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Kleiner Stausee: Am Rand der B 11 breiteten sich die Wassermassen aus.

Mehrere Stunden Ausnahmezustand

Extremes Unwetter setzt Königsdorf unter Wasser

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Ganze 23 Mal musste die Feuerwehr am Donnerstag in Königsdorf ausrücken. Grund war ein extremes Unwetter, über das selbst erfahrene Kommandanten staunten. 

Königsdorf – Blitz und Donner, Starkregen und Hagel, Sturmböen und Eisbrocken: Königsdorf hat am Donnerstag einen Vorgeschmack auf den Weltuntergang erlebt. Ganze 23 Mal mussten die Ortsfeuerwehren von Königsdorf, Osterhofen und Schönrain ausrücken. „Innerhalb kurzer Zeit fiel so viel Hagen und Regen, dass es zu überfluteten Gebäuden, Straßen und Kellern kam“, teilt der Sprecher der Feuerwehren im Landkreis, Stefan Kießkalt mit. Besonders betroffen war ein Bauernhof in Osterhofen, der in einer Mulde liegt. Knapp 50 Retter hatten alle Hände voll zu tun, dem massiven Unwetter zu trotzen, auch die Eurasburger Feuerwehr eilte zur Unterstützung herbei. Die Einsätze dauerten von 16.30 Uhr bis spät in den späten Abend.

Das Ganze spielte sich in einem schmalen Streifen ab

Etwas Vergleichbares hat der Königsdorfer Kommandant Johann Vogel noch nicht erlebt. Das betrifft nicht nur die Intensität des Unwetters, sondern auch die Ausbreitung. „Es war eigentlich ein ganz kleiner Streifen von ein, zwei Kilometern betroffen“, erzählt er. „Der Kreisverkehr am Gasthof Geiger im Norden ist trocken geblieben, Hofstätt im Süden auch.“ Aber dazwischen: Land unter. Vor allem, weil der Hagel die Gullis verstopfte und das viele Regenwasser nicht ablaufen konnte. Was den Sachschaden angeht, will Vogel keine Spekulationen anstellen. „Da müssen wir die nächsten Tage abwarten.“

Wie im tiefsten Winter: Bäcker Konrad Stelmaszek musste zur Schaufel greifen, um den Hagel auf die Seite zu schaffen.

Im Zentrum des Gewitters befand sich der Chef der Backstube Königsdorf, Konrad Stelmaszek. „Ich habe meinen Nachmittagsschlaf gehalten und bin vom Wind aufgewacht“, erzählt er. Erst hielt er das Ganze für ein normales Unwetter, wie sie in den vergangenen Tagen öfter vorgekommen sind. Dann aber verwandelte sich der Regen in Graupel, der Graupel in Hagel und der Hagel in Eisbrocken. „Ich habe beim Fenster rausgeschaut und keinen Meter gesehen“, erzählt er. „Da wird einem schon ein bisschen unheimlich.“ Vor allem, weil die Windrichtung immer wieder drehte. Sprich: Die Hagelkörner kamen von allen Seiten.

Die Königsdorfer Backstube im Zentrum des Unwetters

Gut, dass der Bäckermeister beim Bau Vorkehrungen gegen solche Unwetter getroffen hat, die Wasserrinnen haben sich jetzt ausgezahlt. Dennoch musste er ausrücken. Unter anderem schaufelte wie im tiefen Winter Massen von Hagelkörnern weg. Am Freitag, also am Tag danach, musste er sich erst einmal einen Überblick verschaffen. „Ich weiß noch nicht, ob die Photovoltaik-Anlage etwas abgekriegt hat“, erzählt er. Immerhin, die Backstube selbst hat keinen Schaden genommen und läuft normal weiter.

Das Obst ist größtenteils nicht mehr zu gebrauchen

„Das Unwetter hat die ganze Obst-Ernte im Ort verhagelt“, berichtet Birgit Demmel aus Osterhofen. Demmels Mann betreibt im Herbst eine Apfelsaftpresse, zu der Privatleute ihre Äpfel bringen können. „Da wird es heuer wenig zu tun geben“, erzählt sie. Auch ihr Garten mit Hochbeeten sei verwüstet. „Ein so heftigen Hagel habe ich im Sommer noch nie erlebt.“

Lesen Sie auch: Königsdorfer Alm startet in die Saison

Extreme lokale Unwetter wie am Donnerstag in Königsdorf sind zwar selten, kommen aber vor. Stefan Kießkalt erklärt: „Dass punktuell so viel auf einen Schlag runter kommt, damit ist die Feuerwehr immer wieder mal konfrontiert.“ Oder, wie Konrad Stelmaszek es formuliert: „Jetzt hat es halt uns mal erwischt.“

Heftiges Unwetter: Hagel, Starkregen und Gewitter in Königsdorf

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