„Der schneidet ja ganze Äste ab.“ Dietlind Diepen

Japaner bringen Garten auf Vordermann

Wolfratshausen - Wenn die Gärtner aus Iruma zur Heckenschere greifen, erhält der Japanische Garten an der Loisach binnen drei Tagen ein formvollendetes Gesicht.

Haben Japaner etwa nur zwei, dafür aber ziemlich dicke Zehen? Wer kürzlich beim Japanischen Garten vorbeischaute, konnte diesen Eindruck gewinnen. Denn wenn Kaneko Katsura, Kondo Katsumi und Kaneko Masayuki zwischen den Büschen umherhuschen, dann wollen und können sie nicht auf ihre Chika Tabi verzichten. Was die weichen, stiefelartigen Schuhe, die wie Flip-Flop-Socken aussehen, so besonders macht? „Man hat damit einen guten Halt, und sie erleichtern auch das Klettern auf Bäume“, erklärt Lars Paudler.

Der Münchner kennt die drei Gärtner aus der Partnerstadt Iruma, die derzeit in Wolfratshausen im Einsatz sind, bereits seit acht Jahren. Der 35-Jährige spielt den Übersetzer für die Mitglieder des Partnerschaftsvereins und die Kräfte des städtischen Bauhofs.

Zunächst inspizieren die Fachmänner das Areal, sie wandern einmal rundherum. Dietlind Diepen, die das Grün mit ihren Leuten vom Partnerschaftsverein alle sechs Wochen pflegt, bleibt plötzlich vor einem Laubbaum stehen. „Der hat total viele Blattläuse“, wendet sie sich an die Japaner, „ich wollte aber nicht mit Pestiziden arbeiten, bevor ich nicht ihr Okay habe.“ Das bekommt sie umgehend: Nach kurzer Beratung in der abgehackt klingenden Sprache teilt Dolmetscher Paudler mit, „dass es mit chemischen Mitteln funktionieren sollte“.

Nachdem sich die drei Männer blaue und orangefarbene Tenugui - so heißen die traditionellen japanischen Baumwollhandtücher - um den Kopf gebunden haben, geht es ans Eingemachte: Jetzt werden endlich Zangen, kleine Sägen und die Heckenschere ausgepackt. „Der schneidet ja ganze Äste ab“, bemerkt Dietlind Diepen etwas überrascht, als Kaneko Masayuki einer Kiefer zu Leibe rückt. Keine Zeit scheinen er und seine Kollegen verlieren zu wollen - aufgrund ihrer Fertigkeiten brauchen sie davon allerdings auch nicht viel.

Ob bei Zwergmispel, Mahonie oder dem immergrünen Buxbaum: Bevor die Feinarbeit ansteht, geht es erst mal ums Grobe, es wird gesägt und gezwickt, was das Zeug hält - ziemlich schnell, aber mit enormer Präzision. (gma)

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