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Immer Vollgas geben: Gianluca Placentra (li.) und Stefan Schwinghammer, die Torhüter des TuS Geretsried.  

Interview der Woche

Die TuS-Torhüter: „Wir pushen uns gegenseitig“ 

So ein Problem hat jeder Trainer gerne: Zwei überdurchschnittlich gute, noch dazu junge Torhüter, die leistungsmäßig so nah beieinander sind, dass er sich bei jedem Spiel erneut überlegen muss, wem er den Vorzug gibt.

Geretsried – Beim TuS Geretsried geben der Orthopädieschuhmacher Stefan Schwinghammer, 22, und der nur vier Tage jüngere Gianluca Placentra, von Beruf Serviceberater, ihrem Trainer Florian Beham gerne dieses Rätsel auf. Die beiden Keeper sind sich jedenfalls einig: „Die starke Konkurrenz beflügelt den Ehrgeiz und steigert das Niveau“, wie sie im Interview mit unserem Mitarbeiter Rudi Stallein verraten.

Ihr seid nicht gerade zu beneiden: Im Tor kann immer nur einer spielen. Wie geht man mit so einer Situation um? Da herrscht bestimmt bei jeder Abschlussbesprechung eine besondere Spannung...

Schwinghammer: Ich sehe das eher als einen besonderen Anreiz. Natürlich hat man den Anspruch, dass man spielen will. Aber man muss auch ehrlich anerkennen können, wenn der andere genauso gut trainiert hat und auf dem gleichen Leistungslevel ist, dass der dann spielt. Man wird müde, wenn man keinen Konkurrenten hat, und die Konkurrenz tut ja uns beiden gut.

Placentra: Ja, das ist etwas, was unsere Situation ausmacht. Dass man auch wenn der andere mal spielt, selber nicht nachlässt. Auch wenn man weiß, dass man nicht spielen wird. Man gibt trotzdem weiter Gas, um zu zeigen, dass man selber auch ein sicherer Rückhalt ist. Das zeichnet uns aus.

Die Stärke des anderen ist eher motivierend?

Schwinghammer: Rein vom Weiterentwickeln ist es viel motivierender, weil Du immer einen Ansporn hast. Du kannst es nicht lasch angehen, weil Du weißt: Der andere steht schon hinten an. Du hast in gewisser Weise die Pflicht, Dich immer weiter zu entwickeln.

Placentra: Ob Du spielst oder nicht, immer Vollgas geben, das ist die Devise. Es kann doch immer was passieren. Beim Aufwärmen. Im Training. Da ist es wichtig, immer motiviert zu bleiben und sich zu pushen.

Wie groß ist – bei aller Wertschätzung für den Kollegen – die Enttäuschung, wenn man nicht spielt?

Schwinghammer: Im ersten Moment bin ich natürlich enttäuscht. Ich bin sehr ehrgeizig, spielen mag ich eigentlich immer. Sonst wäre ich im verkehrten Sport. Man muss aber auch einsehen, wenn der andere mal besser ist. Und man muss sich auch selber einschätzen können.

Placentra: Wenn Stefan gut spielt, gönne ich ihm, dass er auch weiter spielt. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb nachlassen werde.

Schwinghammer: Man muss immer ehrlich miteinander umgehen. Wir sind immer positiv, pushen uns gegenseitig. Das ist der Sinn des Konkurrenzkampfs – dass man immer besser wird.

Wenn ihr Euch gegenseitig einschätzen solltet: Was hat der andere, was Du nicht hast?

Placentra: Stefan ist auf jeden Fall spielerisch besser. Beim Rauslaufen habe ich, glaube ich, einen Vorteil. Ich geh öfter mal raus. Auf der Linie nehmen wir uns nichts. Das ist manchmal von der Tagesform abhängig.

Schwinghammer: Der Gianni ist einfach bei hohen Bällen total präsent. Das ist ein Mannstrumm, das hinten drin steht (lacht). Und im Spiel Eins-gegen-Eins ist er brutal gut, überragend. Da kann ich noch was von ihm lernen.

Für euren Torwarttrainer Günter Hornung ist so eine Konkurrenz-Situation vermutlich das reinste Vergnügen...

Placentra: Auf jeden Fall (lacht), dem macht es Spaß mit uns zu trainieren. Schwinghammer: Dem Günter sieht man immer an, dass er die pure Freude hat.

Placentra: Ich glaube, sonst würde er es auch gar nicht mehr machen.

Hand aufs Herz: Kommt nicht manchmal ein bisschen Schadenfreude auf, wenn der Konkurrent einen Patzer macht?

Placentra: Nein, Du handelst ja im Interesse der Mannschaft. Das ist dann für jeden ein scheiß Gefühl...

Schwinghammer: Also, ich habe soviel Ehrgeiz, dass ich mich sportlich durchsetzen will. Weil ich mich weiterentwickelt habe, besser geworden bin. Und nicht, weil er einen Fehler gemacht hat.

Von Rudi Stallein

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