Zukunftsort: Königsdorfs Bürgermeister Rainer Kopnicky blickt auf das Hanggrundstück an der Sedlmeierstraße. Dort soll die neue Schulturnhalle entstehen.
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Zukunftsort: Königsdorfs Bürgermeister Rainer Kopnicky blickt auf das Hanggrundstück an der Sedlmeierstraße. Dort soll die neue Schulturnhalle entstehen.

Königsdorfs Rathauschef bleibt auch in der Krise optimistisch

Bürgermeister Rainer Kopnicky im Interview: In Sachen Turnhalle „guter Dinge“

  • vonPeter Borchers
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Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Königsdorfs Bürgermeister über seine ersten, von der Pandemie beeinträchtigten Monate im Amt und über die Pläne der Gemeinde.

Königsdorf – Die Gemeinde auf Festen und Veranstaltungen zu vertreten, Vereine zu besuchen, Jubilaren per Handschlag zu gratulieren – das alles hätte Rainer Kopnicky in seinem Premierenjahr als Königsdorfer Bürgermeister gerne getan. Es blieb in der Mehrheit der Fälle beim Wunsch. Die Corona-Pandemie fesselte den 53-Jährigen, der vor seiner Nominierung von den Freien Wählern zur CSU gewechselt war, meist an seinen Sessel im Büro. Redakteur Peter Borchers sprach mit dem Rathauschef über das Seuchenjahr 2020 und die Königsdorfer Pläne in schwierigen Zeiten.

Herr Kopnicky, als Sie sich im Spätsommer 2019 zur Kandidatur entschlossen, hatten Sie sicher nicht auf dem Schirm, die Geschicke Königsdorfs unter Pandemie-Bedingungen leiten zu müssen?

Rainer Kopnicky: Sicher nicht. Eigentlich lauern fast in jedem Themenbereich, den wir bearbeiten, die gleichen Fragen: Welche Vorschriften sind wegen Corona zu beachten? Kann ich das Treffen abhalten, kann ich das Gespräch führen? Das hält enorm auf. In vielen Teilbereichen kommt man derzeit nicht so weiter, wie man das gerne möchte.

Vermissen Sie die repräsentativen Aufgaben – auch die sind ein Teil Ihres Jobs?

Rainer Kopnicky: Vereinzelt gab’s ein paar Termine nach dem Ende des ersten Lockdowns, ein paar Vereins- oder Hauptversammlungen. Die meisten Vereine haben jedoch früh beschlossen, keine Versammlungen abzuhalten, so auch der TSV, bei dem ich Zweiter Vorsitzender bin. Auf das gesellschaftliche Leben hat Corona einschneidende, fast brutale Auswirkungen und Einschränkungen, das ist klar. Das merke ich auch im privaten Bereich. Mir fehlt beispielsweise mein Tischtennissport zum Abschalten. Zum Ausgleich gehe ich zurzeit gelegentlich joggen, aber ehrlich gesagt: Mir ist Sport in der Gemeinschaft sehr viel lieber.

Sie waren von 2002 bis 2014 bereits stellvertretender Bürgermeister. Nun sind Sie der Chef. Hat sich in der Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten und den beiden anderen Fraktionen, den Freien Wählern und der Unabhängigen Bürgerliste, etwas geändert?

Für mich stand noch nie im Vordergrund, welcher Fraktion ein Gemeinderat angehört. 

Rainer Kopnicky

Rainer Kopnicky: Für mich stand noch nie im Vordergrund, welcher Fraktion ein Gemeinderat angehört. Zumal ich viele Kollegen nicht nur aus der Arbeit im Gremium und den Ausschüssen kenne, sondern auch privat. Für mich ist immer die Sache entscheidend, nicht die Fraktionszugehörigkeit. Meine Intention ist, die Dinge offen und klar auf den Tisch zu legen, darüber zu diskutieren und dann die bestmögliche Entscheidung für die Gemeinde zu treffen. Dass es dabei mal unterschiedliche Meinungen gibt, ist normal, aber dann entscheidet die Mehrheit.

Es ist auffallend, wie sachlich die Sitzungen in Königsdorf ablaufen. Aus anderen Kommunen ist man da härtere Töne gewohnt. Fetzt Ihr Euch nie, auch nicht in den internen Sitzungen?

Rainer Kopnicky: Persönliche Streitigkeiten gibt es so gut wie nie. So etwas möchte ich auch aus unserer Arbeit heraushalten. Aber natürlich diskutieren wir gelegentlich hart und vehement in der Sache, insbesondere in den Ausschusssitzungen. Das Maß ist aber nie überschritten worden, so lange ich mich zurückerinnere. Wir in der Gemeindeverwaltung müssen ein Thema sachlich und rechtlich sauber aufarbeiten. Das ist unsere Aufgabe. Wenn das Thema im Rat dann emotionaler diskutiert wird, ist das meiner Meinung nach völlig in Ordnung, befruchtet nicht selten sogar die gemeinsame Entscheidungsfindung.

Ein Beispiel?

Rainer Kopnicky: Gerade in Bauangelegenheiten ist das so. Über den Standort, an dem wir unsere neue Schulturnhalle bauen möchten, haben wir uns lange viele Gedanken gemacht. Ist der Eisplatz richtig? Oder sollen wir die bestehende Halle abreißen und dort die neue hinbauen? Oder eben der Standort südlich des Allwetterplatzes, für den wir uns letztlich entschieden haben – und den trotz aller unterschiedlichen Argumente im Vorfeld nun der gesamte Rat mitträgt.

Weil Sie gerade die neue Turnhalle ansprechen: Fürchten Sie, dass die Pandemie und ihre Folgen das Königsdorfer Leuchtturm-Projekt der nächsten Jahre gefährden könnten? Stichwort: fehlende Steuereinnahmen.

Rainer Kopnicky: In Sachen Turnhalle bin ich, was unseren momentanen Kassenstand anbelangt, guter Dinge. Ein bisschen Sorgen bereiten mir die staatlichen Fördergelder, die bei diesem Bauprojekt fast die Hälfte der Finanzierung ausmachen. Wenn die aufgrund der Corona-Krise erst zeitverzögert fließen sollten, könnte es passieren, dass wir andere Dinge hintenan stellen müssen. Unsere laufenden Aufgaben müssen wir ja trotzdem erledigen können. Aber es wird sich wohl erst in den Jahren 2021/22 herausstellen, wie hoch die Einbrüche an Steuereinnahmen sind – zumindest bei der Einkommenssteuer. Was die Gewerbesteuer anbelangt, ist Königsdorf mit seinen vielen kleinen und mittleren Handwerksbetrieben, die alle noch Aufträge und Arbeit haben, zum Glück gut strukturiert. Allerdings haben es manche Betriebe, vor allem im Hotellerie- und Gaststättenbereich derzeit schwer. Inwieweit sich das auf die Steuereinnahmen auswirkt, muss man sehen.

Für Ihre Baupläne bedeutet das konkret?

Rainer Kopnicky: ... dass wir größere Hoch-und Tiefbauprojekte möglicherweise aufschieben müssten. Wobei sich nicht alles aufschieben lässt. Der Anschluss Schwaighofens an den Abwasserzweckverband hat mit dem Ende der Betriebserlaubnis für die Teichkläranlage am 31. Dezember 2022 zu erfolgen. Das haben wir deshalb für nächstes Jahr in der Pipeline, auch dafür haben wir schon die Zusage von Fördergeldern. Die Bauhoferweiterung wollen wir nach wie vor nächstes Jahr angreifen. Aber ob sich unsere Umbaupläne mit der bestehenden Turnhalle – Stichwort offene Ganztagsschule – so schnell realisieren lassen, müssen wir abwarten. Wie sich das zeitlich und in welcher Größenordnung auswirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fassen. Wir möchten dies aber gerne bis 2025 realisieren.

Abschließende Frage, Herr Kopnicky: Haben Sie als Bürgermeister von Königsdorf Ihren Traumjob gefunden?

Rainer Kopnicky: Was mir wirklich sehr gefällt: Die Aufgaben in diesem Amt sind sehr vielfältig, herausfordernd und dazu horizonterweiternd – auch in ihrer Tiefe. Das bereitet mir schon sehr viel Spaß. Ich gebe aber schon auch zu, Corona und seine Auswirkungen bremsen uns zurzeit etwas ein. Aber das betrifft ja im Grunde uns alle.

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