Hans Köglsperger Vorsitzender der Kinschdarfa Maschkera. 
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Hans Köglsperger Vorsitzender der Kinschdarfa Maschkera. 

Hans Köglsperger, Chef der Kinschdarfer Maschkera, über den Fasching, der keiner ist

Eine Saison zum Vergessen

  • vonPeter Borchers
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Im Interview äußert sich Hans Kögelsperger, Vorsitzender der Kinschdarfer Maschkera, über die Probleme eines Faschingsvereins im Corona-Jahr.

Königsdorf – Das Coronavirus ist fraglos die größte Spaßbremse der vergangenen Jahrzehnte. Skiurlaube sind gestrichen, den Advent, Weihnachten und Silvester haben wir weitestgehend in Isolation verbracht. Und den Faschingsfans geht die Narrenkappen-Schnur hoch, denken sie daran, was die Pandemie aus ihrer bevorzugten Jahreszeit gemacht hat. Hans Köglsperger ist Chef der Kinschdarfer Maschkera mit ihren gut 300 Mitgliedern. Der Faschingsverein wollte im kommenden Februar seinen traditionellen Wagenzug durch den Ort auf die Beine stellen. Doch die Pandemie hat die Königsdorfer Karnevalisten gestoppt. Redakteur Peter Borchers unterhielt sich mit dem 38-Jährigen.

Herr Köglsperger, wie geht’s dem Königsdorfer Obernarren?

Kögelsperger: Danke der Nachfrage, gesundheitlich geht’s mir persönlich gut. Und was die Maschkera betrifft: Die letzte Großveranstaltung mit dem Faschingstreiben auf der Hauptstraße haben wir mit dem Verein Ende Februar gut über die Bühne gebracht. Wir können nicht klagen.

Das betrifft die Vergangenheit. Aber ein Verein lebt ja auch davon, dass man sich trifft, zusammensitzt, gemeinsam Spaß hat – Dinge, die seit Monaten nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich sind.

Kögelsperger: Natürlich ist die Lage nicht einfach. Ein Zug wäre nicht möglich, die Auflagen, was die Mindestabstände betrifft, könnten wir gar nicht einhalten. Eigentlich wollten wir in dieser Saison auch eine Faschingszeitung herausbringen. Das gestaltet sich zurzeit ebenfalls sehr schwierig.

Inwiefern?

Kögelsperger: Naja, das öffentliche Leben steht mit dem zweiten Lockdown wieder komplett still. Wir hatten uns eigentlich auf drei, vier Gruppen aufgeteilt, die sich jeweils telefonisch besprechen, dann Berichte für die Zeitung schreiben oder von anderen Leuten Informationen einholen, über welche Themen wir schreiben sollen und können. Aber es kommen einfach keine Artikel und Infos rein. Es ist halt schwer, über etwas zu schreiben, wenn nix passiert. Das wissen Sie als Journalist am besten. Ob es eine Faschingszeitung geben wird, entscheiden wir deshalb Ende des Jahres.

Kommt in einem Fasching, der keiner sein darf, überhaupt Stimmung auf?

Kögelsperger: Mei, wir müssen das Beste daraus machen. Die Situation lässt sich nicht ändern. Und wer wäre nicht besser in der Lage, diese Pandemie mit Humor zu überstehen, als wir als Faschingsverein? Wir haben eine lange Tradition. Als wilden Haufen gibt es uns schon ewig, als eingetragenen Verein seit 2004. Letztes Jahr haben wir die 50. Ausgabe der Faschingszeitung herausgebracht, wir sind also humorgeprüft.

Können Sie erklären, warum es im generell eher faschingsmüden Bayern einige Humorinseln wie Königsdorf gibt? In München beispielsweise, wo sich in den 1970er und 80er Jahren noch ein Ball an den anderen reihte, ist heutzutage kaum noch etwas geboten.

Kögelsperger: Eigentlich nicht. Irgendwie hat sich diese Tradition bei uns einfach gehalten. Neben dem Treiben oder dem Zug haben wir den Katakombenball im Ritterkeller vom Hofherr, in der vergangenen Saison übrigens im zehnten Jahr. Und seit jeher weiß ich von der narrischen Stub’n am Unsinnigen Donnerstag im Hofherr. Beides fällt 2021 leider auch flach.

Sollte es 2021/22 wieder eine Saison geben: Wie geht es in Königsdorf weiter?

Kögelsperger: Wir behalten den ursprünglichen Rhythmus bei. Das heißt, wir machen dann einen Faschingsmarkt auf der Hauptstraße. Der Zug folgt 2023. Das hängt mit der Faschingszeitung zusammen. Die bringen wir immer nur dann heraus, wenn es parallel einen Zug gibt – oder es wie heuer einen geben würde. Ich habe mal im Landratsamt vorgefühlt. Sollte sich die Lage bis Februar deutlich bessern, würden wir für einen Zug sogar noch eine Genehmigung bekommen. In Anbetracht des derzeitigen Infektionsgeschehens glaube ich daran allerdings nicht.

In der Reihe

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

peb

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