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Ort der schrecklichen Raubmorde: In einem Einfamilienhaus im Königsdorfer Ortsteil Höfen fand die Polizei Ende Februar zwei Tote sowie die schwer verletzte Eigentümerin. 

Schockierende Tat 

Doppelmord in Höfen: Darum zieht sich der Prozessbeginn so lange hin

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Die Ermittlungen im Mordfall Höfen sind abgeschlossen. Der Prozess gegen die Täter wird nicht vor Mitte 2018 beginnen. 

Königsdorf – Der 26. Februar dieses Jahres war der Tag, an dem Wirklichkeit wurde, was viele Königsdorfer bis dato nur aus der Fernsehserie „Aktenzeichen XY“ kannten: In einem Einfamilienhaus im Ortsteil Höfen fand die Polizei an jenem Sonntag drei Opfer eines schweren Raubüberfalls – zwei tot, das dritte – die 76-jährige Hausbesitzerin Luise S. – dem Tode näher als dem Leben. Eine 59-köpfige Sonderkommission nahm die Ermittlungen auf. In den folgenden Wochen schnappten die Tag und Nacht schuftenden Beamten vier dringend Tatverdächtige: die 49-jährige Pflegerin der alten Dame, deren Sohn und Bruder sowie einen weiteren Mittäter, allesamt polnische Staatsbürger. Das Quartett sitzt derzeit in diversen bayerischen Gefängnissen in U-Haft und wartet auf seinen Prozess.

Sechs Monate nach Doppelmord in Höfen: Staatsanwaltschaft bereitet Verfahren vor

Der allerdings dürfte erst im kommenden Jahr eröffnet werden. Sechs Monate nach dem schrecklichen Verbrechen ist die zuständige Staatsanwaltschaft München II noch mit der Vorbereitung des Verfahrens beschäftigt. Die Spuren, die die Polizei gesichert hat und die Erkenntnisse daraus „füllen Dutzende von Leitz-Ordnern und die wiederum eine ganze Regalwand“, sagt Karin Jung. Die Pressesprecherin rechnet mit dem Prozessbeginn „wohl nicht vor Mitte 2018“. Aufgrund der massiven Beweise geht Jung davon aus, dass die Täter eine hohe Strafe erwartet.

Die Masse der Ermittlungsunterlagen liege mittlerweile der Anklage vor, bestätigt Stefan Sonntag, Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. Die Arbeit seiner Behörde sei beendet, „nur kleine Nacharbeiten noch zu erledigen“. Beispielsweise wenn die Staatsanwaltschaft, mit der man als „Herrin des Verfahrens“ in stetem Kontakt stehe, „noch die Aussage eines bestimmten Zeugen benötigt“.

Opfer erholt sich nur ganz langsam

Zur Aufklärung des Falls steuerte Luise S., die sich nur ganz langsam von ihren schweren körperlichen wie seelischen Verletzungen erholt, lediglich einen geringen Teil bei. „Zur eigentlichen Tat hat sie wenig gesagt“, bestätigt Sonntag. „Das ist verständlich, die Dame ist ja nur knapp dem Tod entronnen.“ Mehr Hilfe sei jedoch gar nicht nötig gewesen: „Aufgrund der Spurensicherung und unserer Ermittlungen“, so der Polizeisprecher, „ist die Beweislage erdrückend.“

Bürgermeister: „Da wird niemand allein gelassen“

Die Arbeit der Ordnungshüter „von allerhöchster Qualität“ lobt auch Anton Demmel. Allerdings möchte Königsdorfs Bürgermeister dies nicht nur auf die „herausragende Ermittlungsarbeit“ beschränkt wissen, denn dass die Polizei ihr Handwerk beherrscht, „erwartet man als Staatsbürger ja auch irgendwie“. Was Demmel also noch mehr beeindruckte: Wie professionell und gleichzeitig einfühlsam die Beamten während der Ermittlungen vorgingen – und wie sie sich auch danach um das Opfer kümmerten. „Geradezu fürsorglich ist das“, schwärmt der Rathauschef, „da wird niemand allein gelassen.“ Dies sei schön zu wissen, auch wenn Demmel auf diese Erfahrung „gerne verzichtet“ hätte: „Lieber wär’s mir gewesen, es wäre hier nichts passiert.“ Denn dass das Verbrechen noch eine Zeit gegenwärtig bleiben wird, „zumindest in Höfen und der unmittelbaren Nachbarschaft“, das glaubt der Bürgermeister schon.

Auch aus diesem Grund hatte die Gemeinde das Bürgerfest im angrenzenden Schönrain zum Anlass genommen, die Polizisten einzuladen. „Der harte Kern“ der Ermittler sei gekommen, erzählt Rathauschef Demmel, „so hatten wir die Gelegenheit, Danke zu sagen“.

Bilder: Zwei Tote nach Gewaltverbrechen in Königsdorf

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