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In der Nacht auf den 23. Februar wurden in Königsdorf-Höfen zwei Rentner umgebracht. Zwei Wochen später präsentiert die Sonderkommission „Soko“ Höfen zwei dringend Tatverdächtige. Einer von ihnen ist noch auf der Flucht. 

Königsdorf hat sich verändert

Nach dem Doppelmord: „Es ist nichts mehr so, wie es war“

Seit knapp zwei Wochen ist der Doppelmord in Höfen das Gesprächsthema in der Region. Am Freitag meldete die Polizei: Es gibt erste Fahndungserfolge. Beruhigt ist in der 3000-Seelen-Gemeinde Königsdorf trotzdem niemand.

Königsdorf – „Es ist nichts mehr so, wie es war“, sagt Willi Kubalik. Vor der Bluttat habe er sich nie besonders um seine Sicherheit gesorgt. Doch seitdem die Polizei vor zwei Wochen zwei Tote und die schwerst verletzte Luise Strauch in einem Einfamilienhaus in Höfen entdeckt hat, hat der 60-Jährige ein beklemmendes Gefühl – und das lässt ihn nicht mehr los. „Früher haben wir nie die Haustür zugesperrt“, gibt der Chef der Autowerkstatt an der Königsdorfer Hauptstraße zu. Jetzt ist der Geretsrieder vorsichtiger. „Dass man die Mörder nun kennt, beruhigt mich nicht wirklich“, sagt Kubalik. „Es passiert halt allgemein immer mehr – leider auch in Dörfern wie hier.“

Beruhigt ist das falsche Wort

Der Tatort: Zwei Tote und die schwerst verletzte Hauseigentümerin Luise Strauch entdeckte die Polizei in der Nacht auf Faschingssonntag in einem Einfamilienhaus in Königsdorf-Höfen.

Unterhalb von Kubaliks Werkstatt, im Orthopädie-Schuhtechnik-Geschäft von Franz Obermüller, hat der Doppelmord ebenfalls für viel Gesprächsstoff gesorgt. „Die Leute waren schockiert“, sagt Mitarbeiterin Gitta Strehler. Sehr viele Mutmaßungen seien über das Verbrechen angestellt worden. „Vorher war der Doppelmord etwas großes Unbekanntes“, so die 53-Jährige. Dass man seit Freitag von einer Beziehung zwischen Opfern und Tätern weiß, mache natürlich einen Unterschied. „Aber das Misstrauen gegenüber Fremden nimmt auch auf dem Land zu“, befürchtet Strehler. „Wir sind zwar froh zu wissen, was Sache ist, aber beruhigt? Nein, das ist das falsche Wort.“ Die Hintergründe der Tat seien „bedenklich“: „Viele Menschen verlassen sich auf Pflegekräfte, ein solches Ergebnis ist ein wahnsinniger Vertrauensbruch“, meint die Orthopädieschuhmacherin.

Die Gedanken sind bei der schwerst verletzten Hauseigentümerin

Dass die mutmaßlichen Täter ermittelt wurden, ist für Dominik Graf nur ein schwacher Trost: „Das macht für mich keinen Unterschied“, so der 34-jährige Königsdorfer. „Es kann jeden treffen, auch hier bei uns.“ Eine Königsdorferin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, denkt seit der grausamen Tat häufig an die schwer verletzte Hauseigentümerin Luise Strauch. „Ich habe sie immer mal wieder beim Einkaufen gesehen“, sagt die 50-Jährige. „Selbst wenn die Mörder so gut wie geschnappt sind – wer weiß, ob sich die arme Frau jemals wieder erholt.“

Bürgermeister Demmel: „Hier auf dem Dorf will man mehr wissen“

Erleichtert über den mutmaßlichen Fahndungserfolg zeigt sich Anton Demmel. Gleichzeitig betont der Bürgermeister: „Hier auf dem Dorf will man mehr wissen.“ Was, wie, warum: Die Hintergründe der Bluttat müssten ans Licht kommen. Vize-Bürgermeister Sebastian Seidl spricht der Sonderkommision Höfen ein Lob aus: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Fall gelöst wird.“ Für ihn ist es wichtig, dass die Täter nicht aus der Gegend stammen. „Aber das ist ein zweischneidiges Schwert.“ Stecke tatsächlich eine osteuropäische Pflegekraft dahinter, dürften viele ein mulmiges Gefühl bekommen, die auf eine solche Hilfe angewiesen sind, meint Seidl.

Das Bild von der dörflichen Idylle gibt es nicht mehr

„Für die Höfener ist das mit Sicherheit eine große Erleichterung“, sagt Mesner Hans Hartl, als er vom mutmaßlichen Fahndungserfolg hört. „Den Bürgern ging das ganz nahe, sie hatten das Verbrechen ja direkt vor der Haustür.“ Nicht nur für Königsdorf sei es beruhigend zu wissen, dass der Fall nun so gut wie gelöst scheint, meint der Gemeinderat. Trotzdem wird es noch lange dauern, bis in Königsdorf wieder Ruhe einkehrt. Spürbar ist: Der Doppelmord hat die Gemeinde verändert – das Bild von der dörflichen Idylle gibt es nicht mehr. 

Von Magdalena Höcherl

Einen Überblick über die weiteren Ereignisse aus Königsdorf finden Sie in unserem Live-Ticker. Hier können Sie die früheren Entwicklungen in unserem alten Königsdorf-Ticker nachlesen.

Bilder: Zwei Tote nach Gewaltverbrechen in Königsdorf

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