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Nach der Wahl ist vor der Wahl: SPD-Kreisvorsitzender Wolfgang Werner (li., stehend) forderte die Genossen auf, für die Landtags- und Bezirkstagswahlen zu kandidieren.

Kreiskonferenz am Bibisee

Ex-SPD-Abgeordneter Barthel: „Wir sind keine Volkspartei mehr“

Wir haben Anlass zu ernster Sorge“, sagte Klaus Barthel bei der SPD-Kreiskonferenz im Restaurant am Bibisee. Das schlechte Abschneiden der Genossen bei der Bundestagswahl war das Hauptthema.

Königsdorf– Barthel, der sich heuer nach 23 Jahren aus dem Bundestag zurückgezogen hat, fühlt sich an die Zustände der sogenannten Weimarer Republik in den 1920er-Jahren erinnert. „Damals war es durch das Erstarken einer rechten Partei auch schwierig, eine handlungsfähige Regierung zu bilden“, sagte der 61-Jährige. Die Entscheidung der SPD, in die Opposition zu gehen, hält er zwar für grundsätzlich richtig. „Wir dürfen uns jetzt aber nicht zurücklehnen und glauben, die SPD sei ein unsinkbares Schiff“, warnte der Kochler. Er verwies auf Beispiele aus Dänemark und den Niederlanden, in denen sozialdemokratische Parteien ebenfalls dramatische Verluste erlitten hätten. Barthel rief jeden Genossen auf, Verantwortung zu übernehmen. „Momentan sind wir keine Volkspartei mehr“, bilanzierte er enttäuscht.

Die ehemalige SPD-Kreisvorsitzende Gabriele Skiba machte ihrem Unmut Luft, dass es in politischen Debatten seit zwei Jahren nur um die Asylproblematik gehe. „Bei anderen Themen wie Bildung oder Renten tut sich wenig“, bedauerte sie. Der Wolfratshauser Stadtrat Manfred Menke bemängelte, dass die SPD die Diskussion um die Energiewende und die innere Sicherheit vernachlässigt habe. „Ich bin noch nicht demotiviert, aber manche Ziele müssen wir konsequenter verfolgen“, forderte er.

Der ehemalige Wolfratshauser SPD-Ortsvorsitzende Hans Gärtner zeigte sich enttäuscht über den seiner Meinung nach vorschnellen Rückzug in die Opposition. „Eine gute Politik kann man nur in der Regierung beweisen“, glaubt er. Die ehemalige Vorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) Oberland, Kathi Koper, hält die SPD dagegen in ihrem jetzigen Zustand für nicht regierungsfähig. „Das sind die Parteien, die um eine Jamaika-Koalition verhandeln, auch nicht“, entgegnete Barthel. Kämpferisch gaben sich dagegen die Vertreter der Jusos Oberland. „Die SPD ist schon oft totgesagt worden, dabei lebt sie noch“, sagte Max-Ferdinand Meißauer.

Kreisvorsitzender Wolfgang Werner brach die lebhafte Diskussion nach über zwei Stunden ab und kündigte an, dass die Aufstellung der Kandidaten für die bevorstehenden Bezirks- und Landtagswahlen erst im kommenden Jahr erfolgen wird. Der zwischenzeitlich aufgelöste Arbeitskreis Frieden, der zuvor von Ilse Nitzsche geleitet worden war, soll mit einer neuen Führung wiedergegründet werden.

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