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Stellen sich den Herausforderungen der Zukunft: Die Rettungsdienstführung mit (v. li, stehend) Jörg Meyer, Hermann Wallrapp, Anton Schwaiger, Alois Grünwald, Florian Rausch und Markus Bail sowie (sitzend) Manuel Renz, Stefan Ertl, Peter Hempel, Andi Gomilsek und Peter Rogner. 

Verstärkung an der Spitze

Rettungsdienst des BRK begrüßt neue Wachleiter – Anforderungen steigen

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Der Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis stellt seine Führungsspitze neu auf. Elf Wachleiter unterstützen die Bereichsleiter künftig.

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Statt wie bisher von drei werden die Bereichsleiter Markus Bail und Jörg Meyer ab sofort von elf Wachleitern unterstützt. Damit reagiert die Rettungsdienstführung auf stetig wachsende Anforderungen, erklärten Bail und Meyer kürzlich in Königsdorf.

Im Tagungsraum des Posthotels Hofherr hielten die neuen Wachleiter sozusagen ihre konstituierende Sitzung ab. „Wir sprechen darüber, wie wir die Zukunft gestalten wollen, wie wir die Abteilung Rettungsdienst darauf vorbereiten wollen und teilen Bereiche zu“, fasst Bail die Aufgabenstellung zusammen.

Mehr Mitarbeiter, höherer Personalaufwand

Seit seinem Dienstantritt vor drei Jahren sei der Rettungsdienst von 86 auf 120 Mitarbeiter gewachsen. Damit verbunden sei eine aufwendigere Personalverwaltung. Auch sei die Arbeitsbelastung durch Qualitätsmanagement, Controlling, Fortbildungen und Unterweisungen in neue Medizinprodukte gestiegen. Zu zweit sei das nicht mehr zu stemmen, so Markus Bail. „Wir werden gewisse Bereiche auf die Wachleiter umlegen.“

Die Wachleiter, die allesamt Notfallsanitäter sind und in einem Lehrgang auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden, sind quasi Meyers und Bails verlängerter Arm. Bei fünf Wachstationen im Landkreis – in Bad Tölz, Geretsried, Wolfratshausen, Lenggries und Kochel am See – könnten die beiden nicht auf jeder präsent sein. Zudem könne man nicht wissen, „was noch kommt. Corona wird nicht die letzte Pandemie gewesen sein“, so Bail.

Einsätze mit Maske deutliche Belastung

Beim ersten Treffen der neuen Rettungsdienstführung war auch das Virus Thema. Bis dato fahren alle Mitarbeiter ihre Einsätze mit FFP2-Masken. „Das ist eine deutliche Belastung“, sagt Jörg Meyer und verweist auf Fotos von Gesundheits--und Krankenpflegern mit aufgeriebenen Nasenrücken. „Das ist bei uns genauso.“ Es sei eine Gratwanderung, die Einsatzkräfte zu entlasten, sie aber auch keiner Infektionsgefahr auszusetzen. Bail ergänzt: „Bislang haben wir alles richtig gemacht. Nicht ein Mitarbeiter wurde auf das Coronavirus getestet.“

Zwischenzeitlich war jeder zweite Transport des Rettungsdienstes ein Corona-Verdachts- oder bestätigter Fall. Anfang Juni waren es zwei pro Woche. Dafür kämen wieder mehr „normale“ Einsätze hinzu, sagt Bail. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte er den Eindruck, dass Menschen beispielsweise mit Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall sich nicht getraut hätten, den Notruf zu wählen – zu Unrecht. „Wer sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet, braucht nicht zu zögern“, betont der Leiter des Rettungsdienstes. In diesen Tagen seien es vor allem Freizeit- und Sportunfälle, da die Menschen nach den Ausgangsbeschränkungen Nachholbedarf hätten. „Wir sind sehr gut aufgestellt und stemmen das ohne Probleme. Es braucht sich kein Bürger Sorgen zu machen, dass er nicht rechtzeitig versorgt wird.“

In Geretsried über Neubau nachdenken

Auf die Corona-Pandemie hätte der Rettungsdienst rechtzeitig reagieren können, resümiert Bail. Die Erfahrungen wolle man nutzen, um auch in Zukunft auf derartige Ereignisse vorbereitet zu sein. Problematisch war bekanntlich die Beschaffung von Schutzkleidung und Hygienematerial. Der Kreisverband habe einen sechsstelligen Betrag dafür aufwenden müssen. „Wir wollen künftig mehr vorhalten, um die erste Welle abgreifen zu können“, so Bail. Zum Schluss nennt er zwei Aspekte, die den Rettungsdienst in naher Zukunft ebenfalls beschäftigen werden. Zum einen Platzprobleme: In Geretsried müsse man über einen Neubau nachdenken, und die Wachstation in Kochel am See entspreche nicht mehr dem Stand der Technik. Zum anderen kämpft der Leiter des Rettungsdienstes für eine faire Bezahlung. „Ich habe eine Petition eingereicht, um freie Heilfürsorge für Gesundheits- und Krankenpflegekräfte zu erreichen.“

sw

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