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Bester Laune: Ihren Spaß hatten die vielen Besucher des Ascholdinger Starkbierfests beim Singspiel um eine „himmlische Mission“.

In himmlischer Mission

So war das Starkbierfest in Ascholding

Der Festsaal vom Holzwirt in Ascholding bildete auch in diesem Jahr das ideale Ambiente für das Starkbierfest des Musikvereins Ascholding. Beim Singspiel bekommt sowohl das Ascholdinger Hallenbad als auch der US-Präsident sein Fett weg. 

Ascholding – Die Bedienungen in ihren weiß-blauen Dirndlschürzen trugen die vollen Gläser mit Gerstensaft emsig durch die Reihen im voll besetzten Saal. Schmissige Gute-Laune-Musik der Blaskapelle Ascholding unter Dirigent Sebastian Kastenmüller sorgte für heitere Stimmung. Die wich gegen 21 Uhr allmählich einer leichten Spannung in Erwartung des bevorstehenden Singspiels – eine Novität in diesem Jahr nach vielen Jahren des Haberfeldtreibens.

Im Himmel hat der Portner das Sagen

Die mit Wolkengebilden umrankte Bühne samt aufgestelltem Riesenfernrohr deutete es bereits an: Es ging um eine „himmlische Mission“. Mit so etwas haben die Oberbayern ja spätestens seit dem „Brandner Kaspar“, Franz von Kobells Jahrhundertklassiker, Erfahrung. Unter großem Gelächter erklommen mehrere lederbehoste, lorbeerenumkränzte männliche Engel – oben ohne – den weiß-blauen Theaterhimmel. Sie hatten Trompeten und Posaunen unter dem Arm. „Heroben“ im Himmel hatte natürlich der „Portner“ alias Petrus das Sagen, der zunächst lautstark an den vom „Boandlkramer“ als himmlischem Kurier mitgebrachten Weißwürsten herummäkelte. Wohl deshalb, weil es jetzt nicht mal mehr im benachbarten „Zell“ einen Metzger gäbe und man sozusagen die Würste aus Egling importieren müsse.

Das Hallenbad wird zum Swinger-Club

Oben ohne: Lederbehoste Engel verkünden ihre Visionen vom Ascholdinger Hallenbad als künftigen Swinger-Club.

Der Blick des einen diensthabenden, blondgelockten Engels durchs Fernrohr ruhte nahezu beständig auf Ascholding und – ein „wenig mehr rechts“ – auf Dietramszell. So kommentierten die beiden Engel und Petrus mit Blick auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung in Dietramszell die aktuelle Nahversorgungssituation mit dem geplanten Neubau des Edeka-Marktes, die Umetikettierung der Freiland- in Bodenhaltungseier und landeten nach dem ein oder anderen Seitenhieb auf bekannte Gemeindebewohner beim Vorschlag einer gelungenen Nutzungsänderung des Ascholdinger Hallenbads. Vielleicht als Anspielung auf ein altes Biermösl-Blosn-Lied kam man hier auf die künftige Einrichtung als Swinger-Club. Damit wäre deutlich mehr los in der Gemeinde, als wenn man Bürgermeisterin Leni Gröbmaier zu Gefallen eine Kunst-Galerie einrichtete. Mit einer eigenen Blechmusik-Variation des Gassenhausers „Pack’ die Badehose ein“ der Engel fiel der Blick durchs Fernrohr dann auf das altersschwache Feuerwehrauto, das fehlende neue Feuerwehrhaus und den einstimmig abgelehnte Bau von 33 Einfamilienhäusern neben der Kirche.

Trump-Engel wird mit Kerschgeist betäubt

Zu den Klängen von Sinatras „New York, New York“ zog die große Politik in Gestalt eines Trump-ähnlichen Engels mit blonder Perücke und roter Krawatte in den bayerischen Himmel ein. Der löste die anstehenden Probleme im Handumdrehen durch den Bau eines vielstöckigen Turms, in dem sowohl Edeka als auch Feuerwehrhaus integriert würden. Die alte Kirche im Dorf würde einfach abgerissen, dann passten dort auch die 33 Häuser hin. Die Gläubigen sollen künftig zum Birnkirchlein in die Messe gehen, die man bei großem Andrang auch abreißen würde und durch eine Kathedrale ersetzen könnte. Dieses US-amerikanische „Ascholding-first“-Programm ging den himmlischen Bewohnern dann aber doch zu weit. Mit dem Kerschgeist aus der ortsansässigen Brennerei war es nun am Boandlkramer, den Trump-Engel schnellstens unschädlich zu machen.

Nach einem beherzt dargebotenen „Du bist der Ort, dem ich die Treue halte“ in Anlehnung an die heimliche Tiroler Landeshymne (Dem Land Tirol die Treue) ging ein ausgesprochen unterhaltsamer Abend zu Ende, bei dem die ortsansässigen Politiker wohl zu ihrer Freude ungeschoren davon gekommen sind.

Von Assunta Tammelleo

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