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Heinrich Hasch vor dem alten Lkw: In der Zulassungsstelle Wolfratshausen ist die Kombination „HH“ seit 2010 tabu.

Von wegen Wunsch-Kennzeichen

Darum ist HH am Auto unerwünscht

Wolfratshausen – Die Zulassungsstelle verweigerte dem Spediteur Heinrich Hasch Kennzeichen HH. Der Grund? Die Initialen könnten als Anspielung auf die NS-Vergangenheit verstanden werden. Ein Behördenstreifzug zwischen Ideologie, Irrsinn und jeder Menge Zahlen.

20 Jahre lang fährt die Fahrzeugflotte des Wolfratshauser Spediteurs Heinrich Hasch mit dem Kennzeichen TÖL-HH durch die Lande. Es sind die Initialen des Unternehmers, sie erleichtern die Zuordnung, sind den Kunden bekannt – und neuerdings verboten. Zumindest in der Kfz-Zulassungsstelle von Wolfratshausen. Der Grund: Die Buchstabenkombination könnte als NS-Ideologie verstanden werden. „Heinrich Himmler“ und „Heil Hitler“ grüßen vom Kennzeichen, sozusagen.

Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Tölzer Landratsamt, erklärt die Vorgehensweise mit einer schriftlichen Anweisung vom Bundesverkehrsministerium. Demzufolge dürfen Buchstabenkombinationen wie KZ (Konzentrationslager), NS (Nationalsozialismus) und SS (Schutzstaffel) nicht für Kennzeichen genutzt werden. Im Jahr 2010 ist die Liste laut Fischhaber erweitert worden – um AH (Adolf Hitler) und eben auch um HH. Altbestände ausgeschlossen.

Dass es regionale Unterschiede gibt, macht die Sache nicht unkomplizierter. So ist man in der Zulassungsstelle Dachau nicht nur in Sachen NS-Kürzel und Zahlen-Kombinationen besonders sensibel, auch die Kommunisten haben auf Dachaus Kennzeichen nichts

Zum Schutz der Autofahrer: Für Christian Müller, Leiter der Kfz-Zulassungsstelle Dachau, dienen die Regeln dem Wohl der Autofahrer.

verloren: „KP (Kommunistische Partei, d. Red.) ist bei uns gesperrt“, sagt Christian Müller, Leiter der Kfz-Zulassungsbehörde. Außerdem auf dem Index gelandet ist die Zahl 8 für Hitler (für den achten Buchstabe im Alphabet), die 18 für Adolf Hitler, 28 für Blood and Honour und die 88 für Heil Hitler.

Ein Haufen Zahlen – und noch mehr Fragezeichen: „Ich weiß gar nicht, wofür das alles steht“, gibt Manuela Lulla von der Münchner Zulassungsstelle zu. Verboten sei in München nur die Kombination aus den Buchstaben HH und den Zahlen 88. „In China ist die 8 die absolute Glückszahl“, berichtet Lulla. „Die sind immer ganz aus dem Häuschen, dass sie die Zahl hier quasi umsonst bekommen.“ 10 Euro und 20 Cent kostet ein Wunsch-Kennzeichen – 10,20 für eine Portion chinesischen Glücks.

Politisch korrekt oder maßlos übertrieben? Christian Müller von der Zulassungsbehörde in Dachau geht es vor allem um den Schutz der Autofahrer. „Wer mit HH durch die Stadt fährt, kann schon mal Lack-Kratzer abbekommen“, sagt er. Er hat einiges erlebt auf der Behörde: Erst vor zwei Jahren sei einem Cabrio-Fahrer ins Auto uriniert worden. Sein Kennzeichen? DAH-WC.

Ob die Regelungen Sinn machen, will auch Georg Fischhaber aus der Wolfratshauser Behörde nicht beurteilen. „Wir folgen dem Schreiben vom Bundesverkehrsministerium“, sagt er. Stimmt nicht ganz, wie eine Nachfrage unserer Zeitung ergab. So teilt das Bundesverkehrsministerium mit, dass es nur eine Empfehlung gebe, „bestimmte Buchstabenkombinationen bei der Zuteilung der Erkennungsnummern möglichst zu vermeiden“. Ob die Empfehlung in den Ländern umgesetzt wird, liegt ausschließlich im Ermessen der Länder – das Ministerium dürfe den Ländern in diesem Zusammenhang keine Weisungen erteilen.

Für Heinrich Hasch kommt die Erkenntnis zu spät. Sein neuer Sprinter ist bereits zugelassen. Das zufällige Kennzeichen: TÖL-XD.

Stephanie Dahlem

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