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Gereizte Stimmung im Gasthof Peiß: Die Jahresversammlung der Walbesitzververeinigung Wolfratshausen hatte Konfliktpotenzial. 

Alois Schuller kandidiert gegen Johann Killer 

Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen verläuft kontrovers

Im Vorfeld der Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung gab es viel Unruhe und Ärger. Am Donnerstag setzte sich Vorsitzender Hans Killer aber klar durch. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war schon spät am Abend, als das Ergebnis feststand: Hans Killer bleibt weitere fünf Jahre Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Das war durchaus keine Selbstverständlichkeit. Im Vorfeld hatten einige Mitglieder aufbegehrt, mit dem ehemaligen Kreisobmann des Bauernverbands Alois Schuller aus Beuerberg gab es einen Gegenkandidaten, die Stimmung in der Versammlung war gereizt. Doch am Schluss war die Sache klar. Wahlleiter Hubert Oberhauser verkündete, dass von den 210 stimmberechtigten Mitgliedern 138 für Killer gestimmt hatten und 69 für Schuller. Von dem sonst so selbstbewussten Killer fiel sichtlich eine Last ab.

Johann Killer aus Altkirchen (Sauerlach), alter und neuer Vorstand der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. 

Dass der Abend im Gasthof Peiß keine gewöhnliche Jahresversammlung wird, stand von Anfang an fest. Während sonst höchstens 100 der gut 1300 Mitglieder den Weg zur Versammlung fanden, war es diesmal mehr als das Doppelte. Der Peiß war voll. Die Debatte entzündete sich am Umgang mit dem ehemaligen Geschäftsführer Korbinian Häsch, der krankheitsbedingt lange Fehlzeiten hatte, von zehn Jahren acht, wie Killer vorrechnete. „Das ist kein Vorwurf, das ist eine Tatsache“, sagte er. Notwendigerweise sei an ihm mehr Arbeit hängen geblieben, als im Ehrenamt zu bewältigen sei. „Ich habe zehn Jahre lang rotiert“, versicherte er. Mit dem neuen Geschäftsführer Florian Loher gebe es einen kompetenten Nachfolger.

Hier hakte ausgerechnet Killers Stellvertreter Johann Höck ein. Er bezeichnete es „unseriös“, dass Killer Häsch „schlecht gemacht“ habe. Diesem komme immerhin das Verdienst zu, in der Vergangenheit gute Holzpreise ausgehandelt zu haben und maßgeblich den Bau der Ascholdinger Geschäftsstelle betreut zu haben. Das wollte die Dietramszeller Bürgermeisterin Leni Gröbmaier so nicht stehen lassen. „Also den Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht“, sagte sie. „Ich habe gerade nichts von irgendwelchen Vorwürfen gehört, und die Verdienste des ehemaligen Geschäftsführers sind bei der Einweihung in Ascholding gebührend hervorgehoben worden.“

Misstrauen wurde auch spürbar, als es an die Wahlen ging. Den ursprünglich vorgesehenen Wahlleiter Alois Bauer, Bürgermeister von Wackersberg, lehnte die Versammlung ab, weil er zum erweiterten Kreis der Vorstandschaft gehört. Schlussendlich übernahmen der Eglinger Bürgermeister Hubert Oberhauser, der Eurasburger Bürgermeister Moritz Sappl und Kreisbäuerin Ursula Fiechtner das Prozedere. Schuller verzichtete auf eine große Rede. Er sagte nur: „Wenn Dir die letzten zehn Jahre so wenig Spaß gemacht haben, dann wird es Dir ja nicht schwerfallen, das Amt aufzugeben.“ Gejohle im Saal. Doch das bedeutete nichts für den Ausgang der Wahl.

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Alois Schuller aus Beuerberg, ehemaliger Kreisobmann des Bauernverbands. 

Die Personaldebatte ließ beinahe vergessen, dass an diesem Abend eine zukunftsträchtige Entscheidung anstand, nämlich die Umwandlung des gemeinnützigen Vereins in einen wirtschaftlichen Verein. Killer bezeichnete die Materie als „hochkomplex“. Doch es führe kein Weg daran vorbei, weil sich im Laufe der Jahre der Schwerpunkt vom ideellen in den wirtschaftlichen Bereich verschoben habe. „Im schlimmsten Fall droht der Zwangsausschluss aus dem Vereinsregister“, erklärte Killer. Es ändere sich nicht viel, schon gar nicht für die Mitglieder. Nur dass man nicht mehr dem Amtsgericht, sondern dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verantwortlich sei.

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Anton Krinner, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Isarwinkel, äußerte den Verdacht, dass der Staat dann bei Entscheidungen mitzureden habe. Das wies Landrat Josef Niedermaier zurück: „Die Behörde wacht lediglich darüber, dass die Satzung eingehalten wird, Einfluss hat sie keinen.“ Bei einem so gewaltigen Umsatz, wie ihn die Waldbesitzvereinigung erziele, müsse man von Glück reden, dass noch nichts passiert sei. „Ganz schnell umwandeln“, riet Niedermaier. Die Versammlung folgte dem Rat und machte einstimmig den Weg frei. 

Das Jahr der Waldbesitzervereinigung in Zahlen

Die Waldbesitzvereinigung Wolfratshausen, gegründet am 25. Januar 1949, ist die älteste ihrer Art in Bayern. Sie hat das Ziel, ihre Mitglieder zu beraten und deren Holz zu vermarkten. Sie zählt derzeit 1352 Mitglieder, Tendenz steigend. Die Mitgliedsfläche beträgt 21 500 Hektar. „Eigentlich haben wir heuer unser 70-jähriges Jubiläum, aber wir werden nicht groß feiern“, erklärte Hans Killer. „Wir haben bereits letztes Jahr die Einweihung der Ascholdinger Geschäftsstelle würdig, aber nicht ausschweifend begangen.“ Die Versammlung im Gasthof Peiß fand außerplanmäßig erst im Herbst statt, weil die Vorbereitung der Umwandlung von einem gemeinnützigen in einen wirtschaftlichen Verein mehr Zeit in Anspruch genommen hat als ursprünglich geplant. „Nächstes Jahr tagen wir wieder ganz normal im April“, so Killer. Im Jahr 2018 wurden 126 000 Festmeter Holz verkauft. Es fanden 35 Mitgliederfortbildungen mit 984 Teilnehmern statt, es wurden 28 Waldpflegverträge geschlossen. Killer selbst führte über 70 politische Gespräche.

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