Temporeicher Rollenwechsel: Luise Kinseher in der Rolle der Helga Frese. Foto: red

Mit 40 Jungfrauen im Paradies

Icking/Dorfen - Dreimal Luise Kinseher, dreimal gut: Die Kabarettistin begeisterte am Samstag rund 600 Zuschauer im Dorfener Festzelt.

Ina Deter hatte so recht, als sie 1986 provokativ sang: „Frauen kommen langsam - aber gewaltig“. Da war Luise Kinseher noch Schülerin in Niederbayern und hat sich langsam auf ihren Weg in die Münchner Kabarett-Szene aufgemacht. Mit ihrem Programm „Kinseher kimmt“ hat sie am Samstag vor gut 600 Zuschauern im Dorfener Festzelt unter Beweis gestellt, dass sie es inzwischen gewaltig krachen lassen kann - wenn sie kommt. Auch wenn’s nur im Bierzelt ist. „Und dann noch in dieser Gegend. Ich hab’ mir vorher nichts erwartet“, sagt sie am Ende eines grandiosen Kabarettabends und lobt damit dann doch ihr begeistertes Publikum.

Egal, ob als „Kinseher herself“, als „famous Mary from Bavary“ oder als „Helga Frese“ - Luise Kinseher wechselt ihre Rollen im Wimpernschlagtempo. Sie spielt ohne Rücksicht auf Verluste und mit vollem Körpereinsatz sich selbst, ihre zwei schrägen Begleiterinnen und natürlich auch mit dem Publikum. Sie ist als Schauspielerin erfolgreich, als Sängerin talentiert aber als Kabarettistin mittlerweile eine göttliche Rampensau. Wer bei ihr in der ersten Reihe sitzt, ist entweder der Depp - oder gut vorbereitet. Wenn die Kinseher als ihre hemmungslose Cousine Maria alias „Mary from Bavary“ nach Nüsschen schreit, haben echte Fans gleich die Dose zur Hand. Gut so. Wer frühzeitig aufsteht oder sich noch ein Bier bringen lässt, obwohl sie die Bühne schon betreten hat: Pech gehabt. Der kann sich für den Rest des Abends auf manche Watsch’n zum Amüsement der Allgemeinheit gefasst machen. Die Kinseher jodelt und singt, lässt bedeutungsschwanger ihre Augen rollen - und sagt viel, selbst wenn sie nix sagt.

Ihr Gastspiel im Festzelt vor knapp 600 Zuschauern kommt außergewöhnlich gut an. Die zwei Termine von Wolfgang Ramadans Icking-Abo-Dorfen fasste man auf Anregung der Dorfener Burschen kurzerhand zusammen und verlegte die Veranstaltung ins Bierzelt, so dass man sich am Wochenende nicht Konkurrenz im eigenen Dorf machte. Kinseher war das sehr recht, quasi einmal kommen und doppelt Spaß liefern.

Dabei verteilt sie überlebensnotwendige Survival-Tipps, falls man mal zufällig mit dem „Fuaß in Wolfratshausen im Maul eines Alligators stecken sollte“ und hat als nervtötend hochdeutsch näselnde Helga Frese eine vollkommen neuen Strategie für das Verteidigungsministerium. Demnach sollte man keine Soldaten, sondern die jungen Fräuleins von der Heidi (Klum) nach Afghanistan schicken: „Dann fühlt sich der gemeine Taliban, der ja nur auf seine 40 Jungfrauen wartet, gleich wie im Paradies - und es gibt gar keinen Stress mehr.“ Außer dem Stress mit ihrem „Burn out“, weshalb sie zur Heidi (diesmal die in der Schweiz) in die Nachbarschaft auf ihre neuerstandene Alm will. Nur sie und ihre Kuh: „Ich brauch’ nicht mehr wie eine Kuh. Allein das Wiederkäuen - neun Stunden am Tag. Das nenn’ ich wirklich, mit dem abfinden, was man hat.“ Zur Kuh bräuchte sie dann nur noch eine Espresso-Maschine, falls ihr „Freund und Nachbar aus den Vereinigten Afrikanischen Emiraten - also USA“ in Person von George Clooney vorbeischaut. Er taucht in ihrem Programm so zuverlässig auf wie im Deutschen Werbefernsehen. (Bettina Sewald)

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