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Polizeipräsident Kopp äußert sich höchstpersönlich zur Sicherheitslage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nach dem Doppelmord.

Brutales Verbrechen, kein klassischer Einbruch

Nach Doppelmord in Höfen: Das sagt der Polizeipräsident zur Sicherheit

Der Doppelmord im Königsdorfer Weiler Höfen ist aufgeklärt - dennoch wirkt er nach. Die Menschen in der Region haben Angst. Nun äußert sich der Polizeipräsident zur Sicherheitslage. 

Königsdorf/Bad Tölz - Nach dem brutalen Verbrechen, bei dem zwei Menschen ermordet und eine Frau schwer verletzt wurden, scheint die Sicherheitslage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Chefsache geworden zu sein.

Am Mittwoch äußert sich Polizeipräsident Robert Kopp höchstpersönlich in einer langen Stellungnahme zur aktuellen Lage. Hier sein Statement im Wortlaut:

„Wohnungseinbruch - ein Thema, das derzeit gerade die Menschen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen viel stärker als anderenorts bewegt. Der Doppelmord im Weiler Höfen (Gemeinde Königsdorf) ist trotz der schnellen Aufklärung durch Polizei und Staatsanwaltschaft in der Region immer noch vielen gegenwärtig. Wir haben zwar mit der schnellen Ermittlung und Festnahme der vier Tatverdächtigen gezeigt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auf IHRE Polizei verlassen können. Trotzdem gehe ich aber davon aus, dass das Sicherheitsgefühl vor allem bei den in der näheren Umgebung des Tatorts lebenden Menschen immer noch erschüttert ist. Mir ist es deshalb wichtig, die Bürgerinnen und Bürger „aus erster Hand“ über die Fakten zur Wohnungseinbruchskriminalität zu informieren.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen statistisch gesehen der sicherste 

Auch wenn jeder Wohnungseinbruch einer zu viel ist: Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist statistisch bei den Wohnungseinbrüchen der sicherste Landkreis im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Fallzahlen haben sich in diesem Landkreis in den vergangenen zwei Jahren mehr als halbiert: Wurden im Jahr 2014 noch 64 solcher Delikte begangen, waren es im 2015 noch 45 Fällen und im Jahr 2016 insgesamt 30 Wohnungseinbrüche. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit durch einen Wohnungseinbruch geschädigt zu werden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen viel geringer als in den meisten anderen Landkreisen oder Städten Deutschlands.

Bilder: Zwei Tote nach Gewaltverbrechen in Königsdorf

Dennoch bin ich mir bewusst, dass es auch hier keine 100%ige Sicherheit gibt. Hinzu kommt, dass Sicherheit nicht nur an materiellen Schäden festgemacht werden kann. Ein verloren gegangenes Sicherheitsempfinden beeinträchtigt noch immer manche Menschen im Landkreis. Dies habe ich im heutigen Sicherheitsgespräch mit Landrat Josef Niedermaier, Mitarbeitern des Landratsamtes sowie des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und der regionalen Polizeidienststellen ausführlich thematisiert.

Eine gute objektive Sicherheitslage und hohes Vertrauen in die Sicherheit gehören für mich untrennbar zusammen. Aus diesem Grund bleibt die präventive und repressive Bekämpfung der Wohnungseinbruchkriminalität im südlichen Oberbayern für uns weiterhin ein Schwerpunktthema. Die bislang getroffenen Maßnahmen - präventiv und repressiv - werden wir konsequent beibehalten. Unser erklärtes Ziel: Wir machen den Einbrechern das Leben so schwer wie nur möglich und setzen uns dafür ein, Ängste in der Bevölkerung abzubauen!

Das furchtbare Verbrechen in Höfen hat nichts mit einem klassischen Einbruch zu tun

Wichtig ist es hier auch zu wissen: Das furchtbare Verbrechen in Höfen dient aufgrund der Tatumstände nicht als geeignetes Beispiel für einen „klassischen“ Wohnungseinbruch. Nach unseren polizeilichen Erfahrungen sind Wohnungseinbrecher in aller Regel scheu, halten sich nur für sehr kurze Zeit im Objekt auf und flüchten sofort, sobald sie sich entdeckt bzw. erkannt fühlen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil dieser Einbrüche durch die richtige Sicherungstechnik und vor allem durch eine aufmerksame Nachbarschaft verhindert werden kann. Ein intaktes soziales Umfeld und aufmerksame Menschen sind für mich wichtige Garanten einer wirksamen Risikovorsorge in punkto Einbruch.

Alle Bürgerinnen und Bürgern sind für mich potentielle Sicherheitspartner. Schnelle Hinweise an den Polizeinotruf 110 sind unverzichtbar für polizeiliche Fahndungs- und Ermittlungserfolge. Deshalb ist meine Prämisse und die Botschaft unserer Notrufoffensive: Bei verdächtigen Wahrnehmungen lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig sofort den Polizeinotruf 110 wählen!

Wichtig ist der ständige Dialog zwischen Polizei und Bürger. Ich sehe in der Sicherheitswacht, wie sie sich bereits auch in mehreren Städten des südlichen Oberbayerns bewährt hat, ein gute und pragmatische Möglichkeit „Sicherheit miteinander zu gestalten“. Vor allem das Sicherheitsgefühl wird nicht nur durch eine sichtbare Polizeipräsenz sondern auch durch die erkennbaren Angehörigen unserer Sicherheitswacht gestärkt: Deshalb würde ich es natürlich begrüßen, wenn sich künftig auch im Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer in neu einzurichtenden Sicherheitswachten bewähren könnten.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum wirksamen Einbruchsschutz: Unsere kriminalpolizeilichen Beratungsstellen, die bei den regionalen Kriminalpolizeidienststellen angesiedelt sind, bieten eine umfangreiche, individuelle und kostenlose Beratung zur Einbruchsvorsorge. Für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steht hierzu Kriminaloberkommissar Simon Bräutigam bei der Kriminalpolizei Weilheim unter der Telefonnummer (0881) 6400 gerne als Ratgeber zur Verfügung.“

mm

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