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Kein Dolce Vita mehr für Raucher

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- VON TORBEN TRUPKE Bad Tölz-Wolfratshausen - Seit Montag gilt in Italien ein striktes Rauchverbot in Restaurants, Kneipen, Diskotheken, Bars und Büros. Nur noch in abgetrennten Räumen oder im Freien darf dem blauen Dunst gefröhnt werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Gastwirte und Firmenvertreter im Nordlandkreis sind geteilter Meinung über das neue italienische Gesetz.

"Ich glaube, dass das auch bei uns kommt", meint Hans Hofherr, Juniorchef vom Königsdorfer Gasthaus zur Post. Er findet das Rauchverbot übertrieben und rechnet im Fall der Fälle mit einem massiven Protest der Gäste: "Der Aufschrei wird sicher groß sein." Hofherr hält die Regelung in seinem Gasthaus für völlig ausreichend: "Bei uns gibt es eine separate Nichtraucher-Stube, die sehr gut angenommen wird."

"Das werden die Italiener bald wieder ändern", glaubt Roman Schmoll, Wirt vom Gasthaus zur Linde in Wolfratshausen. Der Unmut der Bevölkerung sei zu groß, als dass die Regelung Bestand haben könnte. "Rauchen gehört gerade in der Abendgastronomie einfach dazu", findet Marcus Bugger, der seit einem Jahr Pächter der Wolfratshauser Glashütte ist. "Bei mir rauchen so viele Leute, und es hat sich noch nie jemand beschwert." Ein Rauchverbot würde die persönliche Freiheit der Gäste einschränken, findet Bugger. Ursprünglich sei es in den USA eingeführt worden, um die Angestellten in der Gastronomie zu schützen. "Aber das sind zu 80 Prozent selber Raucher."

"Ich weiß nicht, ob man das verbieten kann", kommentiert Paula Lohner das Verbot in Italien. Die Pächterin der Gaststätte Walchstädter Höhe glaubt nicht, dass es lange halten wird. Sie bietet in ihrem Lokal einen eigenen Raum für Nichtraucher an, der auch angenommen werde. "Das wäre schon ein großes Problem, wenn wir plötzlich einen Raucherbereich einrichten müssten", sagt Erika Großmann vom Altwirt in Münsing. Die meisten ihrer Gäste störe der Qualm nicht, ihre Bedienung klage allerdings öfter über die schlechte Luft.

Zeno Willnhammer von den Geretsrieder Ratsstuben hält nichts von einem generellen Rauchverbot. "Jeder Wirt sollte für sich entscheiden können, ob bei ihm geraucht werden darf." Willnhammer befürchtet, dass es auch in Deutschland bald aus sein könnte mit dem Tabakgenuss in Gaststätten. "Wenn ich dann einen eigenen Raucherraum einrichten müsste, hätte ich ein Platzproblem."

Und wie sieht es in den Unternehmen in der Region aus? "Bei uns gibt es Raucherinseln, in den Büros selber wird nicht geraucht", sagt Olaf Güldner, Marketingleiter bei Tyczka Totalgaz in Geretsried. "Das ist auch vernünftig, schließlich fühlen sich die Nichtraucher sonst belästigt". Bei Burgmann Industries in Wolfratshausen ist es ähnlich. "Ob geraucht werden darf oder nicht, regeln die Mitarbeiter selbst untereinander", berichtet Professor Elmar Baur, Vorsitzender der Geschäftsführung. "Das hat zur Folge, dass in den meisten Büros nicht mehr geraucht wird." Wer rauchen wolle, könne das in Räumen mit speziellen Lüftungsanlagen tun. Baur selbst ist Nichtraucher. "Deswegen liegen meine Sympathien klar auf Seiten des italienischen Gesetzes."

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