Keine Autowäsche am Sonntag

- Geretsried – Die Autowaschanlagen in Geretsried müssen an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben. Mit 21:9 Stimmen hat der Stadtrat gestern Abend den Beschluss des Hauptausschusses gekippt, der eine Erweiterung der Öffnungszeiten empfohlen hatte. Vorausgegangen war eine zum Teil hitzige Debatte. Einige Stadträte hatten vorgefertigte Erklärungen dabei, CSU-Chef Gerhard Meinl zitierte sogar aus dem Weltkatechismus. Auf den Zuhörerrängen saßen zahlreiche Vertreter der Kirchen und der katholischen Arbeitnehmerbewegung. Die KAB hatte in einem Brief zum Protest aufgerufen.

von sabine Schörner <P>Ordnungsamtsleiter Günter Stowasser erklärte eingangs, dass die bayerische Staatsregierung das Sonnund Feiertagsgesetz gelockert hat. Danach können Autowaschanlagen an diesen Tagen ab 12 Uhr öffnen &#8211; mit Ausnahme von Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten &#8211;, wenn die jeweilige Kommune eine entsprechende Verordnung erlässt. <P>&#8222;Wie die Entscheidung auch ausfällt&#8220;, eröffnete Heidrun Rösing (CSU) die Debatte im Stadtrat, &#8222;sie spiegelt nicht die Gesamtmeinung in der Stadt wider.&#8220; Sie selbst vertrat die Meinung, dass man in Deutschland nicht alles reglementieren müsse. Der mündige Bürger könne selbst entscheiden, ob er sein Auto am Sonntag wasche oder nicht. Außerdem sei die sonntägliche Ruhe durch berufliche, soziale oder private Verpflichtungen ohnehin schon gestört. <P>&#8222;Dann müssen wir nicht noch eins draufsetzen&#8220;, entgegnete Brigitta Siepmann (Grüne). &#8222;Sonntag muss Sonntag bleiben&#8220;, forderte energisch Manfred Freiseisen (Freie Wähler). Sein Fraktionskollege Wolfgang Lorz sowie Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei) schlossen sich an. Sie sahen schlicht &#8222;keine Notwendigkeit&#8220;, am Sonntag sein Auto zu waschen, und dafür &#8222;ein Stück abendländischer Kultur&#8220; zu opfern. Auch Hans Schmuck (CSU) wollte den Sonntag nicht weiter aushöhlen lassen. Er fürchtet, dass als nächstes die Ladenöffnungszeiten erweitert werden. <P>CSU-Chef Gerhard Meinl verwies dagegen auf die freie Marktwirtschaft und zitierte aus dem Weltkatechismus. Darin habe er nichts gefunden, was gegen eine Öffnung der Autowaschanlagen am Sonntag spreche: &#8222;Ich kann mit gutem katholischen Gewissen zustimmen.&#8220; Auch Harald Sachers (CSU), ebenfalls Katholik, sprach sich für mehr &#8222;Laissez faire&#8220; aus. Er ärgere sich, &#8222;dass, wenn die Staatsregierung eine Reglementierung abschaffen will, gleich das Geschrei von irgendwelchen Minderheiten losgeht.&#8220; Der Brief der KAB sei &#8222;beleidigend&#8220; und &#8222;polemisch&#8220; gewesen. <P>SPD-Fraktionschef Walter Büttner wiederum sprach von einer Bauch-Entscheidung. &#8222;Und mein Bauch sagt, dass es falsch ist.&#8220; Mit der Mehrheit stimmte er gegen die Öffnung der Autowaschanlagen am Sonntag &#8211; wie schon Wolfratshausen und Bad Tölz. Büttner betrifft das Problem ohnehin nicht: &#8222;Ich habe meine Autos nie gewaschen. Wenn sie dreckig waren, habe ich sie verkauft.&#8220; <P>

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