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Wird immer öfter ausgestellt: Der kleine Waffenschein.

Kleiner Schein, große Nachfrage

Immer mehr Bürger beantragen Kleinen Waffenschein

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Immer mehr Bürger beantragen den so genannten Kleinen Waffenschein. Auch im Landkreis ist die Zahl gestiegen. Über die Gründe spekulieren Waffenexperten.

Der Kleine Waffenschein boomt in Bayern. Dieser Trend macht sich auch im Landkreis bemerkbar. 49 solcher Berechtigungen hat das Landratsamt 2015 ausgestellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es 28, 2013 fragten nur neun Personen danach. „Die Zahl ist extrem gestiegen“, sagt Matthias Schmid, der im Landratsamt für das Thema Waffenrecht zuständig ist. Warum immer mehr Bürger im Landkreis nach dem Dokument verlangen, „das ist die Frage“, so Schmid. „Darüber kann ich nur mutmaßen.“

Der Schein berechtigt, sogenannte SRS-Waffen bei sich zu tragen, also Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. „Die Hürde ist relativ niedrig“, sagt Schmid. Der Antragsteller müsse volljährig, laut Führungszeugnis zuverlässig und persönlich geeignet sein. Das heißt, es dürfen keine körperlichen oder geistigen Mängel vorliegen. „Wir prüfen den Antrag. Wenn alles in Ordnung ist, stellen wir den Schein aus. Das kostet 100 Euro.“

Christian Neubert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen, ist der Anstieg von zugelassenen Waffenträgern bislang nicht aufgefallen: „Wir stellen bei Personenkontrollen nur sehr selten fest, dass jemand eine solche Waffe bei sich trägt.“ Neubert beurteilt die Steigerung von neun Anträgen im Jahr 2013 auf knapp 50 in diesem Jahr auch nicht als bemerkenswert hoch. „In relativen Zahlen mag das eine große Änderung sein“, sagt der Beamte, „aber in einem Landkreis unserer Einwohnerstärke sind 50 Neuanmeldungen nicht wirklich viel.“

Warum immer mehr Menschen mittlerweile die entsprechende Lizenz beantragen, kann sich Neubert nicht so recht erklären: „Wir haben dazu überhaupt keine Erkenntnisse.“ Dass Angst eine Rolle spielt, möglicherweise in Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Paris, hält der Hauptkommissar für abwegig: „Zum einen glaube ich nicht, dass man sich mit einer Schreckschusspistole gegen Terroristen wehren könnte“, erklärt er. Zum anderen schätzt der Beamte die Wahrscheinlichkeit eines Anschlages in der Loisachstadt als sehr gering ein.

Würde ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung bestehen, müsste sich das auch bei den Selbstverteidigungskursen bemerkbar machen. Sebastian Kubis kann das bestätigen. Er ist Leiter der PT-Kubis-Selbstverteidigungsschule in Geretsried. „Vor allem zum Kindertraining melden sich viele neu an“, berichtet der 34-Jährige. „Auch Frauen zeigen ein gestiegenes Interesse.“ Nun hat seine Schule darauf reagiert und bietet einen weiteren Kurs für weibliche Teilnehmer an.

Allerdings: Die meisten derer, die sich in der Kampfsportschule anmelden, tun dies nicht aus einem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis heraus. „Einige der Frauen, die bei uns Stunden wahrnehmen, sehen das Training als Vorsorge“, berichtet Kubis. „Nur ganz wenige davon haben bereits schlechte Erfahrungen gemacht oder tatsächlich Angst vor einem bestimmten Szenario.“

Notwehr mit der Schreckschusswaffe? Matthias Schmid hält das für fraglich. „Was viele nicht wissen: Der Kleine Waffenschein berechtigt nur dazu, eine Waffe in der Öffentlichkeit zu führen“, erklärt er. „Schießen darf man damit nur auf dem eigenen Grundstück oder bei einem Freund, wenn er das erlaubt.“ Nur wenn jemand auf Leib und Leben bedroht ist, darf er sich mit seiner Waffe zur Wehr setzen.

Im Tölzer Waffen-Stüberl gehen nicht mehr Schreckschusswaffen als üblich über die Ladentheke. „Meiner Meinung nach ist das Augenwischerei“, sagt Inhaber Markus Lehner. Diejenigen, die sich in letzter Zeit für Schreckschusswaffen interessieren, wollten lediglich an Silvester ihr Feuerwerk damit zünden.

Entgegen einiger Nachrichten, dass Pfefferspray aufgrund der Nachfrage kaum noch zu bekommen sei, sagt Lehner: „Wir haben immer ausreichend Pfefferspray da.“ Hier verzeichnet er nur einen minimalen Anstieg. „Wenn ich sonst 20 pro Woche verkauft habe, sind es jetzt vielleicht 25.“

Das könne sich natürlich von heute auf morgen steigern, wenn die Leute Angst haben. „Ein Pfefferspray dabei zu haben, ist nie verkehrt“, sagt Lehrer.

sw/dst

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