+
„Wir sind erleichtert“, sagt Polizeipräsident Robert Kopp bei der Pressekonferenz.

Letzte Festnahme nach dem grausamen Raubmord

Fall Höfen aufgeklärt - Königsdorf kann aufatmen

  • schließen

Der Doppelmord von Höfen in Königsdorf ist seit dem Wochenende aufgeklärt. Der vierte Tatverdächtige wurde in Polen festgenommen. Die Bürger der Gemeinde können wieder beruhigt Schlafen gehen - fast.

Königsdorf – Nach fünf Wochen der Unsicherheit und Furcht kann der Weiler Höfen in Königsdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) aufatmen: Der grausame Raubmord, der sich im Haus von Luise Strauch (76) ereignet hat, ist aufgeklärt. Der vierte Tatverdächtige wurde am Freitagabend gegen 22 Uhr in Polen festgenommen.

Damit sitzen alle, die an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein sollen, in Untersuchungshaft: die Pflegekraft (49) aus Polen, die sich bis vergangenen Herbst vor Ort um Strauchs Mann gekümmert hat, ihr Sohn (23), ein polnischer Staatsangehöriger (32), der zunächst als Zeuge gesucht worden war, und nun auch der Bruder der Pflegekraft, Robert Pludowski.

Tatverdächtiger wird in Polen geschnappt

Die polnische Polizei hat den 43-Jährigen in Stettin festgenommen. „Im öffentlichen Raum, die genauen Umstände entziehen sich unserer Erkenntnis“, erklärte Markus Deindl, Leiter der Sonderkommission Höfen, in einer Pressekonferenz am gestrigen Montag. Die Staatsanwaltschaft vor Ort, mit der man eng zusammenarbeite, habe die Staatsanwaltschaft München noch am selben Abend über den Fahndungserfolg informiert. „Wir sind froh und erleichtert“, sagte Polizeipräsident Robert Kopp.

Eine 76-Jährige aus der Nähe von Frankfurt und ein 81-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen wurden am 26. Februar tot in dem Einfamilienhaus in Höfen gefunden. Die Eigentümerin Luise Strauch kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. Die grausamen Szenen, die sich bei dem Einbruch abgespielt haben müssen, erschütterten die Idylle in dem 3000-Einwohner Dorf.

Polizei wollte nichts unversucht lassen

Umso wichtiger sei der Polizei gewesen, den Fall schnell aufzuklären, betonte Kopp. Außerdem habe man Wert darauf gelegt, sich um die Bevölkerung zu kümmern, zum Beispiel mit einer Informationsveranstaltung. Die Soko Höfen ist in den vergangenen fünf Wochen mit 59 Beamten und Tarifbeschäftigten 300 Hinweisen nachgegangen und hat 250 Zeugen vernommen. Am Tatort wurden 4000 Spuren gesichert. „Wir wollten nichts unversucht lassen“, so Kopp.

Spurensicherung im Einfamilienhaus in Höfen. Hier fand die Polizei die entscheidende DNA-Spur.

Die Aufklärung des Falls verlief wie im Lehrbuch. Ein Puzzelteil kam aus der Nachbarschaft: Die Information über die Pflegekraft. Dazu passend die DNA-Spur ihres Bruders, die etwa 300 Meter vom Wohnhaus entfernt gefunden wurde. Sie passt zu Pludowski, „Wir haben umgehend – jetzt können wir es ja sagen – Zielfahndungsmaßnahmen eingeleitet“, erklärt Kopp. Die Polizei lud die Pflegekraft aus Stettin ins nahe Prenzlau in Brandenburg zur Vernehmung ein. Dort wurde sie festgenommen, die Polizei veröffentlichte das Fahndungsfoto ihres Bruders.

Bevölkerung erholt sich langsam

Überlebte den Raubmord: Luise Strauch (76).

„Für die Bevölkerung ist es ein wichtiges Zeichen, dass solche Taten, wenn sie begangen werden, aufgeklärt werden“, sagte Hajo Tacke, Leitender Staatsanwalt. Für die Soko ist die Festnahme der Tatverdächtigen ein Meilenstein. Beendet ist die Arbeit aber noch nicht: Die drei Männer sitzen in Polen in Untersuchungshaft. Erst wenn Auslieferungshaftbefehl Erfolg hat, können die Vernehmungen in Deutschland durchgeführt werden. Auch dann erst wird herauskommen, was sich tatsächlich in der grauenvollen Nacht in Höfen abgespielt hat.

Doch ist jetzt alles wieder gut in Königsdorf? Bürgermeister Anton Demmel verspürt Genugtuung darüber, dass die Verantwortlichen bestraft werden. Bis die Angst, die sich in Königsdorf breitgemacht hat, verschwindet, ist es aber noch ein weiter Weg. Und Vergessen fällt schwer, wenn die Mitbürgerin noch im Krankenhaus liegt. „Ihr Körper gesundet langsam, Luise Strauch ist aber nicht vernehmungsfähig“, sagte Soko-Leiter Markus Deindl. 

Alle aktuellen Entwicklungen können Sie auch in unserem Ticker nachlesen.

Bilder: Zwei Tote nach Gewaltverbrechen in Königsdorf

sw

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wolfratshauser (76) radelt den Jakobsweg
6639 Kilometer in 61 Tagen: Diese Strecke hat Heinz Kuhn aus Wolfratshausen kürzlich zurückgelegt. Der 76-Jährige ist auf dem Jakobsweg von Wolfratshausen bis ans Kap …
Wolfratshauser (76) radelt den Jakobsweg
Lkw übersieht Radfahrer - mit einem fleißigen Schutzengel
Beim Abbiegen hat ein Lkw-Fahrer einen Radfahrer übersehen. Der Radfahrer erlitt schwere, aber zum Glück keine lebensgefährlichen Verletzungen.
Lkw übersieht Radfahrer - mit einem fleißigen Schutzengel
Wolfratshauser Schießstättstraße nachts gesperrt
Die Schießstättstraße ist seit Jahren eine der am meisten frequentierten Strecken in der Flößerstadt. Nun muss sie bis Mittwoch, 30. August, nachts gesperrt werden.
Wolfratshauser Schießstättstraße nachts gesperrt
Pfarrer Bierprigl bekommt einen Gedenkstein
Am Namenstag des Heiligen Sebald wurde der Gedenkstein für Eglings verstorbenen Pfarrer Franz Bierprigl auf dem Dorfplatz eingeweiht. Pfarrer Manfred Wurzer möchte das …
Pfarrer Bierprigl bekommt einen Gedenkstein

Kommentare