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Bald ein Bild aus vergangenen Zeiten? Beim ehemaligen Isarkaufhaus soll nun auch die Fassade weichen.

Wolfratshauser Bauausschuss

Dem Isarkaufhaus droht der Total-Abriss

  • Frederik Lang
    vonFrederik Lang
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Wolfratshausen – Dass das ehemalige Isarkaufhaus in der Wolfratshauser Altstadt für die geplante Hugo-Passage entkernt und großflächig umgebaut werden müsste, war klar. Keine Rede war bislang davon, dass die Fassade abgerissen werden soll.

Am kommenden Mittwoch beschäftigt sich der Wolfratshauser Bauausschuss ab 18 Uhr mit genau dieser Frage. Dem Gremium liegt ein Antrag von Eigentümerin Angela Scheller vor. Konkret geht es um die „denkmalrechtliche Erlaubnis zum Abbruch der Gebäude Untermarkt 7, 9 und 11“.

„Es stimmt, dieses Ansinnen ist neu. Es hat sich in Gesprächen mit potenziellen Investoren herauskristallisiert“, sagt Carlheinz Bartsch. Der Wolfratshauser Immobilienmakler hat das Konzept für die Hugo-Passage in Schellers Auftrag zusammen mit dem Architekten Robert Wieser aus Altkirchen entwickelt.

„Es gibt einige Interessenten für die Hugo-Passage“, erläutert Bartsch. „Manche sind aber mit den Geschoß-Strukturen nicht zufrieden.“ Im Klartext: Die Räume sind ihnen zu niedrig, die Raumhöhe ist – auch wegen der Fenster – an aber die Fassade gebunden. „Und dann stellt sich die Frage, ob die Fassade unbedingt stehenbleiben muss.“

Nach Auskunft von Frederik Holthaus, ehemaliger Geschäftsführer des Wolfratshauser Isarkaufhauses und Inhaber des Isarkaufhauses in Geretsried, besteht das Ensemble aus drei Gebäuden. Denkmalgeschützt ist ihm zufolge nur die Hausnummer 11, also der Teil mit der geschwungenen Struktur, der an der Ecke zum Dr.-Happ-Gassl liegt. Der mittlere Gebäudeteil und der, der an den ehemaligen Tengelmann (heute Witt Weiden) grenzt, seien nicht denkmalgeschützt.

Die Hugo-Passage – Namensgeber ist der vor einigen Jahren verstorbene ehemalige Eigentümer der prominenten Immobilie – soll im Erdgeschoss zwei Geschäfte mit jeweils mehreren 100 Quadratmetern Fläche beherbergen. Im ersten Stock sind zwei Kanzleiräume beziehungsweise Praxen und zwei Wohnungen geplant. Im zweiten und dritten Stock sowie im Dachgeschoss sollen weitere sechs Wohnungen entstehen. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten schlagen nach Informationen unserer Zeitung mit knapp vier Millionen Euro zu Buche.

Bartsch zufolge wäre der Abriss der Fassade noch aus einem anderen Grund sinnvoll. Bliebe sie stehen, wäre die Baustelle nämlich nur über das enge Happ-Gassl zu erreichen. Der Schutt, der beim Entkernen entsteht, müsste über die Fassade gehievt werden. „In der Marktstraße müssten ein bis zwei Kräne aufgestellt werden, dazu kommen die Laster, die den Schutt abtransportieren“, sagt Bartsch. „Die Straße wäre für lange Zeit zumindest teilweise gesperrt. Ein Chaos wäre vorprogrammiert“, ergänzt er angesichts der Größe der Baustelle und einer voraussichtlichen Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren.

Ein Abriss der Fassade würde dem Immobilienmakler zufolge auch neue bauliche Möglichkeiten eröffnen. „Ein Lichthof wäre denkbar oder aber eine Tiefgarage, weil wir dann eine Einfahrt bauen könnten.“

Bei aller Begeisterung für ihr Projekt würden aber auch die Planer an das Altstadtensemble denken. „Unser Ziel wäre es, die Fassade wieder aufzubauen“, erklärt Bartsch. „Wenn es gewollt ist, auch im jetzigen Stil.“ Frederik Lang

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