Josef Holzer auf der Binsalm.
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In den Bergen fühlte er sich wohl: Josef Holzer auf der Binsalm. Der Königsdorfer starb kürzlich im Alter von 83 Jahren nach längerer Krankheit. Foto: privat

Nachruf auf Josef Holzer

Der „Tölzer Sepp“ auf seiner letzten Reise: Königsdorfer Urgestein verstirbt mit 83 Jahren

  • vonPeter Borchers
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Er war stets hilfsbereit, freiheitsliebender Familienmensch - und ein Königsdorfer Urgestein. Nun ist Josef Holzer im Alter von 83 Jahren gestorben.

Königsdorf – Eins ist gewiss: Ein Mann, der nachweislich über eine Million Kilometer und viele Jahre im Führerhaus eines Tankzugs auf den Straßen Europas verbracht hat und dennoch in seiner Heimatgemeinde Königsdorf bekannt und beliebt war wie wenige, der muss schon etwas Besonderes gewesen sein. Und das war Josef Holzer. „Er war“, sagt Tochter Christine über ihren am 16. Juli im Alter von 83 Jahren verstorbenen Papa, „äußerst hilfsbereit. Ob Nachbarschaftshilfe, Fahrdienste oder Hausmeistertätigkeiten für seine Tante – mein Vater war für jeden da, und das immer mit einem Lächeln.“

„Er war äußerst hilfsbereit“

Als 2004 die Schwiegermutter starb, sei es für ihn selbstverständlich gewesen, die behinderte Schwester seiner Frau Christl zu sich ins Haus zu holen, erzählt die Tochter. „Er hat meine Mutter unterstützt, und wenn sie eine Auszeit benötigte, auch die Pflege seiner Schwägerin übernommen.“ Seine Lieben – Gattin Christl, die er am 8. August 1966 geheiratet hatte, die drei Kinder und später fünf Enkel – ging Josef Holzer, Sprössling einer alteingesessenen Königsdorfer Familie, eben über alles.

Sogar über seinen Freiheitsdrang. Den lebte er über seinen Beruf aus. Nicht umsonst hatte Holzer bald nach einer Lehre zum Maurer auf Fernfahrer umgesattelt. Über Jahrzehnte chauffierte er dicke Brummis für die Tölzer Firma Erwin Fritz. „On the road“ kannte man ihn weithin als den „Tölzer Sepp“. „Fürs Fahren hat er gelebt“, sagt Christine Holzer, „obwohl das keine leichte Arbeit war“. Anfangs, in den 1970er Jahren, „als wir Kinder noch klein waren, ist er nur alle 14 Tage heimgekommen“. Der Papa habe ihnen manchmal gefehlt, erinnert sich die 50-Jährige, trotzdem sei ihre Kindheit schön gewesen: „Die Mama war ja da, und wir sind auf dem Land aufgewachsen, wo der Zusammenhalt doch ein anderer ist als in der Stadt.“

Sein großer Traum: Einmal einen Sommer auf einer Alm zu verbringen

Als Rentner schließlich – weg von der Straße – suchte Holzer sich seine Freiheitsinsel in den Bergen. Sein großer Traum sei immer gewesen, „einmal einen Sommer auf einer Alm zu verbringen“, sagt die Tochter. Über Bekannte, die in Steinberg am Rofan eine besitzen, erfüllte er sich ihn. Aus einem Sommer wurden sogar mehrere, in denen er sich um das Jungvieh kümmerte und Wanderer mit einer Brotzeit versorgte. Und Christl ließ ihren Sepp gewähren. „Die Mama wusste, dass das wichtig für ihn ist“, sagt Christine Holzer und erinnert sich schmunzelnd an einen Bericht in unserer Zeitung vor 13 Jahren über den „Tölzer Sepp“ auf der Alm: „Danach ist halb Königsdorf da hochgepilgert.“

Immer in den Weihnachtsferien nahm Holzer Urlaub und machte mit seiner Frau eine Fernreise – einmal nach Sri Lanka. Die Insel sollte ihn nie mehr loslassen, achtmal flog er hin. „Das Land, die Menschen dort, das war Seins. Dort hat er sich unglaublich wohlgefühlt“ erzählt Tochter Christine. Mit ihr besuchte er 2013 die Insel ein letztes Mal.

In den letzten zwei Jahren ging es Holzer, ein gläubiger Christ, gesundheitlich zunehmend schlechter. Mehrfach musste er ins Krankenhaus. Zuletzt Anfang Juli. Eine Woche nach seiner Entlassung schlief er friedlich dort ein, wo er 1937 das Licht der Welt erblickt hatte: in Königsdorf, im Kreise derer, die ihm am wichtigsten waren – seiner Familie.  

peb

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