripherie und Zentrumserweiterung auf der Böhmwiese. Die Mitte von Geretsried ist aber der Karl-Lederer-Platz. Und der jetzige Stadtrat hat erkannt, dass man dort ansetzen muss. Was einmal als weitläufige Gartenstadt angelegt wurde, soll jetzt zu einer Urbanität geführt werden. Diese Idee begeistert mich, und dazu will ich meinen Beitrag leisten.

Dass im Stadtzentrum etwas passieren muss, ist unbestritten. Aber muss es gleich ein siebengeschossiges Gebäude sein?

Reinhold Krämmel: Ich darf daran erinnern, dass wir an der Banater Straße (ehemaliges Lorenz-Areal, Anm. d. Red) immer noch das Baurecht für einen großen Verbrauchermarkt haben. Von dieser Planung haben wir auf Bitten der Stadt Abstand genommen. Stattdessen soll dort ein Wohngebiet entstehen. Den großflächigen Einzelhandel wollen wir von der Peripherie wieder in die Innenstadt holen. Dazu soll am Karl-Lederer-Platz ein Vollsortimenter entstehen. Als Komplementär dazu plant die Baugenossenschaft an der Egerlandstraße einen Discounter.

Für einen Supermarkt brauchen Sie aber keine sieben Geschosse.

Reinhold Krämmel: Aber wir brauchen Parkplätze. Wir als Investoren sind bereit, eine Tiefgarage mit 400 Stellplätzen privat zu finanzieren, was sich die Stadt niemals leisten könnte oder wollte. Damit sich dies aber rechnet, benötigen wir ein bestimmtes Bauvolumen. Mit einem ebenerdigen Supermarkt und oben drüber ein zwei Geschossen ist das nicht zu finanzieren.

Korbinian Krämmel: Eine Tiefgarage mit diesen Ausmaßen und dem schwierigen Untergrund ist extrem kostspielig. Das lässt sich durch einen Verkauf oder eine Vermietung der Stellplätze nie erwirtschaften. Deshalb brauchen wir oben gewisse Geschossflächen. Wenn man uns nun vorwirft, wir wollen nur Profit machen, dann sage ich: Wir wollen, dass das Risiko das wir mit diesem Investment eingehen, am Ende einen positiven Ausgang findet. Das ist doch nicht verwerflich. Zeigen Sie mir einen Menschen, der so etwas aus reinem Altruismus (Selbstlosigkeit, Anm. d. Red.) macht.

Warum lassen Sie den Altbau nicht stehen und sanieren ihn? Als Beispiel wird hier immer das ehemalige Deimer-Haus genannt.

Korbinian Krämmel: Wenn Sie sich erinnern: Wir hatten bereits 2014 ein Baurecht für die Grundstücke Karl-Lederer-Platz 14 und 16. Dort sollte ein kleinerer, kompakterer Neubau entstehen, eventuell mit einem vorgelagerten Pavillon. Ein solcher Pavillon war übrigens schon im alten Bebauungsplan für den Karl-Lederer-Platz vorgesehen.

Der hatte aber nur zwei Geschosse.

Korbinian Krämmel: Ja, es war sogar nur ein Geschoss. Aber der Pavillon hätte den Platz ebenfalls verkleinert. Fakt ist, dass wir für diesen Neubau keinen Erdgeschoss-Mieter gefunden haben. Wir haben sicher mehr als eineinhalb Jahr intensive Vertragsverhandlungen geführt. Aber niemand wollte abschließen beziehungsweise nicht zu den Konditionen, die das Projekt in den Bereich des Finanzierbaren gerückt hätten. Deshalb haben wir von dieser Planung Abstand genommen.

Für das ehemalige Deimer-Haus hat sich ein Mieter gefunden.

Die Ausmaße: Die Grafik zeigt, wie weit der Krämmel-Bau (schwarz umrandet) in den Karl-Lederer-Platz hineinragt

Korbinian Krämmel: Weil das eine Komplementärfunktion zu dem C & A gegenüber ist. Ernstings’s Family wäre dort nie reingegangen, wenn gegenüber nicht der C & A wäre. Und warum haben wir den C &A ? Weil die Baugenossenschaft Geretsried dort das BGZ gebaut hat und damit den ersten Impuls für eine Zentrumsbelebung gegeben hat. Nebenbei bemerkt: Auch gegen diesen Neubau gab es damals heftigen Gegenwind.

Also ist eine Sanierung keine Option?

Korbinian Krämmel: Natürlich können wir die Häuser für einen sechsstelligen Betrag aufhübschen und schauen, dass wir die Läden wieder vermieten. Aber das sind dann kleine Existenzgründer. Dadurch erreichen sie keine Frequenz und auch keine Komplementäreffekte. Die Gefahr besteht, dass wir in ein paar Jahren wieder einen Leerstand haben.

Reinhold Krämmel: Wir reden immer sehr viel über wirtschaftliche Zwänge. Es geht aber auch um städtebauliche Zwänge. Der Siedlungsdruck aus München ist nicht wegzudiskutieren. Nach Prognosen wird die Bevölkerung im Umland in den nächsten Jahren um 350 000 bis 400  000 Menschen wachsen. Das heißt, wir brauchen Wohnungen, aber auch die entsprechende Infrastruktur. Geretsried ist zwar die größte Stadt im Landkreis, es fehlt ihr aber die Urbanität. Zugleich müssen wir uns die Frage stellen, ob wir weiter zersiedeln und Flächen versiegeln wollen oder ob wir im Bestand verdichten. Und das bedeutet auch, an den Stellen, wo es möglich ist, in die Höhe zu bauen. Der von der Stadt eingesetzte Gestaltungsbeirat mit dem ehemaligen Baubürgermeister von Ulm, Alexander Wetzig, und dem Architekturhistoriker Winfried Nerdinger hat uns überzeugt, hier einen städtebaulichen Akzent zu setzen.

Die Anwohner sind nicht begeistert, dass Ihnen ein bis zu 27 Meter hoher Turm vor die Nase gesetzt wird. Das Argument, dass der Platz verschattet wird, ist nicht von der Hand zu weisen.

Reinhold Krämmel: Nein, aber halb München ist verschattet. Von New York will ich gar nicht reden. Wenn es danach geht, dürfen Sie gar nicht urban bauen.

Korbinian Krämmel: Außerdem ist das Haus, aus dem die meisten Einwände kommen, nur unwesentlich betroffen. Der Siebengeschosser verschattet vor allem uns und den Neubau unseres direkten Nachbarn, der Projekt KLP UG. Logischerweise wird auch der Platz verschattet. Aber das ist das notwendige Übel, wenn man den Platz fassen will, wie es städtebauliches Ziel ist.

Der Platz wird nicht nur verschattet, er wird auch verkleinert.

Korbinian Krämmel: Es wird immer behauptet, unser Vorhaben würde den Platz um 50 Prozent verkleinern. Dem ist nicht so. Der gesamte Bereich vom Rathaus bis zum BGZ hat 6075 Quadratmeter. Davon haben wir 472 Quadratmeter gekauft, die überbaut werden. Das sind acht Prozent der Fläche. Selbst wenn man nur das Karree zwischen unserer und der Häuserzeile gegenüber nimmt, sind dies nur 12,5 Prozent des Platzes.

Problematisch ist der hohe Grundwasserstand. Können Sie den Anwohnern versprechen, dass durch Ihr Projekt kein Wasser in deren Keller eindringt?

Korbinian Krämmel: Durch unser Bauwerk ist keine Beeinträchtigung des Grundwassers zu erwarten. Die Grundwasserströme fließen von Süd nach Nord. Durch die Tiefgarage kann sich dieses Wasser anstauen. Um dies zu verhindern, gibt es technische Maßnahmen, beispielsweise sogenannte Düker, die den Pegel ausnivellieren. Dazu laufen Gespräche mit den beteiligten Gutachtern sowie dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Plakativ gesagt: Wegen unseres Bauwerks wird kein Keller mehr oder weniger vollaufen als bisher. Wenn es in Geretsried ein Grundwasserproblem gibt, dann hat das andere Ursachen.

Das Bebauungsplanverfahren läuft noch. Die Abbruchgenehmigung liegt aber bereits vor. Wann lassen Sie am Karl-Lederer-Platz die Bagger anrollen?

Korbinian Krämmel: Vorausgesetzt, der Bebauungsplan ist bis dahin zur Satzung beschlossen, wollen wir mit dem maschinellen Abbruch nach den Osterferien beginnen, also Ende April.

Und wann steht der Turm?

Korbinian Krämmel: Wir werden im Spätsommer mit dem Rohbau beginnen. Bis alles fertig ist, dürften gut zwei Jahre vergehen. Das heißt, der Supermarkt könnte im Herbst 2019 eröffnen.

Wird es ein Rewe- oder ein Edeka-Markt?

Korbinian Krämmel: Das ist noch nicht entschieden. Aber wir sind in der glücklichen Lage, dass beide große Ketten Interesse haben. Sie sind auch seit Anfang an in die Planungen involviert.

Wie verläuft der Bau der Tiefgarage?

Korbinian Krämmel: In zwei Bauabschnitten. Zunächst wird der Teil unter den Grundstücken Karl-Lederer-Platz 14 bis 20 sowie unter dem Platz gebaut. Die Durchfahrt von der B 11 zur Egerlandstraße bleibt in dieser Zeit frei. Das heißt, die Beeinträchtigungen werden sich in Grenzen halten. 2018 wird dann der Bereich vom Rathaus bis zum BGZ gemacht. Dann liegt das Herz der Stadt wirklich offen. Deshalb wollen wir die Baumaßnahme auch beschleunigen. Wir denken darüber nach, an sechs Tagen in der Woche im Drei-Schicht-Betrieb zu arbeiten.

Noch ist das Projekt nicht genehmigt. Glauben Sie, dass es noch scheitern könnte?

Reinhold Krämmel: Danach sieht es momentan nicht aus. Aber ich sage auch: Jetzt ist das Zeitfenster offen, und das gilt es zu nutzen. Sollten beispielsweise die Zinsen wieder steigen, stellt sich die Situation ganz anders dar.

Der Stadtrat steht mit großer Mehrheit hinter dem Vorhaben. Der Bürgermeister spricht von einem „Glücksfall“, dass es Investoren gibt, die bei der Zentrumsentwicklung mitmachen. Hätten Sie sich aus der Bevölkerung mehr Dankbarkeit erwartet?

Reinhold Krämmel: Wir sind alle Menschen. Und natürlich freut man sich, wenn man für sein Engagement ein Lob bekommt. Aber das ist halt nicht die Lebensrealität.

Korbinian Krämmel: Es ist aber auch nicht so, dass es nur negative Stimmen gibt. Ich persönlich höre oft: Lasst euch nicht abbringen, es ist toll, was ihr vorhabt. Ich will mir nicht anmaßen, die Stimmungslage zu beurteilen. Aber es sind doch vor allem die direkten Anwohner, die sich kritisch zu Wort melden.

Reinhold Krämmel: Und für deren Sorgen habe ich vollstes Verständnis. Was hier passiert, ist Veränderung. Und das löst zunächst immer Widerstand aus. Aber keine Veränderung bedeutet Stillstand und letztlich Rückschritt. Wir sind im tiefsten Herzen davon überzeugt, dass wir hier das Richtige tun. Und wir tun das für Geretsried.

Kritiker werfen Ihnen vor, Sie würden Geretsried „verschandeln“.

Korbinian Krämmel: Meine vier Geschwister und ich sind in Geretsried zur Schule gegangen. Wir sind in der Region verwurzelt. Man kann uns nicht unterstellen, dass wir nicht das Bestmögliche für diese Stadt wollen. Diese persönliche Verbindung ist doch von Vorteil. Ein Investor von außen würde ganz anders an die Sache herangehen.

Reinhold Krämmel: Vielleicht ist das aber auch der Grund, warum wir so angegriffen werden. Wir stehen mit unserem Namen für das Projekt. Was dabei in den Hintergrund rückt, ist das eigentliche Ziel, nämlich ein urbanes Zentrum für Geretsried zu schaffen. Wir machen am Karl-Lederer-Platz nur den Anfang, wir sind quasi das Zugpferd...

Korbinian Krämmel: ...und die Baugenossenschaft kann an der Egerlandstraße nachziehen, weil an der Banater Straße gleichzeitig neue Wohnungen geschaffen werden. Es ist doch unglaublich, dass sowas überhaupt zustande kommt. Ich bin der Meinung, das wird ein Vorzeigeprojekt für ganz Bayern. In fünf Jahren werden die Leute sagen: Wenn ihr mal ein richtig tolles Zentrum sehen wollt, dann müsst ihr nach Geretsried fahren: Das ist modern und zukunftsgewandt.

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