Manuel Neuer operiert! Keeper fällt aus

Manuel Neuer operiert! Keeper fällt aus
+
Betreuer und Betreute in der Jugendsiedlung (v.li.) Teklemariam Habteslasie, Eva Geisler (Caritas), Tewelde Sahle, Josef Birzele und Tsegay Kesete.

"Servus" geht schon locker von den Lippen

Jugendsiedlung Hochland: Besuch bei den Flüchtlingen

Königsdorf - Drei minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Eritrea wohnen seit Anfang November in der Jugendsiedlung Hochland. Ein Zusammenleben, das alle Beteiligten als Bereicherung empfinden.

Die Heimat ist weit weg. Mehr als 4400 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Jugendsiedlung und Eritrea, wo Tewelde Sahle, Tesgay Kesete und Teklemariam Habteslasie geboren wurden. Jetzt sind sie im Wohnzimmer des Leiters der Jugendsiedlung, Josef Birzele, und sitzen gemütlich beisammen. Fast ein Jahr Flucht von Eritrea durch Äthiopien, Sudan, Libyen und über das Meer liegt hinter den Jugendlichen. Die drei 17-Jährigen haben sich auf diese waghalsige Reise begeben, um einer Militärdiktatur mit unwägbaren Überlebenschancen zu entgehen. „In Eritrea ist kein Frieden“, sagt Teklemariam mit leiser Stimme.

Jeder von ihnen hatte einen eigenen Lebens- und Fluchtweg. Erst in der Bayernkaserne, einer Erstaufnahmeeinrichtung in München, haben sich ihre Wege gekreuzt. Die Jugendlichen – alle drei orthodoxe Christen – leben nun in Birzeles Haus, genauer in den zwei Appartments für Auszubildende. Sie wirken aufgeschlossen und lachen viel. Wie gefällt den jungen Eritreern das Leben in Deutschland? „Alles ist gut hier“, erklären sie übereinstimmend. „Es gibt Respekt.“

Probleme mit den Gebräuchen hierzulande haben sie kaum. Festgestellt haben sie allerdings, merkt Birzele schmunzelnd an, „dass man in Deutschland für alles einen Stempel braucht“. Eine Umstellung sei für die drei gewesen, dass man sich hier beim Sprechen immer in die Augen schaut. In Eritrea, erzählt der Leiter der Jugendsiedlung, vermeidet man aus Respekt den Augenkontakt und starrt auf den Boden.

Das Trio kann sich schon ziemlich gut auf deutsch verständigen. Das bayerische „Servus“ geht ihnen locker von den Lippen. „Das haben sie bei wöchentlichen Volleyballtraining beim TSV von den Mitspielern gelernt“, erklärt Birzele. Gut gefallen hat den jungen Eritreern der Schnee, den sie bei dem kurzen Gastspiel des Winters vor ein paar Wochen erlebt haben. „Sie haben auch schon Plätzchen gebacken und den Weihnachtsbaum geschmückt“, erzählt der Leiter der Jugendsiedlung. „Wir spielen und reden auch viel miteinander und essen regelmäßig gemeinsam.“

Ein voller Erfolg war der Besuch des Tollwood Winterfestivals auf der Theresienwiese. „Viele Menschen und sehr schöne Dekoration“, beschreibt Tewelde den Ausflug. Der Tagesablauf der drei ist geregelt. Sie stehen jeden Morgen um sechs Uhr auf und fahren bei Wind und Wetter mit dem Rad dreieinhalb Kilometer nach Königsdorf. Von dort nehmen sie den Bus nach Tölz. Der berufsvorbereitende Unterricht im Bildungszentrum „Real Isarwinkel“ dauert von 8.30 bis 15 Uhr. Nachmittags fahren die Jugendlichen dann den gleichen Weg zurück. Später werden Hausaufgaben erledigt oder es wird eingekauft. „Anfangs haben sie in der Jugendsiedlung gegessen, seit ein paar Wochen kochen sie aber selbst“, berichtet Birzele.

Auf die Frage, was sie denn kochen, antwortet Teklemariam: „Nudeln“. „Auch Huhn oder Linsen und Fladenbrot“, ergänzt Eva Geisler, Sozialpädagogin und Betreuerin von der Caritas. Sie fährt mit den Jugendlichen regelmäßig zum Einkaufen. „Das erste Mal haben sie sich im Laden einfach irgendwelche Nudeln gegriffen und dabei gleich die teuersten Bio-Nudeln erwischt“, erzählt sie mit einem Lachen. Inzwischen klappe das Einkaufen aber hervorragend.

Auch das Waschen und Putzen erledigen die drei selbständig. „Tsegay hat gestern einen Koch- und Putzplan für alle drei aufgestellt“, erklärt Birzele. Überhaupt würde das Trio die Appartments immer tip-top in Ordnung halten.

Wie die Zukunftspläne der drei aussehen? Erst einmal gut deutsch sprechen lernen, darin sind sie sich einig. Sie wollen einen Beruf erlernen, in Bayern leben und Freundschaften schließen. Aber auch zu ihren Familien möchten sie Kontakt halten. Derzeit telefonieren sie nur einmal im Monat.

Die Traumberufe der jungen Eritreer sind Schreiner und Koch. Als nächster Schritt auf dem Weg zum großen Ziel steht die Deutschprüfung im Februar an. „Das schaffen sie“, ist Birzele überzeugt. „Sie sind fleißig und ehrgeizig.“

Davon zeugt auch ein dickes Heft mit der Aufschrift Deutsch-Tigrinya auf dem Tisch. Tigrinya ist die Amtssprache in Eritrea. Wenn alles klappt, wollen sie die Berufsschule besuchen und im September nächsten Jahres eine Ausbildung beginnen.

Und wie verbringen Tewelde, Tesgay und Teklemariam den 24. Dezember? „Wir werden mit der ganzen Familie und den drei Jungs in die Kirche nach Königsdorf gehen und zu Fuß zurück“, sagt Birzele. „Dann gibt es Bescherung und ein schönes Abendessen.“

von Yvonne Zuber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Großbrand in den Isarauen: Schlimmer Schaden verhindert
Großeinsatz für die Feuerwehren im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 160 Freiwillige kämpften am Mittwoch gegen einen Waldbrand in der Pupplinger Au bei Geretsried. …
Großbrand in den Isarauen: Schlimmer Schaden verhindert
Polizei warnt vor falschen Polizisten
In Geretsried und Gelting gab es am Mittwochabend mehrfach Anrufe durch falsche Polizeibeamte. Sie warnten vor angeblichen Einbrechern.
Polizei warnt vor falschen Polizisten
„Man braucht eine gesunde Psychohygiene“
Sie sind für die Schüler Ansprechpartner und helfende Hände in Problemsituationen: Die Schulsozialarbeiter an den Wolfratshauser Mittelschulen. Seit zehn Jahren gibt es …
„Man braucht eine gesunde Psychohygiene“
Notarzt siegt gegen Zweckverband
Notarzt siegt gegen Zweckverband

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare