Kahlschlag im Stadtwald

- Forstreform kann teuer werden

VON JASMIN MAHADEVAN Wolfratshausen - Der Freistaat muss sparen - auch bei den eigenen Behörden. Geplant ist laut Staatskanzleichef Erwin Huber eine Strukturreform, deren komplette Auswirkungen Interessierte auf www.bayern.de unter dem Stichwort "Verwaltung 21" nachlesen können. Forstamtsleiterin Christine Berger reichen die Sorgen um ihr eigenes Ressort.

Auf die Sparreform von 1995 müsse bei den Forstämtern nun eine Strukturreform folgen, verkündete Huber gestern im Herkulessaal der Münchner Residenz. Unter den anwesenden Behördenleitern war auch Berger, die als Überzeugung mit nach Hause nahm: "Gespart werden muss, aber bitte nicht schnell schnell."

Die Staatskanzlei will vor allem zwei Punkte umsetzen. Zunächst einmal sollen die noch bestehenden 128 Forstämter in Bayern in die 47 Landwirtschaftsämter eingegliedert werden. Zieht also das Forstamt Wolfratshausen nach Miesbach um? Leiterin Berger hofft auf das Gegenteil. "Wir brauchen die Außenstelle hier", sagt sie. Bürgermeister Reiner Berchtold ist der gleichen Ansicht, "schon wegen der nötigen Bürgernähe". Er könne sich lediglich eine Zusammenlegung mit dem Wolfratshauser Landwirtschaftsamt vorstellen, ein kompletter Umzug sei nicht drin.

Schon wegen dem zweiten Reformpunkt auf Hubers Agenda: Demnach sollen die Kommunen die so genannten Körperschaftswälder, deren Eigentümer sie sind, künftig selbst bewirtschaften - oder zumindest teuer für diese Dienstleistung bezahlen. Bislang erledigt das in Wolfratshausen und Geretsried das Forstamt zu einem subventionierten Preis. Die geplante Reform stellt die beiden Städte laut dem Geretsrieder Rathauschef Hans Schmid vor die Wahl: "Entweder einen Forstwirt einstellen oder mehr Geld an das Forstamt zahlen." Rund 30 Hektar Wald bewirtschaftet Bergers Behörde in Geretsried, etwas mehr, rund 37 Hektar, sind es laut Bauamtsleiter Wolfgang Bannert in Wolfratshausen. Derzeit ist noch nicht klar, wie teuer die Bewirtschaftung für die Kommunen wird. Etwas mehr könne die Stadt zahlen, meint Berchtold.

Ob das reicht, weiß Forstamtschefin Berger aber nicht. "Alles steht und fällt mit dem Holzpreis", sagt sie. Der bewege sich schon seit geraumer Zeit abwärts, ein Faktum, der den Forstämtern das Wirtschaften ohnehin immer schwerer mache - auch ohne Strukturreform. Bergers Mahnung an die hohe Politik lautet daher, über den Sparzwang die Gemeinwohlaufgabe der Forstämter nicht zu vergessen: "Der Wald ist viel mehr als ein Wirtschaftsfaktor", betont sie. Nämlich "Erholungsgebiet, Wasserspeicher und vieles mehr". Diese landschaftsprägende Element gelte es zu schützen.

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