Das Interesse ist da, aber nicht das Geld

- Rund 2000 Besucher bei den Antik-Tagen

VON SANDRA SEDLMAIER Wolfratshausen - Es ist noch nicht gut, aber es wird langsam besser. Dieses Fazit zog gestern der Organisator der Antiquitäten- und Kunsttage in der Dreifachturnhalle, Roland Mezger. Die Aussteller bestätigten diesen Eindruck zum großen Teil. Rund 2000 Besucher kamen zu den Antik-Tagen. Vergangenes Jahr waren es zu Ostern rund 3000.

Aussteller Lorenz Czell vermisst bei den Menschen das Interesse an Antiquitäten. Nach seiner sechsteiligen Sitzgruppe aus dem Jahr 1906, die nach Entwürfen des Wiener Jugendstilarchitekten Gustav Siebel entstand, habe nicht einmal jemand gefragt. "Um einen einzelnen Sessel von Siebel haben sie auf der Kölner Messe großes Aufhebens gemacht", sagte er. Anders in Wolfratshausen. "Die, die das nötige Kleingeld hätten, haben schon alles, und die jungen Leute geben ihr Geld für Reisen und Computer aus", war sein Fazit.

Das sah Mezger anders. "Die Leute sind verunsichert und geben ihr Geld nicht für Luxus aus", meinte er. Denn Interesse für alte Dinge ist vorhanden, wie die Expertensprechstunden zeigten. Dr. Michael Ewenstein beriet Ikonen-Besitzer, Nahim Rafiq schätzte Asiatika. Beide waren überrascht, was für Stücke sie zu sehen bekamen. "Ein Mann brachte eine Gottesmutter von Kasan aus dem 16. Jahrhundert", berichtete Ikonen-Experte Ewenstein. "Er hatte sie aus dem Russlandkrieg mitgebracht, eine alte Frau gab sie ihm für Brot." Rafiqs Erfahrungen waren ähnlich: "Über 30 Leute wollten ihre Sachen schätzen lassen", sagte er. Etwa der Mann mit der Vase, einer japanischen Bronzearbeit aus dem 16. Jahrhundert, die fein eingelegt war mit Kupfer, Messing und Silber. "Ein seltenes Stück", so Rafiq.

Das Geschäft lief allerdings mittelmäßig. "Ich bin aber zufrieden", sagte Ewenstein. "Der Umsatz war nicht gut", gibt Rafiq zu. Miriam Shmueloff, die Schmuck und Silberwaren verkauft, war ebenfalls nicht ganz zufrieden. Elena Leykina von der Münchner Galerie St. Petersburg geht es nicht um den Umsatz. "Wir sind mit unserem Kunsthandwerk aus Russland zum ersten Mal hier", sagt ihr Kollege Igor Pylyavsky. "Wir wollen bekannter werden."

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