Kleine kriegen den Klapperhammer, die Größeren den Rumpelkasten

- Seit 1947 pflegen die Ratschenbuam einen katholischen Brauch

VON KATHARINA BROMBERGER

Geretsried - Die Glocken fliegen nach Rom, um geweiht zu werden. Erst am Karsamstag kehren sie zurück. So sagt es der Volksmund. Deshalb schweigen nach dem Gloria am Gründonnerstag die Kirchenglocken. Für sie springen in Geretsried die Ratschenbuam ein - seit 1947.

"1946 kamen die Vertriebenen aus dem Egerland nach Geretsried", erklärt Helmut Hahn, Vorstand der Egerländer Gmoi. "Sie brachten den katholischen Brauch in ihre neue Heimatstadt." Seither ziehen am Karfreitag und Karsamstag Buben mit Holzratschen durch Gartenberg und erinnern ans Gebet. Dabei gibt es eine klare Rangordnung unter den zirka 50 Sechs- bis 16-Jährigen: "Wer am längsten dabei ist, führt die etwa sechsköpfigen Gruppe an", sagt Hahn. Er selbst beendete seine Ratschenzeit 1978. Als Sechsjähriger fing er an, damals schob er den ratternden "Schubkarren", die "leichteste der vier Holzratschen". Die übrigen Ratschenarten hängen wie ein Bauchladen um den Hals. Die Zweitjüngsten ziehen mit dem "Klapperhammer" los, Ältere mit dem "Rumpelkasten". Die "große Ratsche", die die Erfahrensten bekommen, macht laut Hahn "den meisten Krach".

Eine "besondere Gaudi" sei der Weckruf an "auserwählten" Stationen, "darunter der Schmid-Bäck", verrät Hahn schmunzelnd. "50 Meter vor dem Grundstück verstummen die Ratschen. Man verteilt sich ums Haus und setzt die Ratschen dort ein, wo sie gut zu hören sind, zum Beispiel am Fensterbankerl."

Dreimal ziehen die Kinder am Karfreitag und -samstag durch die Straßen: Von 6 bis 7 Uhr, von 11 bis 12 Uhr und von 17 bis 18 Uhr. Nach ihrer Runde treffen sich alle am Kirchplatz und gehen den Weg zum Rathaus gemeinsam. Am Karsamstag bitten die Kinder mit Sammelbüchsen um Spenden. Hahn betont, nur den "Jungen mit Ratschen" etwas zu geben. Für Ostern 2005 lädt er außerdem jeden Burschen zum Mitratschen ein. "Er muss nicht zur Gmoi gehören." In der Osternacht erklingen die Kirchenglocken wieder. Die Ratschenbuam und alle Ehemaligen feiern dann auf der Böhmwiese am Osterfeuer.

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