800 Jahre alte Urzelformel sichert die Gaudi

- Geister vertrieben: Narren feiern

VON KATHARINA BROMBERGER

Geretsried - Lärmende Kuhglocken, schnalzende Peitschen, jubelnde Menschen in schwarzen Federkostümen mit grinsenden Masken: Das ist die Urzelzunft. Gestern statteten etwa 40 Mitglieder Bürgermeister Hans Schmid und Ehefrau Gabi im Rathaus einen Besuch ab, um die bösen Geister zu vertreiben. Danach sorgten sie für ein geisterloses Faschingstreiben an der Egerlandstraße.

"Wir wünschen Glück in diesem Haus", sprach ein Urzel die magische Formel. "Mit Schelle und Peitsche treiben wir die bösen Geister aus. Unsere Witze und Lieder kann jeder hören. Dass wir Sie besuchen, ist ein Zeichen, dass wir Sie ehren." Schmids Freude über den Besuch war groß. Der breite, rot-weiße Clownsmund verstärkte sein Lachen. "Die Urzeln sind ein Markenzeichen für Geretsried", meinte er. Seit 18 Jahren gingen sie dem Brauch im Rathaus nach.

In Wahrheit ist er 800 Jahre alt und stammt aus Siebenbürgen, genauer aus Agneteln im Harbachtal. "Es galt, das Böse und die Wintergeister zu vertreiben", zitierte Zunftmeister Horst Wagner aus der Urzelrede. "Das funktioniert jedes Jahr einwandfrei", bestätigte Schmid - wenn es in Geretsried auch nicht viele böse Geister zu vertreiben gebe. Ulrike Taubert hoffte auf schnelle Wirkung. "Damit der Winter bald vertrieben wird", meinte die Besucherin des Faschingstreibens.

Die frostigen Temperaturen taten der Stimmung keinen Abbruch. Die fröhlichen Narren wussten sich zu helfen: Die einen schwangen das Tanzbein, wie Hans Schmid und seine Frau beim Kufsteinlied, andere wärmten sich mit Glühwein und Tee. In ihr wohlig warmes Koalabären-Kostüm hatte sich die siebenjährige Theresa geworfen. Wulf Hildebrand aus Geretsried nannte den Grund für die gute Laune: "Das ist eine jedes Jahr gelungene und willkommene Abwechslung."

Die Besucher demonstrierten das, was sich Schmid für seine Stadt wünscht: "Friede und Eintracht." "Das war schon immer eines der höchsten Güter unserer Vorfahren", heißt es in Wagners Urzelrede. "Das Miteinander in der Gemeinde ist sehr wichtig", betonte Schmid. Viele Pflichtveranstaltungen stehen in den kommenden Tagen an: Eine Sitzung jagt die andere. Dennoch sollte so ein Faschingsdienstag doch ein bisschen Zeit zum Abschalten geben. "Ja, freilich", urteilte Schmid kurz und überzeugend.

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