Diskussion um

Erbauer und Gegner von Pumpspeichern

Jachenau/Wolfratshausen – Der Wolfratshauser Horst Dämmig hat selbst am Bau eines PSW mitgebaut. Ein Unterstützer des Jochbergs-Projekts ist der Diplomingenieur trotzdem nicht.

In der Diskussion um das geplante Pumpspeicherwerk (PSW) am Jochberg melden sich allerlei Experten zu Wort – teils selbst ernannte, teils tatsächliche. Den Erfahrungshintergrund von Horst Dämmig dürfte aber kein anderer in der Region mitbringen: Der Wolfratshauser hat selbst am Bau eines PSW mitgebaut. Ein Unterstützer des Jochbergs-Projekts ist der Diplomingenieur trotzdem nicht. Sein Fazit: „Dafür braucht man die Natur nicht zu zerstören.“

Dämmig war Teil-Projektleiter

Bei der Errichtung des PSW in Langenprozelten – ein Stadtteil von Gemünden am Main im Spessart – war Dämmig Teil-Projektleiter für den Bereich Elektrotechnik. Fast 40 Jahre ist das her. Die Anlage in Unterfranken baute die Rhein-Main-Donau AG 1975 für die damalige Bundesbahn, um fahrplanbedingte abrupte Lastschwankungen auszugleichen und das Netz zu stabilisieren.

Energiewende keine Rechtfertigung für den Bau von PSW

Im Gegensatz zu diesem Zweck sieht Dämmig heute in der Energiewende keine Rechtfertigung für den Bau von PSW. „Die 700 Megawatt, die am Jochberg vorgesehen sind: Das ist ein Klacks im Vergleich zu dem gewaltigen Speicherbedarf, den wir haben, wenn die erneuerbaren Energien zu 100 Prozent ausgebaut sind.“

Alpen generell ungeeigenet

Die Alpen betrachtet der 75-Jährige generell als ungeeignet für große technische Anlagen. „Dort oben passt es einfach nicht hin“, sagt er in Bezug auf den Jochberg. „In Mittelgebirgen ist der Schaden nicht so groß, da hat man mehr Berge und irrsinnig viele Täler“, findet der gebürtige Thüringer.

Voraussetzungen im Spessart waren nicht ideal

Bei dem PSW in Langenprozelten (Leistung: 160 Megawatt) gibt er zu, „dass es auch nicht in die Landschaft passt“. Die natürlichen Voraussetzungen waren im Spessart nicht ideal: Dort mussten im Gegensatz zum Jochberg Ober- und Unterbecken angelegt werden. Außerdem beeinträchtigt neben dem Unterbecken eine riesige Schaltanlage das Bild. Das einzige natürliche Gewässer, das die Anlage speisen konnte, war der kleine Sindersbach. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis das Becken vollgelaufen war.“

„Heute kann man andere Auswege finden.“

Trotz allem kommt Dämmig zum Schluss: „Das war damals absolut notwendig. Heute kann man andere Auswege finden.“ Der 75-Jährige setzt da auf neue Technologien. „In zehn Jahren passiert viel. Ideal wäre auch ein Verbund mit der norwegischen Wasserkraft.“

Voraussetzungen grundverschieden

Wirtschaftlich seien die Voraussetzungen damals und heute grundverschieden. Zum Hochpumpen wurde in Langenprozelten billiger Atomstrom benutzt. Die produzierte Energie konnte als Notreserve teuer verkauft werden. „Am Jochberg wird es sich nicht lohnen, weil die bestimmt nicht das Vierfache des Einkaufspreises bekommen.“

Baukosten können leicht in die Höhe schnellen

Zudem lehre ihn seine Erfahrung in Unterfranken, dass die Baukosten leicht in die Höhe schnellen. „Wir hatten zum Beispiel Probleme mit der Dichtigkeit des Oberbeckens , es mussten immer wieder Drainagen eingebaut werden. Jetzt sind aber die geologischen Voraussetzugen am Jochberg viel schwieriger.“ Das Bahn-PSW im Spessart kostete seinerzeit 170 Millionen Mark (85 Millionen Euro). Für das Jochberg-Projekt sind 600 Millionen veranschlagt.

Andreas Steppan

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