Markt im Landkreis leergefegt

Lehrermangel an Schulen: Improvisation ist angesagt

Bad Tölz-Wolfratshausen - Aufgrund von Krankheiten und Schwangerschaften fehlen an den Schulen des Landkreises zahlreiche Lehrkräfte. Jetzt ist Improvisation angesagt.

An den Grund- und Mittelschulen im Landkreis fehlen Lehrkräfte. „Wir brauchen durchaus weitere Leute, wir haben noch Kontingente frei“, bestätigt Schulamtsdirektorin Marianne Konrad auf Nachfrage. Zwar sei zum Schuljahresanfang ausreichend Personal eingestellt worden, doch in der Weihnachtszeit „hat sich ein echter Engpass ergeben“. Der Grund sind laut Konrad unvorhersehbare Langzeiterkrankungen und Schwangerschaften. Eine Grippewelle hätte zudem nicht nur viele Schüler, sondern auch einige Lehrer vom Klassenzimmer ins Krankenbett gezwungen.

Aufgrund der Engpässe fällt derzeit vereinzelt Unterricht aus, räumt die Schulamtsdirektorin ein. „Zumindest müssen die Schulen immer wieder improvisieren.“ So gebe es einen Notfallplan, dass eine Lehrkraft abwechselnd Unterricht in zwei Klassen hält. Die andere Gruppe werde lediglich beaufsichtigt. „Die Schulen bemühen sich als Erstes um die Gewährleistung des Kernunterrichts“, sagt Konrad. „Es darf nicht viel ausfallen, das ist sehr wichtig.“ In Ganztagesklassen sei eine Freistunde wegen des rhythmisierten Lehrplans sogar „komplett tabu“. Einen Rückstand im Lehrplan erwartet Konrad wegen der Ausfälle nicht: Sie könnten „gut kompensiert werden.“

Die Zusatzbelastung für die Lehrkräfte zehrt an deren Kräften. „Die Lehrer müssen oft an ihre Grenzen gehen, um den Laden am Laufen zu halten. Das teilen sie uns auch mit“, sagt Konrad. Falls möglich, dürften die Pädagogen „die eine oder andere Überstunde abfeiern, wenn sich die Situation entspannt hat“. Dabei helfen die Mobilen Reserven. Das sind Lehrkräfte, die fest an einer Schule stationiert sind, aber vom Schulamt dort eingesetzt werden, wo Not am Mann ist. Konrad: „Überstunden abfeiern geht nur, wenn die Mobile Reserve nicht irgendwo anders benötigt wird. Das wird im Kollegium intern geregelt.“

Neueinstellungen sollen die angespannte Situation laut Konrad „schnellstmöglich entspannen“. Weil der Markt im Landkreis leergefegt sei („alle Lehrkräfte, die ihre Prüfungen gemacht haben, haben etwas gefunden“), suche sie nach Aushilfen. Einerseits würden Aushilfskräfte eingestellt, die lediglich ihre erste Lehramtsprüfung und noch kein Referendariat absolviert haben. Sie dürften bis zu 15 Stunden pro Woche eingesetzt werden, sagt die Schulamtsdirektorin. Außerdem versuche sie, Lehrer aus München anzuwerben, die eigentlich für eine andere Schulart ausgebildet sind. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat in dieser Woche beklagt, dass Gymnasiallehrer vom Kultusministerium nach erfolgreicher Ausbildung „auf die Straße geschickt“ werden. „Sogar Referendare mit einer glatten Eins im Zeugnis erwischt es“, kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel.

Das Budget, das die Staatsregierung den Grund- und Mittelschulen im Landkreis zugeteilt hat, reicht laut Konrad aus, um die Neueinstellungen zu finanzieren: „Mit den Aushilfskräften werden wir den Bedarf abdecken.“ Dass als Sicherheitspuffer nicht grundsätzlich mehr Lehrer fest eingestellt werden, erklärt die Schulamtsdirektorin mit der Wirtschaftlichkeit. „Es gibt immer wieder Spitzen bei den Ausfällen. Sie sind aber nicht vorhersehbar.“ Bis Februar, schätzt Konrad, seien die größten Löcher gestopft. Für eine Gruppe habe der Lehrermangel sogar etwas Positives - für die Arbeitssuchenden.

Sebastian Dorn

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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