Die Stromtrasse im Königsdorfer Ortsteil Niederham.
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Die Stromtrasse im Königsdorfer Ortsteil Niederham.

Bürgermeister: „Eine Mammutaufgabe“

Bebauungsplan Niederham: Königsdorfer Gemeinderat arbeitet Bedenken und Einwände ab

  • vonPeter Borchers
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Einen an die Moderne angepassten Bebauungsplan soll der Königsdorfer Ortsteil Niederham bekommen. Nicht jedem Anlieger gefallen die Pläne der Gemeinde.

Königsdorf – Seit 1969 besteht für den Königsdorfer Ortsteil Niederham ein Bebauungsplan, zeitgemäß ist er also längst nicht mehr. Seit einigen Jahren ist der Gemeinderat damit beschäftigt, das Papier zu erneuern, es „an die aktuellen baurechtlichen Vorgaben und Möglichkeiten anzupassen“, wie Bürgermeister Rainer Kopnicky es formulierte. Als Initialzündung diente die Möglichkeit, nun auch unter einer Stromtrasse Baurecht zu schaffen, was über Jahrzehnte nicht erlaubt war.

Mitten durch den Ortsteil führt eine Hochspannungsleitung der Bayernwerke. Im Dezember schickte das Gremium den Planentwurf ins Verfahren. In ihrer jüngsten Sitzung mussten sich die Räte mit den eingegangenen Stellungnahmen auseinandersetzen.

Der Entwurf legt unter anderem die Zahl der Wohnungen in Relation zur Grundstücksgröße fest, grenzt die Grundfläche von Hauptgebäuden, Wintergärten, Außentreppen, Terrassen und Balkonen ein, sieht eine Erhöhung der Wand- und Firsthöhe vor, begrenzt letztere allerdings unterhalb der Stromleitung. Er hält zudem an der einheitlichen Dachform in dem Gebiet fest, das bereits zu etwa 85 Prozent bebaut ist. Weiterer Bestandteil des Entwurfs ist die Erschließung. Dazu zählen die Förderung sicherer Fuß- und Radwege und die Beibehaltung der Verkehrserschließung im Hinblick auf eine mittel- bis langfristige Entwicklung der im Süden angrenzenden Freiflächen. Auch die Grünordnung regelt der Entwurf.

Gut eineinhalb Stunden lang hangelte sich Bauamtsleiter André Murach durch ein 40-seitiges Papier, das sämtliche Einwendungen von Trägern öffentlicher Belange sowie Anliegern und die jeweils dazu gehörigen Abwägungen der Verwaltung aufdröselte. 27 Stellungnahmen waren eingegangen, nur vier – die der Gemeinden Wackersberg und Bad Heilbrunn, des Staatlichen Bauamts in Weilheim sowie des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten – waren ohne Bedenken. Die weiteren Einwendungen reichten von einfachen Hinweisen bis hin zu großen Vorbehalten einiger Anwohner.

Die Regierung von Oberbayern beispielsweise verwies lediglich auf die Beachtung von Natur und Landschaft, den Hochwasserschutz und die Energieversorgung. Das Wasserwirtschaftsamt hingegen bemängelte das „nicht schlüssige Konzept zur Abwasserbeseitigung“ und fordert wegen der Hanglage im Hinblick auf wild abfließendes Wasser und Sturzfluten grundwasserdichte Kellergeschosse „bis über die natürliche Oberfläche“.

Eine wahre Flut an Einwänden brachte Sebastian Kienlein vor. Der offensichtlich baurechtlich bewanderte Anlieger störte sich zum Beispiel an den Vorgaben für den Dachgeschossausbau, die dies in seinem Fall unmöglich machen. Auch die Verkehrserschließung – „unnötige und möglicherweise ruinöse Pläne“ – ist dem Königsdorfer wie einigen seiner Nachbarn, die ähnliche Vorbehalte angemeldet hatten, ein großer Dorn im Auge.

Einen Teil der Einwände wies der Gemeinderat – über jeden musste einzeln entschieden werden – einstimmig zurück. Die anderen nimmt die Verwaltung in eine nochmals überarbeitete Version des Plans auf. Rainer Kopnicky wies zum Abschluss nochmals darauf hin, „wie schwierig es ist, einen alten Bestandsbebauungsplan auf Stand zu bringen – eine Mammutaufgabe“. Der Rathauschef betonte aber auch, dass es der Gemeinde ein großes Anliegen ist, in Niederham „weiteres Baurecht zu schaffen“.

Weil die noch offenen Punkte – nicht die in der Sitzung bereits einzeln abgewiesenen Einwände – nun also noch in den vorliegenden Entwurf eingearbeitet werden müssen, konnte das Gremium den Bebauungsplan nicht verabschieden. Der Beschluss der Räte lautete deshalb dahingehend, dass der Entwurf nach seiner Überarbeitung erneut öffentlich ausgelegt wird.

peb

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