Kormoran im Fluss
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Umstrittener Vielfraß: Der Kormoran gilt als einer der größten Fischräuber hierzulande. Der Königsdorfer Fischereiverein wirbt um Verständnis für die erlaubte Bejagung nach zuletzt unschönen Vorfällen mit Spaziergängern.

Schimpfende Spaziergänger schießen den Vogel ab

Fischereiverein wirbt um Verständnis für legale Kormoranabschüsse

  • vonPeter Borchers
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Königsdorf – Bisweilen fallen Worte wie „Banditen“ und „Grattler“, und das sind noch die von der harmloseren Sorte. Was sich Peter Pelz und seine Jägerkollegen in seinem Revier zwischen Königsdorf und Eurasburg in den vergangenen Wochen anhören mussten, ist nicht die feine Art. „Die Leute sind wahnsinnig aggressiv“, sagt der Geretsrieder, seit 50 Jahren Jäger.

Als solcher helfen er und seine Kollegen dem Fischereiverein Königsdorf, die Kormoranbestände um die Vereinsgewässer in der Balance zu halten. Viele Ausflügler aber wollen die Schüsse auf die Vögel nicht sehen und werden rabiat – oft aus Unwissenheit.

Klaus Lange, Vorsitzender des Königsdorfer Fischereivereins

Denn die streng reglementierte Bejagung und Vergrämung – Letzteres bedeutet das aus permanenter Störung resultierende Vertreiben – der Tiere ist behördlich erlaubt. Seit Jahren würden die Fischbestände in bayerischen Gewässern dramatisch zurückgehen, sagt Klaus Lange, Chef der Königsdorfer Fischer. Vereine und der Landesfischereiverband (LFV) Bayern versuchten mit allerlei Maßnahmen, „dieser alarmierenden Entwicklung entgegenzuwirken“. Dem Besatz mit fangfähigen Fischen und Futterfischen als Nahrungsgrundlage für Raubfische und für geschützte Vogelarten wie den Eisvogel falle hier eine wichtige Aufgabe zu. „Dazu kommt der Stützbesatz für gefährdete und geschützte Fischarten sowie Muscheln, die nicht befischt werden“, so Lange weiter. Der Fischotter und andere Vögel wie der Gänsesäger benötigen ebenfalls eine ausreichende Fischpopulation als Beute. Ziel sei, so Lange, „die Artenvielfalt im und außerhalb des Wassers zu erhalten. Darum muss das Verhältnis der Populationen verschiedener Räuber gegenüber den Fischen beobachtet und wenn nötig reguliert werden.“

Der Kormoran hat in Deutschland kaum natürliche Fressfeinde. Ein ausgewachsenes Exemplar frisst am Tag rund 500 Gramm Fisch – laut Lange „das Gewicht einer Portionsforelle“. Kormoranverbände mit mehr als 100 Vögeln bevölkern insbesondere im Winter Fließgewässer und fressen sehr große Mengen Fisch – in Bayern etwa 600 Tonnen im Jahr. Kormorane sind hervorragende Taucher, aus diesem Grund haben ihre Beutefische vor allem in flachen Gewässern meist keine Fluchtchance. Und der Vogel ist „sehr schlau“, erkenne genau, wer ihm Böses will oder nicht, hat Vereinschef Lange beobachtet. Nehme man beispielsweise einen Besenstiel zur Hand und gehe damit auf die Tiere zu, flüchten sie, „nähert man sich ohne, stört sie das überhaupt nicht“. Die besonderen Fähigkeiten der Vögel seien einer der Gründe, warum mittlerweile über 90 Prozent der Fische in Fließgewässern auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere stehen.

Bewusster und verantwortungsvoller Eingriff

Die Königsdorfer Fischer werben deshalb bei allen Liebhabern einer vielfältigen Natur um Verständnis für die Bejagung der Tiere. Dieser „bewusste und verantwortungsvolle Eingriff“ geschehe nicht willkürlich, um eine Tierart auszurotten, sondern sei eine „notwendige Maßnahme, um das Gleichgewicht aller Tierarten aufrecht zu erhalten, nachdem bereits durch viele Eingriffe die Umwelt nachhaltig verändert worden ist“.

Trotz immer wieder kontroverser Auseinandersetzungen zwischen dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), dem Bund Naturschutz (BN) sowie der Naturschutzbehörden mit dem Landesfischereiverband wurde 1996 die erste Kormoranverordnung erlassen. Seit Juni 2008 liegt in Bayern die Artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung vor. Nach ihr dürfen die Vögel zwischen dem 16. August und dem 14. März in einem Umkreis von 200 Metern von Gewässern getötet werden. Ausgenommen sind befriedete Jagdbezirke, Naturschutzgebiete und Nationalparks sowie Europäische Vogelschutzgebiete nach der Vogelschutzverordnung.

Die Maßnahmen und Tätigkeitsfelder der Fischereivereine und des Landesfischereiverbandes sind vielfältig. Zu ihnen gehören neben der Aufzucht und dem Besatz von Fischen die Fischzählung in den Gewässern, das Abfischen vor Hochwasserschutz- und Renaturierungsarbeiten sowie der nachfolgende Neubesatz. Verband und Vereine wie der seine, so Klaus Lange, übernähmen zudem „wichtige Aufgaben“ wie den Erhalt und die Schaffung neuer Laichplätze, die Kontrolle der Fischereivorschriften mit der Verhinderung von Fischwilderei, Ufer- und Gewässerpflege mit Maßnahmen des Umweltschutzes, die Müllentsorgung sowie eine umfangreiche Jugendarbeit.

peb

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