Denkmal ohne Zukunft? Das alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße soll nach dem Willen der Stadt Wolfratshausen abgerissen werden. Foto: herm

Kampf für ein Stück Geschichte

Wolfratshausen - Denkmalschützer protestieren gegen den Abriss des alten Krankenhauses.

Für die Stadt Wolfratshausen und das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen als Genehmigungsbehörde scheint die Zukunft des geschichtsträchtigen alten Krankenhauses auf dem Grundstück an der Sauerlacher Straße besiegelt. Im Internet wird das Areal bereits kaufkräftigen Interessenten angeboten. Doch nun hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege seine Position in einer Pressemitteilung deutlich gemacht: „Im Rahmen des Behördensprechtages vom 23. Mai 2006 haben wir festgestellt, dass an der Denkmaleigenschaft und Erhaltungsfähigkeit des Gebäudes kein Zweifel besteht.“ Dennoch habe das Landratsamt im Juni 2006 unter Verweis auf Festlegung des Bebauungsplan 19 a den Abbruch erlaubt. „Und man hatte uns bei der Erstellung des Bebauungsplans nicht, wie sonst üblich, angehört“, sagt Beate Zarges und fügt hinzu: „Insofern ist nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage die zum Erhalt des kulturellen Erbes verpflichtete Kommune in ihrer Planung die Zerstörung eines Baudenkmals festgeschrieben hat.“ Als Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege betont sie die Möglichkeit einer Nutzung des geschichtsträchtigen Hauses als Sehenswürdigkeit und Denkmal in der Flößerstadt. Sie betont, dass „eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung nun naheliegend wäre“.

Die Historie des alten Krankenhauses ist beeindruckend: Nach der Grundsteinlegung am 27. Mai 1823, dem Geburtstag von König Max I., wurde der zweigeschossige Bau 1824 fertig. 1907 wurden schwere Mängel festgestellt, 1915, als der Krankenhaus- Neubau an der Gebhardtstraße fertig war, wurde es zum Wohnhaus. Seit 1982 ist es als Einzeldenkmal aufgeführt.

Nach dem Willen von Stadt und Landratsamt soll dieses Stück Geschichte nun endgültig verschwinden: Sie suchen im Internet nach Personen, die das knapp 1450 Quadratmeter große Grundstück in Erbpacht übernehmen würden. Gelockt werden sie mit der zentralen Wohn- und Geschäftslage und der guten Verkehrsanbindung. „Eine Abbruchgenehmigung für Altbestand liegt vor“, heißt es weiter. Für die Denkmalschützer wäre dies ein „großer Verlust für Wolfratshausen“. Sie hoffen nun auf die breite Unterstützung der Bürger: „Es bestünde die Möglichkeit der Popularklage gegen den Bebauungsplan. Auch ein betroffener Grundstücksnachbar könnte Klage erheben. Am aussichtsreichsten ist das Einwirken der Bürger auf die politischen Repräsentanten“, schreibt Pressesprecherin Zarges in ihrer Mitteilung. (cj/fla)

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