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Ein Mitarbeiter der Spurensicherung steht wenige Tage nach dem Doppelmord von Höfen vor dem Haus, in dem die Tat geschah. Tausende Arbeitsstunden investierte die Polizei in die Jagd nach den Tätern im In- und Ausland.

Ein Jahr danach

Doppel-Raubmord von Höfen: Als ein Ort zum Tatort wurde

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Mehr als einen Monat lang hielt ein Doppelmord den kleinen Weiler Höfen in Atem. Dann waren die mutmaßlichen Täter geschnappt. Das Verbrechen ist nun ein Jahr her. Ein Rückblick.

Königsdorf– Höfen streicht an diesem Tag im Kalender das erste Jahr nach dem Doppelmord durch. Ein Jahr ist seit dem brutalen Verbrechen vergangen, das eigentlich höchstens in einem Kriminalroman vorkommen sollte. Die Ermittler konnten den Fall innerhalb von 263 Tagen abschließen. Dennoch wird es noch eine Weile dauern, bis der Weiler in Königsdorf dieses grausige Kapitel seiner Geschichte endgültig beenden kann.

Auch gut zwei Monate nach der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft München II steht noch kein Termin für die Hauptverhandlung nach dem Doppelmord in Höfen fest. „Ebenso wenig lässt sich sagen, wie viele Hauptverhandlungstage angesetzt werden sollen“, erklärt Pressesprecherin Andrea Mayer. Seit April sitzen die mutmaßlichen Täter, vier Polen, in einem bayerischen Gefängnis in U-Haft. Sie sind wegen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und besonders schweren Raubes angeklagt. Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen lebenslange Haftstrafen.

Allem Anschein nach sind sie in der Nacht auf den 23. Februar 2017in das freistehende Haus von Luise S. (76) in Höfen eingebrochen – ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Frau aus Eschborn bei Frankfurt (76) und ein Mann aus Hagen in Nordrhein-Westfalen (81), die bei der Hausherrin zu Gast waren, wurden erschlagen. Luise S. soll sich im Schlafzimmer eingesperrt haben. Doch die Einbrecher schlugen die Tür ein und misshandelten sie brutal. Sie überlebte. Knapp. Die mutmaßlichen Raubmörder erbeuteten Bargeld in fünfstelliger Höhe, Schmuck und Wertgegenstände.

„Aktenzeichen XY ungelöst“ nimmt den Fall auf

Die „Policja“ greift zu: In Polen klickten für den vierten Tatverdächtigen die Handschellen.

Fast drei Tage später entdeckten Polizei und Feuerwehr die verwüsteten und mit Blut verschmierten Räume in dem Haus. Nordbayerische Bekannte der Besucherin aus Eschborn hatten die 76-Jährige vermisst gemeldet. Man wollte nachsehen. Ab diesem Zeitpunkt war der Königsdorfer Weiler im Fokus der Nachrichten. Auch die ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ thematisierte den brutalen Doppelmord.

Die Polizei gründete eine Sonderkommission, die Soko Höfen. Sie sicherte tausende Spuren, befragte über hundert Zeugen. Zu Spitzenzeiten beschäftigten sich über 50 Männer und Frauen bei der Polizei im In- und Ausland mit dem Fall. Tausende Überstunden sammelten sich an. Involviert war auch Top-Profiler Alexander Horn, der mit seinem Team Mordermittlern in der ganzen Welt neue Ermittlungsansätze und Einblick in die Denkweise der Mörder liefert.

Die frühere polnische Pflegekraft geriet unter Verdacht. Sie hatte sich um den damals bereits verstorbenen Mann von Luise S. gekümmert. Die 49-Jährige wurde im März festgenommen, bald darauf ihr Sohn (23) und ein Bekannter (32). Letzteren hatte eine Überwachungskamera der Rastanlage Höhenrain an der A 95 gefilmt, er galt erst als Zeuge. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung schnappte die polnische Polizei schließlich den vierten Tatverdächtigen: Den Bruder (43) der Pflegekraft. Seine DNA hatte die Polizei 300 Meter vom Haus entfernt entdeckt. Die Soko Höfen beendete ihre Ermittlungen am 15. November. Die Beweislast sollte erdrückend sein. Der Prozess kann kommen.

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