Wichtiger Vertreter der informellen Malerei: Heinz Haberkorn bei der Vorbereitung zu einer der vielen Ausstellungen, an denen er im Laufe seines Lebens mitgewirkt hat. Das Foto entstand am 27. Oktober 2007 in seinem Atelier. Foto: Archiv

Klar und unbestechlich

Wolfratshausen - Er galt als eigenwillig und authentisch: 2001 bekam er den Kulturpreis der Stadt Wolfratshausen verliehen. Am Freitag ist der Maler Heinz Haberkorn mit 67 Jahren verstorben.

„Er war immer meine große Liebe“, sagt Renate Haberkorn. Wegen ihr, der gebürtigen Wolfratshauserin, sei Heinz Haberkorn 1983 von München nach Wolfratshausen übergesiedelt. Während sie das erzählt, sitzt sie auf der Gartenbank vor dem kleinen Atelier ihres kürzlich verstorbenen Mannes. „Beim Malen war er immer so konzentriert, intensiv damit befasst“, sagt sie. Für ihn sei es eine Möglichkeit gewesen, sich zu sortieren. Die ehemalige Grundschullehrerin lernte Heinz Haberkorn vor 35 Jahren kennen. Sie war eine seiner Schülerinnen, als er an der Fachlehrerausbildungsstätte für Kunst und Werken in München lehrte. Ihre Bodenständigkeit habe ihm als „sehr impulsiven Künstler“ immer Halt gegeben.

Heinz Haberkorn war eine präsente Persönlichkeit. Wo immer er war, ob als Künstler oder privat, vertrat er seine Meinung. „Er war ein sehr politischer Mensch“, sagt Renate Haberkorn, „ein 68er und ein Green-Peace-Mitglied“. Aber als Dozent an der Fachhochschule Rosenheim, wo er bis zu seinem 65. Lebensjahr war, „geschah dies immer auf einer pädagogischen Ebene“.

Oft ist auch Gabi Hüttl mit Heinz Haberkorn zusammengesessen und hat mit ihm über Kunst diskutiert. „Heinz war ein sehr direkter Mensch. In Bayern sagt man dazu grad raus“, erinnert sich die Wolfratshauser Künstlerin an ihren Kollegen, der viele Jahre im Boschhof in Königsdorf sein Atelier hatte.

Doch der gebürtige Münchner (Jahrgang 1943) konnte auch streitbar sein. Die Galeristin Alinde Rothenfußer, die in Icking das Kunsthaus Orplid betreibt, kannte Heinz Haberkorn seit 15 Jahren. Bei ihrem ersten Zusammentreffen im Kunsthaus „hat er sich direkt aufgeregt, weil ich seine Bilder in der Küche aufhängt habe“, sagt sie, schmunzelt aber dabei. Denn für sie war Haberkorn ein absolut loyaler und kollegialer Mensch, der nie ein böses Wort über andere verloren hätte. „Das ist selten unter Künstlern, weil die meisten immer ihre Ellenbogen ausfahren, wenn sie mit ihresgleichen zusammentreffen.“ Haberkorn aber war für sie ein großer Künstler und ein wichtiger Vertreter der informellen Malerei. „Das faszinierende an ihm war seine klare Linie - unbestechlich und authentisch. Nie hätte er von anderen abgekupfert, oder geschaut, was andere machen. Er war stets auf seine eigene Entwicklung bedacht. (Roswitha Diemer)

Die Seelenmesse

für Heinz Haberkorn mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Dienstag, 21. Juni, um 11 Uhr auf dem Friedhof in Wolfratshausen-Nantwein statt.

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