700 Jahre gelebtes Brauchtum

Wolfratshausen - Mit einem Theaterstück ließ die Loisachtaler Bauernbühne die 700-jährige Geschichte der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft bei deren Jubiläum Revue passieren.

Im Foyer zeigten zwei Jungschützen historische Gewehre und Pistolen. Dass sämtliche Waffen sicher in Tresoren verwahrt werden und nur an Mitglieder mit entsprechenden Sachkundenachweisen und persönlicher Eignung vergeben werden, sei für die Feuerschützengesellschaft - wie für alle Schützenvereine - eine Selbstverständlichkeit, erklärte Erster Schützenmeister Helmut Michel. Aus Sicherheitsgründen habe man deshalb auch auf Böllerschüsse zum Jubiläum verzichtet. Schließlich hantierten die Schützen dabei mit hochexplosivem Schwarzpulver, das sie auf keinen Fall während der Feier hätten bei sich führen dürfen.

Stolz begrüßte Michel die Ehrengäste Prinz Ludwig von Bayern, den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Wolfratshausens Bürgermeister Helmut Forster, den Altbürgermeister und früheren Schützenmeister Erich Brockard, die Gauschützenmeister Karl Denk (Wolfratshausen), Hans Bösl (Starnberg) und Georg Müller (Bad Tölz) sowie den Vorsitzenden des Patenvereins Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen, Ewald Brückl.

Edmund Stoiber bezeichnete in seinem Grußwort das 700-jährige Bestehen der Feuerschützen als „etwas ganz Besonderes“. Es sei ein Zeichen „unglaublicher Kontinuität“. Die Pflege des Brauchtums in Form der Teilnahme an Festzügen und dem Böllerschießen werde heute leider viel zu wenig gewürdigt, bedauerte Stoiber.

Starnbergs Gauschützenmeister Hans Bösl erzählte nur von einer kleinen, aber viel sagenden Begebenheit: Als er sein Gastgeschenk, einen Zinnteller, zum Gravieren brachte, habe ihn der Graveur zweifelnd angeschaut und gemeint, Bösl müsse bei der Vorlage wohl ein Schreibfehler passiert sein. Es müsse doch sicher heißen „100-jähriges Bestehen“ statt „700-jähriges Bestehen“. Als Bösl dies verneinte, habe der Graveur mit großen Augen „Sagenhaft!“ ausgerufen.

Sagenhaft wurde es im Laufe des Abends auch, als die Loisachtaler Bauernbühne gemeinsam mit Hobbyhistoriker und Christian Steeb die 700-jährige Geschichte der Schützengesellschaft mit einem Theaterstück Revue passieren ließen. Der Stadtheilige Nantovinus (gespielt von Wiggerl Gollwitzer) fehlte dabei ebenso wenig wie ein von der Schützengilde tapfer verteidigtes Burgfräulein in Gestalt von Sabrina Schwenger.

Die 50 Jahre seit der Wiedergründung veranschaulichte Erich Brockard, 1963 Erster Schützenmeister. Er erzählte, wie er als Gausportleiter die Rundenwettkämpfe eingeführt habe und mit dem Chronisten Georg Hoffischer und mit Hilfe Edmund Stoibers um die Wiedererlangung des Titels „Königlich privilegiert“ gekämpft habe. Altbürgermeister Brockard ergänzte in seiner Rede, er wünsche sich, dass die Stadt Wolfratshausen ihre älteste Vereinigung auch weiterhin unterstützt, wenn die Erbpacht für das Schützenheim an der Geltinger Straße im Jahre 2062 ausläuft.

(tal)

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