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Kommt von Herzen: Altlandrat Otmar Huber (re.) bekam viele Geschenke überreicht – vor allem gesunde. Links im Bild Ehrenkreisbäuerin Anni Rieger. 

Empfang zum 90. Geburtstag

Huldigung für „Uralt-Landrat“ Huber

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Königsdorf - Otmar Huber hat in seinen fast 30 Jahren als Landrat unglaublich viel für den Landkreis geleistet. Nebenher hat der Mann, der immer Tempo machte, vier Mal den „Ironman“ in Hawaii absolviert und Gedichte geschrieben. Am Donnerstag huldigten ihm alte Weggefährten gebührend. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Postillonstüberl im Posthotel Hofherr war es Donnerstagmittag angerichtet: Als Vorspeise wurde Steinpilz-Kartoffelsuppe gereicht. Beim Hauptgang griffen die meisten der Ehrengäste zu Hirschkalbsbraten mit Trollingersoße. Und wem dann noch der Sinn nach etwas Süßem stand, für den gab es zum Dessert Kastanienmousse mit Himbeersoße. Der Jubilar hatte im Vorfeld protestiert, als er von dem Aufwand erfuhr, der für ihn getrieben werden sollte. „Kann sich der Landkreis das denn leisten?“, fragte Altlandrat Otmar Huber, dessen 90. Geburtstag gefeiert wurde, seinen Nachnachfolger Josef Niedermaier. Der fand: Das kann der Landkreis. Und das sollte er auch.

So kamen in Königsdorf auf Einladung des Landratsamts knapp 50 Ehrengäste zusammen, um Otmar zu Huber zu gratulieren, ja zu huldigen. Da waren die Bürgermeister, die Altbürgermeister sowie Weggefährten aus der Politik und Verwaltung. Man ließ die alten Zeiten Revue passieren – und erzählte sich Dutzende von Anekdoten über den hellwachen Jubilar. Den Mann, der in der Gebietsreform den Landkreis einte. Der das zukunftsweisende Müllkonzept durchsetzte. Der sein Leben lang intensiv Sport trieb. Der bis heute Gedichte schreibt und rezitiert.

Ansporn, selbst mitzugestalten

Landrat Josef Niedermaier erwähnte in seiner Laudatio, wie ihn Huber geprägt hat. Auf dem Höhepunkt der extrem hitzigen Auseinandersetzung um die Mülldeponie Greiling entdeckte der junge Niedermaier einen Galgen, aufgestellt von den Gegnern der Deponie, mit einem Konterfei Hubers. „Da dachte ich mir: Das geht doch nicht, es gibt Grenzen.“ Für ihn ein weiterer Grund, in die Politik zu gehen. „Das war für mich ein Ansporn, selbst mitzugestalten.“

Unvergessen ist für Niedermaier auch der grüne Mercedes, mit dem Huber durch den Landkreis raste, im Kofferraum die Langlaufski, um in der Mittagspause rasch ein paar Runden zu drehen. Oder jener Sonntagvormittag, als Huber mit dem Rad in die Jachenau jagte, auf dem Rücken einen mysteriösen Rucksack. Vor Ort klärte sich auf, was er enthielt: einen Trachtenanzug, den er bei der dort anstehenden Bürgerversammlung über die Sportkluft streifte. Danach zog er den Trachtenanzug aus und fegte wieder nach Hause. Das war die Zeit, als Otmar Huber als der sportlichste Landrat Bayerns galt. 

In der Nacht davor hat er ein Gedicht geschrieben

Michael Bromberger aus Eurasburg und Michael Grasl aus Münsing – der eine als ehemaliger, der andere als aktueller Sprecher der Landkreisbürgermeister – überreichten Huber einen Geschenkkorb voller gesunder Sachen. Enthalten waren vor allem Haferflocken, die Huber nach Sportlersitte stets zum Frühstück isst. Grasl erinnerte an die humorvollen Worte, mit denen der Altlandrat kürzlich das Münsinger Loriot-Denkmals eingeweiht hat (er hatte sie als „nackerte Preißn“ bezeichnet). „Die beiden Herren im Bad streiten ja, seitdem sie da sind“, sagte Grasl. „Aber darin sind sich beide einig, dass das eine großartige Rede war.“

Huber selbst ließ sein Leben in wenigen Sätzen Revue passieren. „Es ist ja bekannt, dass ich immer aufs Tempo gedrückt habe“, sagte er. Der „Uralt-Landrat“, wie er sich selbst im Scherz nannte, erklärte es mit seiner Jugend, die er in Kriegsgefangenschaft verbrachte, unter anderem vier Jahre in einem Kohlebergwerk, die meiste Zeit auf Knien. Über die gesundheitlichen Schäden, unter denen er lange litt, wollte er kein Wort verlieren. Nur so viel: „Danach hat es mir natürlich pressiert.“ In kürzester Zeit machte der junge Mann aus dem Landkreis Eichstätt sein Abitur, studierte Jura, arbeitete sich in die Staatsverwaltung ein, landete einen Sensationssieg bei den Landratswahlen 1967 gegen einen CSU-und einen SPD-Mann, und absolvierte vier Mal den Ironman in Hawaii. Zuletzt las Huber ein in der Nacht zuvor geschriebenes Gedicht vor. Er reimte „Gratulanten“ auf „Bedanken“, „Würdigung“ auf „Beerdigung“ und schloss mit dem Satz: „Ich freu mich über jeden Tag, den mir der liebe Gott noch schenken mag.“

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